Eine kritische Studie zu europäischen Autobauern von der Bank of America belastet die Branche. "Chinas Expansion in Europa beschleunigt sich", schrieb Analyst Horst Schneider und verwies auf Ölpreis-Risiken und das Thema Treibstoffeffizienz, das die Nachfrage zunehmend verändere: "Gesamtbetriebskostenvorteile von Elektrofahrzeugen verstärken den Druck auf den Massenmarkt." Chinesische Autobauer expandierten derzeit rasch in Europa und produzierten vor Ort, wobei sie ungenutzte Kapazitäten nutzten, um den Preisdruck zu verstärken.
Für die Vorzugsaktie von Volkswagen bekräftigte Analyst Horst Schneider dennoch seine Kaufempfehlung, senkte aber sein Kursziel von 112 auf 99 Euro. Dabei wies er auf steigende Risiken durch China hin sowie darauf, dass die Annahmen über eine Erholung zunehmend hinterfragt würden.
BofA-Analyst Schneider schrieb unterdessen zu Renault, dass diesem Autobauer die Kurstreiber ausgingen und zu Stellantis, dass schon "zu viel" Erholung vorweggenommen worden sei, obwohl eine Wende zum Besseren noch nicht sicher sei.
Mit Blick auf die deutschen Premium-Hersteller geht Schneider davon aus, dass chinesische Premium-Hersteller zwar durchaus auch europäische Kunden gewinnen könnten, "allerdings vor allem dann, wenn sie einen deutlichen Preisvorteil bieten". Eine bessere Ausstattung allein dürfte im Wettbewerb mit BMW, Mercedes, Audi, Porsche und Volvo auf deren Heimatmärkten indes kaum ausreichen. Für diese etablierten Hersteller bestehe daher das eigentliche Problem vor allem darin, dass sie Marktanteile auf ihrem weltweit größten Absatzmarkt China verlören.
Volkswagen muss Tempo machen. Für den Massenhersteller wird die Luft immer dünner. Produktseitig kann VW derzeit nicht glänzen. Den ID-Modellen fehlt innovative Software und ein am Kunden orientiertes Infotainment. Die Konkurrenz in China ist nahezu auf und davon. Die neuen Modelle der ID.Unyx-Reihe, die speziell für den chinesischen Markt zusammen mit Xpeng entwickelt und aufgebaut wurden, sind nett, aber kein Gamechanger. Ob die Probleme in China zusammen mit den Partnern Xpeng und Momenta überhaupt ausgeräumt, sprich die Verkaufszahlen von VW zumindest wieder stabilisieren können, bleibt ohnehin fraglich.
Was Europa betrifft, so sind andere Massenhersteller bereits mit Elektroautos unter 25.000 Euro auf dem Markt. Wie der neue ID.Polo bei den Kunden ankommt, muss sich erst noch zeigen. Fakt ist: Volkswagen muss liefern. Das Chartbild bleibt angeschlagen, die Aktie ist aktuell kein Kauf.
Premium-Hersteller BMW dagegen setzt nach wie vor auf die Modellgeneration "Neue Klasse", die der Grundstein für die neuen Batterieelektroautos der Münchener ist. Der SUV iX3 wurde bereits ausgerollt, die Limousine i3 wird noch in diesem Jahr folgen. In China soll mit der „Neuen Klasse“ der Absatzrückgang gestoppt werden. „Unserer Einschätzung nach wird der Fahrzeugpreis die Nagelprobe für BMW in China sein“, sagt Ferdinand Dudenhöffer vom CAR-Institut gegenüber DER AKTIONÄR.
Grundsätzlich gilt: BMW ist mit einem Portfolio an Verbrennern, Hybriden und reinen E-Autos gut positioniert. Viele Experten sehen BMW mit den neuen Modellen auf Augenhöhe mit der starken Konkurrenz aus China. Sind im wichtigsten Absatzmarkt Anzeichen für eine Erholung sichtbar, wird die Aktie wieder Schwung nach oben bekommen. Wer investiert ist, bleibt dabei.
Enthält Material von dpa-AFX
Heute, 09:49