Apple gilt im KI-Rennen als Nachzügler, doch die Konkurrenz hat den Tech-Riesen offenbar noch nicht abgeschrieben. Wenige Wochen vor der Entwicklerkonferenz WWDC, bei der Apple das langersehnte Siri-Update präsentieren dürfte, hat es Alphabet plötzlich eilig, neue Funktionen für das eigene Smartphone-Betriebssystem Android zu präsentieren. Das dürfte kein Zufall sein.
• Google integriert Gemini tief in Android 17
• Gemini soll künftig eigenständig Apps steuern und Aufgaben erledigen
• Druck auf Apple steigt
Kurz vor der eigenen Entwicklerkonferenz I/O hat Alphabet-Tochter Google die Karten auf den Tisch gelegt: Der Konzern hat eine umfangreiche Palette neuer Funktionen für Android 17 angekündigt, die den KI-Assistenten Gemini tief in das Betriebssystem einbetten sollen.
Sameer Samat, der bei Google das Android-Ökosystem verantwortet, formulierte den Anspruch des Unternehmens klar: „Das ist ein grundlegender Wandel in der Art und Weise, wie wir mit Technologie interagieren. Und die Konsequenz ist, dass sich jeder Aspekt des Betriebssystems verändern muss.“ In der Praxis heißt das: Gemini soll künftig eigenständig über mehrere Apps hinweg agieren, den Bildschirminhalt verstehen und mehrstufige Aufgaben erledigen – ohne dass Nutzer manuell zwischen verschiedenen Diensten wechseln müssen.
Als Beispiel nannte Samat eine Gartenparty-Planung: Gemini liest die Gästeliste aus Gmail aus, stellt ein passendes Menü zusammen, legt die Zutaten in einen Instacart-Warenkorb – und wartet dann auf die Freigabe des Nutzers, bevor der Kauf abgeschlossen wird. „Der Mensch ist immer eingebunden", betonte Samat. Nutzer können laufende Automatisierungen jederzeit unterbrechen oder selbst übernehmen.
Die neue Funktionssammlung trägt den Namen Gemini Intelligence – eine bewusste Anlehnung an „Apple Intelligence“ des Rivalen Apple. Ein weiteres neues Feature heißt Rambler: Das Sprachdiktier-Tool filtert Füllwörter heraus, fokussiert sich auf das Wesentliche und unterstützt auch den Wechsel zwischen verschiedenen Sprachen innerhalb einer einzigen Nachricht. Audiodaten werden dabei laut Google ausschließlich für die Transkription verwendet und nicht gespeichert.
Rollout startet mit Samsung und Pixel
Die neuen KI-Funktionen werden zunächst auf Samsungs nächsten Foldable-Geräten sowie der Google Pixel 11-Serie verfügbar sein, beide erwartet für diesen Sommer. Im weiteren Jahresverlauf folgt die Ausweitung auf weitere Android-Geräte – Smartwatches, Laptops, Brillen und Autos. Android Auto, das in mehr als 250 Millionen Fahrzeugen verbaut ist, bekommt eine Gemini-basierte Neugestaltung inklusive des nach Google-Angaben größten Maps-Updates seit einem Jahrzehnt.
Auch für Content-Creator hat Google nachgebessert: Die lange kritisierte Qualitätslücke bei Instagram-Videos soll in Zusammenarbeit mit Meta geschlossen worden sein. Neu ist zudem das Feature Screen Reactions, das Selfie-Kamera und Bildschirminhalt gleichzeitig aufnimmt – bislang war dafür eine Drittanbieter-App nötig.
Googles Seitenhieb gegen Apple
Der Zeitpunkt der Ankündigung ist kein Zufall. Anfang Juni dürfte Apple auf seiner Worldwide Developers Conference (WWDC) eine grundlegend überarbeitete Version von Siri präsentieren. Diese wird ebenfalls auf Gemini-Modellen basieren – Apple und Alphabet hatten zu Jahresbeginn eine entsprechende Partnerschaft bekanntgegeben. Alphabet-Tochter Google will sich bei den Kunden aber offenbar dennoch als technologischer Vorreiter präsentieren.
Einen kleinen Seitenhieb in Richtung Apple konnte sich Samat dann auch nicht verkneifen: „Einige Unternehmen arbeiten noch an ihrer ersten Version eines Chatbots oder Sprachassistenten. Ich bin sicher, das wird gut, wenn sie so weit sind."
An der Börse honorieren Investoren Googles Strategie: Die Alphabet-Aktie hat in den vergangenen zwölf Monaten mehr als 140 Prozent zugelegt und notiert nur knapp unter Allzeithoch. Sie steht seit geraumer Zeit auf der Empfehlungsliste des AKTIONÄR und ist ein Basisinvestment im Tech-Sektor.
Die Aktie von Apple kommt im gleichen Zeitraum auf ein Kursplus von fast 40 Prozent und hat am Dienstag ebenfalls ein neues Rekordhoch markiert. Mit Blick auf die ambitionierte Bewertung muss der Konzern in Sachen KI aber auch langsam liefern. Watchlist!
Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Apple.
Der Autor hält unmittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Apple.
Heute, 15:20