Die Wall Street verabschiedet sich mit gemischten Vorzeichen ins Wochenende. Die Nervosität war die ganze Woche groß: Kaum keimte Hoffnung auf neue Gespräche mit dem Iran auf, rückten mögliche weitere Angriffe wieder in den Vordergrund. Viele Anleger gingen deshalb auf Nummer sicher und nahmen bei den Tech-Aktien Gewinne mit. Fallende Ölpreise verhinderten heute eine schlimmere Ausweitung der Korrektur, echte Entwarnung gab es aber nicht.
Der Dow Jones Index mit den 30 wichtigsten Unternehmen aus verschiedenen Zweigen der US-Industrie kletterte am Freitag um 0,45 Prozent auf 51.952 Punkte. Beim marktbreiten S&P 500 fiel das Plus mit 0,05 Prozent auf 7.412 Zähler minimal aus. Für den technologielastigen Nasdaq 100 ging es heute um weitere 1,13 Prozent runter bis auf 28.134 Punkte. Auf Wochensicht stehen damit bei allen drei US-Indizes Verluste zu Buche.
Iran-Angst bremst die Bullen aus
Zwischenzeitlich hatten Hoffnungen auf neue Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran für Aufatment gesorgt. Pakistan prüft laut Reuters auf chinesische Initiative einen möglichen Weg zurück an den Verhandlungstisch. Die Hürden für Gespräche bleiben jedoch hoch. Gleichzeitig zog US-Präsident Trump in dieser Woche nämlich eine mögliche Ausweitung der Angriffe auf den Iran in Erwägung (DER AKTIONÄR berichtete).
Vor diesem Hintergrund wollten sich viele Anleger offenbar nicht mit großen Positionen ins Wochenende wagen. Die Sorge: Eine weitere Eskalation könnte den Öltransport durch die Straße von Hormus beeinträchtigen und damit den Märkten wieder einen heftigeren Gegenwind bescheren.
Öl fällt, Gold und Silber steigen
Am Ölmarkt kehrte am Freitag aber vorerst leichte Entspannung zurück. Der Brent-Preis stand zuletzt 3,7 Prozent tiefer bei rund 97 Dollar. Der WTI-Preis gab um 3,4 Prozent auf rund 89 Dollar nach.
Die Edelmetalle präsentierten sich zum Wochenende fester. Der Goldpreis notierte am Freitag kurz vor US-Börsenschluss 0,2 Prozent im Plus bei 4.057 Dollar je Feinunze und baute seinen Wochengewinn damit auf zwei Prozent aus. Silber entwickelte sich wie gewohnt dynamischer und gewann am Abend 1,2 Prozent auf 58,29 Dollar, auf Wochensicht summiert sich das Plus auf knapp fünf Prozent.
Chip-Aktien unter Beschuss
Am schwersten lastete der Druck heute auf den Speicherchip-Herstellern: Die Aktien von Seagate (minus 6,8 Prozent), Western Digital (minus 6,9 Prozent), Micron (minus 7,0 Prozent) und Sandisk (minus 10.8 Prozent) standen heute im Nasdaq 100 klar auf der Verliererseite. Die fundamentalen Treiber sind aber weiterhin intakt.
Auch Intel konnte aus seinem starken Zahlenwerk kein Kapital schlagen. AKTIONÄR-Leser wissen: Der Konzern hatte mit Umsatz und Gewinn die Erwartungen klar übertroffen und einen optimistischen Ausblick geliefert. Nach anfänglichen Kursgewinnen drehte die Aktie im Handelsverlauf aber deutlich ins Minus und schloss bei 92,32 Dollar fast acht Prozent tiefer.
AMD büßte trotz des viel gelobten Investorenevents "Advancing AI 2026" und den darauffolgenden zahlreichen Kurszielanhebungen – unter anderem durch die Bank of America auf 620 Dollar – am heutigen Handelstag 3,3 Prozent ein. Auch Nvidia (minus 0,9 Prozent), Broadcom (minus 2,7 Prozent) und Qualcomm (minus 2,4 Prozent) mussten Federn lassen. Dabei zeichnete AMD auf dem Event ein ausgesprochen ambitioniertes Bild: Der weltweite Computermarkt soll bis 2030 auf zwei Billionen Dollar wachsen, davon allein 1,4 Billionen Dollar mit KI-Beschleunigern. Die Rack-Scale-Architektur "Helios" mit Instinct-GPUs, EPYC-Prozessoren, Pensando-Netzwerktechnik und ROCm-Software kommt zudem gut an – die Kundenliste wächst.
Software-Aktien spitze
An der Spitze im Nasdaq 100 standen hingegen die in diesem Jahr abgestraften Software-Titel: Adobe gewann am Freitag 6,1 Prozent, Workday verzeichnete ein Plus von 5,8 Prozent. Im Dow Jones führte Salesforce mit 4,3 Prozent Kursgewinn das Feld an. Rückenwind dürften unter anderem die am Donnerstagabend veröffentlichten Zahlen vom europäischen Branchenprimus SAP gegeben haben. Der DAX-Konzern war mit einem Kursgewinn von 9,3 Prozent heute ebenfalls auf dem Spitzenplatz. Außerdem rudern Analysten zurück: Die Angst vor einer KI-bedingten Disruption gehe inzwischen zu weit – die Stimmung im Softwaresektor sei "zu negativ" geworden.
Die wichtigsten Quartalszahlen des Tages
Unter den Standardwerten geriet die Aktie von American Express nach einer minimal verfehlten Umsatzerwartung am heftigsten unter Druck. Mit einem Kursverlust von 4,3 Prozent sortierte sie sich am Freitag am Ende des Dow Jones ein. Alle Details zu den Zahlen können Sie hier nachlesen.
NextEra Energy präsentierte ebenfalls ein durchwachsenes Zahlenwerk. Der bereinigte Gewinn je Aktie stieg von 1,05 auf 1,15 Dollar und übertraf damit die Analystenschätzungen um 0,02 Dollar. Der Umsatz blieb mit 7,53 Milliarden Dollar jedoch deutlich hinter dem Konsens von rund 8,05 Milliarden Dollar zurück. Anleger sehen keinen Handlungsbedarf – das Papier notiert unverändert auf Vortagesniveau.
Für ein Ausrufezeichen sorgte Verizon. Der Konkurrent von AT&T und T-Mobile US nahm im Mobilfunk- und Breitbandgeschäft mehr ein als erwartet. Zudem gewann Verizon netto 184.000 Mobilfunkvertragskunden und 348.000 neue Breitbandkunden hinzu. Das bereinigte Ergebnis je Aktie stieg von 1,22 auf 1,30 Dollar und übertraf ebenfalls die Analystenschätzungen. Auch wenn der Gesamtumsatz hinter den Erwartungen zurückblieb, hob das Unternehmen aufgrund der besseren Geschäftsentwicklung seine Jahresziele an. Für die Aktie ging es heute um 5,8 Prozent nach oben.
Mag-7 vor dem Härtetest
Der Blick richtet sich bereits auf die kommende Woche. Dann legen unter anderem Microsoft, Meta und Apple ihre Quartalszahlen vor.
Bei Meta zeigt sich Deutsche Bank im Vorfeld optimistisch: „Unsere Gespräche mit Werbekunden fielen durchweg positiv aus. Sie deuten auf höhere Konversionsraten, steigende Renditen für Werbekunden und anhaltende Vorteile aus Metas Investitionen in KI-gestützte Sortierung, Ausspielung und Kampagnenautomatisierung hin“, schrieben die Analysten. Sie hoben ihre Schätzung für den Q2-Umsatz von Meta deshalb auf 60,5 Milliarden Dollar an und liegen damit leicht über dem Bloomberg-Konsens von 60,3 Milliarden Dollar.
Alphabet und Tesla waren am Mittwoch bereits an der Reihe und gerieten daraufhin unter Druck. Beim Google-Konzern störten sich die Anleger vor allem an den rasant steigenden KI-Investitionen, die den Cashflow des Unternehmens belasten. Mit dem Kurssturz um 7,1 Prozent fiel die Aktie am Donnerstag erstmals seit über einem Jahr unter den GD200. Am Freitag weitete die Aktie ihre Verluste zumindest nicht weiter aus, sondern schloss 0,7 Prozent höher. Damit steht die zügige Rückeroberung der langfristigen Trendlinie aber noch aus. Bei Tesla hat sich das Chartbild im Gegensatz dazu dramatisch verschlechtert. Der Kurs ist innerhalb von drei Handelstagen von 378,93 Dollar auf 313,03 Dollar eingebrochen und notiert nun wieder auf dem Niveau von August 2025.
Nvidia schloss unterdessen einen milliardenschweren Vertrag mit Amkor Technology. Der Chipriese zahlt 1,5 Milliarden Dollar vor, um den Ausbau von Verpackungs- und Testkapazitäten in den USA zu unterstützen. Gemeinsam wollen die beiden Firmen neue Verfahren für KI- und Rechenzentrumschips entwickeln.
Das war an den US-Börsen heute außerdem wichtig:
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