Intel hat im zweiten Jahresviertel deutlich besser abgeschnitten als erwartet und auch beim Ausblick für das laufende Quartal kräftig nachgelegt. Umsatz, Gewinn und Marge lagen klar über den Prognosen. Der KI-Boom beschert dem Halbleiterproduzenten das stärkste Umsatzwachstum seit 15 Jahren. Allerdings verschlingt der Konzernumbau erneut enorme Summen. Der freie Cashflow fiel tief ins Minus.
Der Chiphersteller aus Santa Clara ist im Q2 so stark gewachsen wie zuletzt im dritten Quartal 2011. Der Umsatz sprang um 25 Prozent auf 16,1 Milliarden Dollar. Analysten hatten lediglich mit 14,4 Milliarden Dollar gerechnet.
Auch beim bereinigten Gewinn je Aktie ließ Intel die Erwartungen weit hinter sich. Statt der prognostizierten 0,21 Dollar verdiente der Halbleiterkonzern 0,42 Dollar je Aktie. Im Vorjahresquartal hatte noch ein Verlust von 0,10 Dollar zu Buche gestanden.
KI-Geschäft gibt Vollgas
Insgesamt legte der Umsatz der Produktsparte von 11,2 Milliarden Dollar auf 15,1 Milliarden Dollar zu.
Besonders überzeugend fällt die Entwicklung des Geschäfts mit Rechenzentren und KI aus. Intel profitiert zunehmend von der boomenden Nachfrage nach Rechenleistung. Der Umsatz kletterte hier um 59 Prozent auf 6,26 Milliarden Dollar. Erwartet worden waren lediglich 5,54 Milliarden Dollar.
„KI sorgt für eine beispiellose Nachfrage nach Rechenleistung“, erklärte CEO Lip-Bu Tan. „Wenn wir unseren Kurs weiter konsequent umsetzen, ist Intel hervorragend positioniert, um mit seinem CPU-Geschäft nachhaltig zu wachsen.“
Auch das klassische PC-Geschäft, der größte Geschäftsbereich von Intel, entwickelte sich besser als gedacht. Die Erlöse im Bereich Client Computing stiegen um 13 Prozent auf 8,88 Milliarden Dollar und übertrafen damit die Konsensschätzung um elf Prozent. Für das dritte Quartal rechnet das Management wegen der Speicherknappheit allerdings mit stagnierenden PC-Verkäufen.
Margen deutlich besser als gedacht
Ein echtes Ausrufezeichen setzte Intel bei der Bruttomarge. Sie verbesserte sich von 29,7 Prozent auf 41,8 Prozent und lag damit ebenfalls klar über der Analystenschätzung von 39,2 Prozent. Mit einem bereinigten EBIT in Höhe von 2,77 Milliarden Dollar schaffte Intel zudem die Rückkehr in die Gewinnzone. Im Vorjahreszeitraum stand hier ein Verlust in Höhe von 503 Millionen Dollar zu Buche. Die operative Marge erreichte 17,2 Prozent. Analysten hatten lediglich 11,1 Prozent auf dem Zettel.
„Wir haben ein starkes zweites Quartal abgeliefert und unsere Finanzziele dank einer robusten Nachfrage und einer besseren operativen Umsetzung übertroffen. Dazu trugen auch höhere Produktionsmengen bei, die durch bessere Fertigungsausbeuten und kürzere Durchlaufzeiten ermöglicht wurden“, resümierte der Finanzchef Dave Zinsner.
Foundry wächst – Investitionen steigen
Auch das wichtige Foundry-Geschäft legte zu. Künftig will Intel seine Fabriken vermehrt nicht mehr nur für eigene Prozessoren nutzen, sondern auch Chips für externe Kunden fertigen – ähnlich wie TSMC oder Samsung. Mit Fortinet hatte Intel erst Anfang der Woche den ersten namentlich bekannten Foundry-Kunden präsentiert. Der Umsatz der Auftragsfertigung stieg um 31 Prozent auf 5,77 Milliarden Dollar und übertraf damit die Erwartung von 5,48 Milliarden Dollar. Der langfristige Erfolg dieses Geschäftsbereichs bleibt entscheidend für die Bewertung der Aktie.
Die Expansion hat allerdings ihren Preis. "Die Nachfrage nach KI-getriebener Rechenleistung gewinnt weiter an Stärke", erklärte Zinsner. Um das erwartete Wachstum in den Produkt- und Foundry-Sparten zu bedienen, werde Intel die Investitionen in Fertigungsanlagen, Reinraumflächen und Substrate in diesem und im kommenden Jahr "deutlich erhöhen". Der bereinigte freie Cashflow brach im zweiten Quartal auf minus 8,42 Milliarden Dollar ein. Im Vorjahresquartal hatte der Mittelabfluss lediglich 1,05 Milliarden Dollar betragen.
Der Ausblick setzt die Krone auf
Für das dritte Quartal stellt Intel einen Umsatz zwischen 15,8 und 16,8 Milliarden Dollar in Aussicht und liegt damit deutlich über der bisherigen Analystenschätzung von 15,1 Milliarden Dollar. Beim bereinigten Gewinn erwartet das Management 0,38 Dollar je Aktie. Der Konsens lag bislang bei 0,27 Dollar. Auch die Guidance für die Bruttomarge von 42 Prozent fällt besser aus als erwartet.
Was hinter der 165-Prozent-Rally steckt
Seit Jahresbeginn liegt Intel 165 Prozent im Plus. Unter anderem die Aussicht auf einen Chip-Deal mit Apple gab dem Papier einen kräftigen Schub. Zudem erzielte das Unternehmen wichtige Fortschritte im 18A-Fertigungsprozess und profitiert von den Bemühungen der US-Regierung zur Stärkung der heimischen Chipproduktion. Zuletzt geriet der Kurs allerdings ins Rutschen und verlor im Juli bis dato 28 Prozent.
Intel hat die Messlatte deutlich übersprungen. Alle Geschäftszweige wachsen schneller als erwartet, die Margen erholen sich, der Ausblick überzeugt. Die operativen Belege für die Fortschritte des Konzernumbaus überzeugen auch den Markt: Unmittelbar nach Veröffentlichung der Zahlen springt die Intel-Aktie um mehr als 11 Prozent nach oben. DER AKTIONÄR bleibt trotz des starken Quartals an der Seitenlinie. Die starke Entwicklung ist größtenteils bereits im Kurs eingepreist. Das KGV liegt auf Basis der Schätzungen für 2026 bei 89 – auf diesem Niveau ist die Aktie für einen Neueinstieg zu teuer. Im Halbleitersektor favorisiert DER AKTIONÄR weiterhin AMD und Nvidia.
23.07.2026, 22:14
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