An den New Yorker Börsen setzte am Donnerstag ein massiver Abverkauf ein. Die US-Indizes verloren bis zu zwei Prozent. Zwei Themen bestimmten das Marktgeschehen: die Eskalation im Iran-Konflikt und die Quartalszahlen der Tech-Schwergewichte. Nachbörslich bewegen außerdem die Zahlen von Intel und SAP die Kurse.
Der Standardwerte-Index Dow Jones verlor zum Handelsschluss 0,97 Prozent auf 51.717 Zähler. Der breiter gefasste S&P 500 gab sogar um 1,21 Prozent auf 7.408 Punkte nach. Am heftigsten erwischte es heute die Technologiewerte: Der Nasdaq 100 knickte um 1,87 Prozent auf 28.455 Zähler ein. Nach einem schwachen Handelsauftakt konnten sich die Indizes am frühen Abend zwar zeitweise etwas erholen, kurz vor Börsenschluss notierten sie jedoch wieder nahe ihren Tagestiefs.
Trump erwägt "massiven Angriff"
Die geopolitische Lage spitzte sich im Handelsverlauf weiter zu. Für zusätzlichen Verkaufsdruck sorgte am Nachmittag ein Bericht des US-Portals Axios. Demnach erwägt US-Präsident Donald Trump einen "massiven Angriff" auf den Iran – "größer als jemals zuvor". Seinen Angaben zufolge könnte eine Entscheidung in Kürze fallen. Zuvor hatten die vom Iran unterstützten Huthi-Milizen Angriffe auf zwei saudi-arabische Tanker im Roten Meer für sich reklamiert. Trump drohte daraufhin mit der Zerstörung weiterer iranischer Infrastruktur (DER AKTIONÄR berichtete). Weder Washington noch Teheran zeigen derzeit Bereitschaft, an den Verhandlungstisch zurückzukehren.
Mit der Aussicht auf eine weitere Eskalation schnellte der Brent-Preis zeitweise um über acht Prozent nach oben und überschritt erstmals seit Ende Mai wieder die Marke von 100 Dollar je Barrel. Kurz vor Handelsende stand er noch 6,4 Prozent im Plus bei 100,11 Dollar. Nach Einschätzung von Helima Croft von RBC Capital Markets könnte der Ölpreis bei einer Ausweitung des Konflikts historische Niveaus erreichen: „Angesichts der derzeitigen Eskalation halten wir es für möglich, dass der Ölpreis das im Zuge des Ukraine-Kriegs erreichte Hoch von 128 Dollar je Barrel übertrifft. Im schlimmsten Fall eines umfassenden regionalen Kriegs könnte sogar das Hoch von 146 Dollar aus dem Jahr 2008 wieder in Reichweite rücken“, so die Rohstoffexpertin. Die US-Sorte WTI kostete zuletzt 91,68 Dollar und somit 5,6 Prozent mehr als am Vortag.
Zinssorgen kehren zurück
Gleichzeitig zogen die Renditen zehnjähriger US-Staatsanleihen auf über 4,7 Prozent und damit auf den höchsten Stand seit Januar 2025 an. Die Märkte rechnen inzwischen mit einer deutlich restriktiveren Geldpolitik. Laut CME FedWatch liegt die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung der Fed im September mittlerweile bei 82 Prozent. Vor einer Woche waren es lediglich 52 Prozent.
„Es ist ziemlich schwer, den Konflikt zu ignorieren – nicht nur wegen des Ölpreises, sondern auch wegen des Drucks entlang der gesamten Zinskurve“, sagte Baird-Stratege Ross Mayfield. In den kommenden zwei bis drei Monaten werde es an den Märkten vor allem wieder um den Iran gehen.
Alphabet und Tesla unter Beschuss
Neben der Geopolitik belasteten vor allem Alphabet und Tesla den Technologiesektor. Die Alphabet-Aktie sackte um 7,1 Prozent ab. Zwar übertraf die Google-Mutter mit ihren Quartalszahlen die Erwartungen, doch die erneute Anhebung der Investitionsprognose verschreckte die Anleger. Alphabet will 2026 nun zwischen 195 und 205 Milliarden Dollar investieren. Bislang hatte das Unternehmen 180 bis 190 Milliarden Dollar veranschlagt. Gleichzeitig fiel der freie Cashflow im zweiten Quartal negativ aus. An der Wall Street wachsen deshalb die Zweifel, dass die gigantischen Ausgaben für Rechenzentren und KI-Infrastruktur schnell genug in Gewinne umgemünzt werden können.
Auch Amazon (minus 4,6 Prozent), Meta (minus 3,4 Prozent) und Microsoft (minus 2,2 Prozent) gerieten als Unternehmen, die den KI-Ausbau finanzieren, in den Abwärtssog. Die "Mag 7" erlebten insgesamt einen rabenschwarzen Tag. Der Maginficent 7 Index des AKTIONÄR sackte um 4,5 Prozent ab. Bedeutet: Binnen eines Handelstages wurden rund 800 Milliarden Dollar Börsenwert vernichtet.
Am härtesten traf es Tesla. Die Aktie schmierte um 14,5 Prozent ab und fiel damit auf ein neues Jahrestief. Der Elektroautobauer verfehlte die Gewinnerwartungen deutlich. Zusätzlich sprangen die Investitionsausgaben im Jahresvergleich um 142 Prozent auf 5,79 Milliarden Dollar. Für das Gesamtjahr rechnet das Unternehmen inzwischen mit Ausgaben von mehr als 25 Milliarden Dollar.
Bitcoin-Miner neu entdeckt
Zu den wenigen Gewinnern am heutigen Tag zählen die Aktien der Bitcoin-Miner. Während die Kryptowährung 1,8 Prozent verlor und wieder unter die Marke von 65.000 Dollar zurückfiel, legte etwa TeraWulf um 2,9 Prozent, Hut 8 sogar um 7,1 Prozent zu.
Der Grund: Bei den Anlegern, die die milliardenschweren Investitionspläne von Alphabet verdauen, rücken Bitcoin-Miner zunehmend als Besitzer wertvoller digitaler Infrastruktur in den Fokus. "Der Markt unterscheidet zunehmen zwischen den Unternehmen, die die Kosten des KI-Ausbaus tragen, und jenen, die von den dafür notwendigen physischen Engpässen profitieren können. Das spiegelt die heutige Kursbewegung wider", erklärt Michael Donovan, leitender Analyst bei Compass Point. "Die höheren Investitionen von Alphabet und der kurzfristige Druck auf den freien Cashflow verdeutlichen die Belastung für die Unternehmen, die diese Expansion finanzieren. Gleichzeitig unterstreichen dieselben Ausgaben, wie knapp und wertvoll Stromkapazitäten, Netzanschlüsse und Rechenzentrumsflächen sind."
US-Rüstungskonzerne drehen auf
Die AKTIONÄR-Empfehlungen Lockheed Martin und RTX überzeugten am Donnerstagnachmittag mit satten Gewinnsprüngen und angehobenen Jahresprognosen. Die weltweit steigenden Verteidigungsausgaben und eine robuste Nachfrage nach Raketenabwehrsystemen sorgen für prall gefüllte Auftragsbücher. Die Aktien von Lockheed Martin gewinnen 10,5 Prozent, RTX-Aktien notieren zum Handelsschluss 7,3 Prozent höher. Damit trotzen die US-Werte dem zuletzt schwächeren Branchentrend in Europa.
SK Hynix: Knappes Gut
Gefragt waren zudem die in den USA gehandelten ADRs von SK Hynix. Die Papiere legten rund fünf Prozent zu, nachdem bekannt wurde, dass die Umwandlung südkoreanischer Aktien in US-Hinterlegungsscheine auf 2,5 Prozent der ausstehenden Aktien begrenzt bleibt.
Die Obergrenze ist durch das 26,5 Milliarden Dollar schwere US-Angebot vom 10. Juli bereits vollständig ausgeschöpft. Damit können Anleger derzeit keine neuen ADRs schaffen, um Preisunterschiede zwischen Seoul und New York auszunutzen. Das begrenzte Angebot könnte den Aufschlag der US-Papiere gegenüber den koreanischen Aktien vorerst hoch halten. Zuletzt lag die Prämie bei rund 33 Prozent, zeitweise waren es sogar 51 Prozent.
Zahlenkracher nach Börsenschluss: Intel und SAP heben ab
Am Abend sorgten Intel und SAP für positive Überraschungen. Intel übertraf im zweiten Quartal die Erwartungen bei Umsatz, Gewinn und Marge deutlich und stellte auch für das laufende Vierteljahr mehr in Aussicht als gedacht. Die Aktie schoss daraufhin nach US-Börsenschluss um elf Prozent nach oben.
SAP verfehlte zwar beim operativen Gewinn und beim Ergebnis je Aktie die Prognosen, überzeugte jedoch mit höher als erwarteten Umsätzen sowie einem starken Cloud-Auftragsbestand. Die US-Notierung legte nachbörslich zeitweise 7,8 Prozent zu.
Die Berichtssaison bleibt stark. Von den bislang 95 Unternehmen aus dem S&P 500 übertrafen 88 Prozent die Gewinnerwartungen. Auch beim Umsatz lagen 83 Prozent über den Prognosen. Alphabet zeigt jedoch: Von guten Zahlen allein lassen sich Anleger nicht überzeugen.
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