Die Bank of America hat die Augustzahlen von Similarweb ausgewertet, eines Datendienstes, der das Surfverhalten einer Nutzerstichprobe hochrechnet. Die Schlagzeile klingt nach Entwarnung: Googles weltweite Webbesuche stiegen im Jahresvergleich um drei Prozent auf 2,8 Milliarden pro Tag, ChatGPT verlor fünf Prozent auf 181 Millionen. Wer nur diese beiden Zahlen nebeneinanderlegt, liest daraus, dass die Suchmaschine den Angriff überstanden hat. So steht es in den Daten aber nicht.
Der Abstand ist gewaltig. Google kommt auf rund das 15-Fache der ChatGPT-Besuche. Nur ist ein Vorsprung eine Bestandsgröße und keine Geschwindigkeit. Gegenüber dem Vormonat lag Googles Traffic sowohl weltweit als auch in den USA unverändert, ChatGPT legte in beiden Regionen um vier Prozent zu. Gemini wuchs im Jahresvergleich um 261 Prozent, Claude um 533 Prozent, Meta AI um 175 Prozent. Solche Raten entstehen auf kleiner Basis. Sie entstehen aber nicht in der klassischen Suche.
ChatGPT: Der Zuwachs entscheidet
Mobil wird es deutlicher. Googles täglich aktive App-Nutzer stiegen im Jahresvergleich um zwölf Prozent auf 2,3 Milliarden, ChatGPT um 37 Prozent auf 469 Millionen. Entscheidend ist der Zuwachs innerhalb des Monats: Google gewann drei Millionen tägliche Nutzer hinzu, ChatGPT 21 Millionen. Google verliert also niemanden, aber der weit größere Teil der Neuzugänge ging woandershin. Das ist der Unterschied zwischen einem stabilen und einem wachsenden Geschäft.
Similarweb: Was diese Zahl nicht misst
Similarweb misst Panel-Daten aus Browsern, also Besuche über Desktop und mobile Browser. Ein wachsender Teil der KI-Nutzung läuft über Apps und über Programmierschnittstellen, die fremder Software den direkten Zugriff auf das Modell erlauben. Beides taucht hier nicht auf. Umgekehrt zählt jeder Google-Aufruf für Karten, Mail oder Öffnungszeiten als Besuch. Die 2,80 Milliarden messen Gewohnheit, nicht Suchqualität. Und die sieben Millionen neuen Gemini-Nutzer gehören ebenfalls Alphabet.
Alphabet: Der nächste harte Termin
Ende Oktober, voraussichtlich am 27. Oktober, legt Alphabet die Zahlen zum dritten Quartal vor. Dort trifft die Suche auf die starke Vorjahresbasis, die Finanzchefin Anat Ashkenazi im Juli angekündigt hat. Im Q2 wuchs der Posten Google Search & other noch um 17 Prozent auf 63,3 Milliarden Dollar. Gleichzeitig steigt die Investitionsprognose auf 195 bis 205 Milliarden Dollar.
Die Augustdaten belegen, dass die Chatbots den Suchmarkt bisher vergrößern und nicht aufteilen. Googles Basis bleibt intakt. Angegriffen ist der Zuwachs: Rund zwei Drittel der zusätzlichen täglichen Nutzer landeten außerhalb des Alphabet-Kosmos. Für den Kurs zählt daher nicht der Traffic-Vergleich, sondern die Frage, ob das Suchwachstum die Abschreibungen aus den neuen Rechenzentren trägt.
DER AKTIONÄR hat eine laufende Empfehlung für Alphabet.
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