SAP hat im Q2 bei Umsatz und Cloud-Wachstum weitgehend die Erwartungen erfüllt. Besonders stark entwickelte sich der Cloud-Auftragsbestand. Beim operativen Ergebnis und beim Gewinn je Aktie blieb Europas größter Softwarekonzern allerdings hinter den Analystenschätzungen zurück. Anleger zeigen sich dennoch erleichtert: Die SAP-Aktie legt im nachbörslichen US-Handel zeitweise um fast acht Prozent zu.
Der Umsatz stieg im zweiten Quartal von 9,03 Milliarden Euro auf 9,88 Milliarden Euro und lag damit knapp über der Schätzung von 9,85 Milliarden Euro. Die Cloud- und Softwareerlöse beliefen sich auf 8,85 Milliarden Euro (plus 11,1 Prozent), prognostiziert worden waren 8,82 Milliarden Euro. Der reine Cloud-Umsatz erfüllte mit 6,28 Milliarden Euro ziemlich genau die Erwartungen.
Cloud-Geschäft wächst schneller als gedacht
Noch überzeugender fiel der Auftragsbestand aus: Der Cloud Backlog kletterte auf 22,9 Milliarden Euro. Im Vorjahresquartal lag dieser bei 18,1 Milliarden Euro. Bereinigt um Wechselkurseffekte entspricht das einem Plus von 26 Prozent. Analysten hatten lediglich mit einem Zuwachs von 23,8 Prozent gerechnet.
Damit liefert SAP ein wichtiges Signal: Trotz der wachsenden Zweifel an den Geschäftsmodellen klassischer Softwarekonzerne bleibt die Nachfrage nach den Cloud-Lösungen der Walldorfer hoch. Die Migration der Kunden auf S/4HANA sowie Programme wie "Rise with SAP" und "Grow with SAP" treiben das wiederkehrende Geschäft weiter an.
Gewinn hinkt den Erwartungen hinterher – Cashflow überzeugt
Ergebnisseitig konnte der deutsche Softwareriese die Erwartungen allerdings nicht vollständig erfüllen. Die konzernweite Bruttomarge lag mit 73,4 Prozent zwar noch nahezu auf Höhe der Prognose, im Cloud-Segment blieb die Bruttomarge von 74,6 Prozent jedoch etwas hinter der Markterwartung zurück.
Mit dem Anstieg des bereinigten operativen Gewinns um 6,8 Prozent auf 2,74 Milliarden Euro lag SAP ebenfalls unter dem Analystenkonsens von 2,91 Milliarden Euro.
Auch der bereinigte Gewinn je Aktie verfehlte mit 1,59 Euro die Schätzung von 1,75 Euro. Der Nettogewinn fiel mit 2,21 Milliarden Euro dagegen höher aus als erwartet. Hier hatte der Markt lediglich 1,95 Milliarden Euro auf dem Zettel.
Positiv entwickelte sich der freie Cashflow. Dieser belief sich im zweiten Quartal auf glatt drei Milliarden Euro und fiel damit 27 Prozent höher aus als im Vorjahr.
EBIT-Prognose angepasst
Für das Gesamtjahr erwartet SAP nun einen bereinigten operativen Gewinn zwischen 11,8 und 12,2 Milliarden Euro. Zuvor hatte die Zielspanne bei 11,9 bis 12,3 Milliarden Euro gelegen. Die Anpassung geht nach Angaben des Konzerns auf die im Juli abgeschlossenen Übernahmen von Dremio und Prior Labs zurück. Die beiden Transaktionen dürften das bereinigte operative Ergebnis mit mehr als 100 Millionen Euro belasten.
An den übrigen Zielen hält SAP fest. Der Cloud-Umsatz soll weiterhin zwischen 25,8 und 26,2 Milliarden Euro liegen. Für die Cloud- und Softwareerlöse stellt der Konzern 36,3 bis 36,8 Milliarden Euro in Aussicht. Beim freien Cashflow rechnet SAP unverändert mit rund zehn Milliarden Euro.
SAP versieht den Jahresausblick allerdings mit einem geopolitischen Fragezeichen: Die Prognosen basieren ausdrücklich auf der Annahme, dass sich der Konflikt im Nahen Osten kurzfristig wieder beruhigt. Mögliche Folgen einer Fortsetzung oder Ausweitung des Konflikts wären längere Verkaufszyklen, zurückhaltendere Investitionen der Unternehmenskunden oder Belastungen durch Wechselkurse und Konjunktur. Wie stark die Eskalation das Marktgeschehen weiterhin bestimmt, zeigte sich erst am Donnerstag an der Wall Street (DER AKTIONÄR berichtete).
Trotz des verfehlten Gewinnziels fällt die erste Kursreaktion positiv aus. Die in den USA gehandelten SAP-Papiere steigen nachbörslich in der Spitze um 7,8 Prozent. Für eine nachhaltige Trendwende reicht das jedoch noch nicht. Charttechnisch bleibt die Aktie stark angeschlagen: Auf Jahressicht hat sich der Kurs halbiert. Zudem notiert er unterhalb der 50- und 200-Tage-Linie. Ein Neueinstieg drängt sich daher weiterhin nicht auf.
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23.07.2026, 22:28
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