SAP wollte seine Kunden mit künstlicher Intelligenz in die Cloud ziehen. Jetzt lockert der Konzern den Kurs. Große Unternehmen sollen die neuen Anwendungen künftig auch mit älteren Systemen nutzen können. Der Grund ist brisant.
Viele Kunden warten nicht auf Joule. Sie bauen ihre KI bereits mit Microsoft und anderen Anbietern. Das berichtet Bloomberg nach Gesprächen mit SAP-Managern, Kunden und Partnern.
Intern wächst die Nervosität. Mitglieder des Aufsichtsrats halten laut Bloomberg in den kommenden Monaten einen KI-Durchbruch für nötig. Einige rechnen mit einem weiteren Jahr. Vorstandschef Christian Klein (Foto oben) sagt: „Natürlich ist der Druck so hoch wie nie.“
Der Hoffnungsträger Joule überzeugt viele Kunden offenbar noch nicht. Mehrere Partner berichten von verhaltener Nachfrage. Der Manager eines großen Pharmakonzerns sagt, sein Unternehmen habe SAPs KI getestet. Wegen des hohen Aufwands für das Training der Agenten sei die Einführung verworfen worden. Mehrere SAP-Manager erklärten dem Bericht zufolge zudem, der Konzern verkaufe bei KI derzeit vor allem Zukunftshoffnungen.
Wie groß die Gefahr ist, zeigt Levi’s. Der US-Modekonzern hat bereits mehr als 1.000 KI-Agenten im Einsatz. Nur fünf bis zehn davon stammen von SAP. Die meisten laufen über Microsoft Copilot. SAP bleibt damit zwar das zentrale System für die Unternehmensdaten. Bei der neuen KI-Wertschöpfung fließt das Geld jedoch zunehmend an andere Anbieter.
Auch die Cloud-Migration bremst. Der Technologiekonzern Zeiss stoppte seine Umstellung nach sechs Jahren und Investitionen von mehr als 200 Millionen Euro. Nun sollen bestehende SAP-Prozesse in eine Cloud-Umgebung integriert werden. Viele Kunden können ihre alten Systeme kurzfristig nicht ersetzen.
Klein reagiert
SAP öffnet die KI nun auch für lokale Installationen. Das Angebot gilt zunächst für große Kunden, die mindestens die Hälfte des Werts ihrer SAP-Lizenzen in die Cloud verlagern. Technisch bleibt die Lösung anspruchsvoll. Zwei mit der Sache vertraute Manager bezweifeln, dass die für die Cloud entwickelte KI problemlos auf alten Systemen läuft. Klein räumt ein: „Es wird niemals eine Lösung geben, die sofort funktioniert.“
Nach dem angekündigten Abgang von Produkt- und Technikchef Muhammad Alam übernimmt Klein zusätzliche Verantwortung für die KI-Entwicklung. SAP plant im zweiten Halbjahr 50 KI-Assistenten und mehr als 400 autonome Agenten. Gleichzeitig soll laut einer Mitarbeiterumfrage das Vertrauen in den Vorstand auf 54 Prozent gesunken sein. Zu Beginn von Kleins Amtszeit waren es 80 Prozent.
SAP besitzt ein starkes Fundament. Mehr als 90 Prozent der Fortune-500-Unternehmen nutzen SAP-Anwendungen. DER AKTIONÄR hatte sich zuletzt wieder positiv zur SAP-Aktie positioniert. Der Bericht zeigt aber, dass bei SAP (trotz der jüngsten Kurserholung bei der Aktie) noch längst nicht alle Baustellen rund um das Thema KI und Cloud erledigt sind.
08.09.2026, 17:20
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