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EZB: Zinsen bleiben stabil – hält Lagarde ihre Abschiedsrede?

EZB: Zinsen bleiben stabil – hält Lagarde ihre Abschiedsrede?
Foto: Noppasin Wongchum/Shutterstock
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Annalena Götz Heute, 14:20 Annalena Götz
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Die Europäische Zentralbank hat den Leitzins in der Eurozone am Donnerstag wie erwartet bestätigt. Damit liegt der für die Geldpolitik maßgebliche Einlagensatz weiterhin bei 2,25 Prozent. Von den Märkten wurde das weitgehend eingepreist – der DAX reagiert unmittelbar nach dem Zinsentscheid für einen kurzen Moment positiv, baut dann seine Tagesverluste jedoch weiter aus. Deutlich spannender dürfte die anschließende Pressekonferenz von EZB-Chefin Christine Lagarde werden. Neben dem weiteren Zinspfad steht auch ihre persönliche Zukunft im Fokus.

In Frankfurt ist die Entscheidung gefallen. Trotz der erneuten Zuspitzung der Lage im Iran-krieg erhöht die EZB die Zinsen kein zweites Mal in Folge. Mitte Juni hatten die Währungshüter den Leitzins um 0,25 Prozentpunkte angehoben. Die im Zuge des Iran-Kriegs gestiegenen Energiepreise hatten die Inflation angetrieben. Obwohl sich die geopolitische Lage zuletzt wieder zugespitzt hatte, wurde eine erneute Zinserhöhung heute im Vorfeld nicht erwartet: "Für dieses starke Signal fehlt den Notenbankern der akut drängende Grund", so Commerzbank-Volkswirt Marco Wagner. "Die Öl- und Gaspreise liegen deutlich unter den kriegsbedingten Höchstständen, auch wenn sie zuletzt wegen des Aufflammens der Kämpfe wieder gestiegen sind."

Nächster Zinsschritt im September?

Im offiziellen Statement der EZB lautet die Begründung für den Zinsentscheid wie folgt: "Der Ausblick für die Energiepreise ist zwar weiterhin von hoher Volatilität geprägt, liegt derzeit jedoch nahe am Basisszenario der EZB-Stabsprojektionen vom Juni und deutlich über dem Niveau vor dem Ausbruch des Nahostkonflikts. Die vollständigen Auswirkungen des Energiepreisschocks auf die Inflation sind bislang noch nicht sichtbar. Der EZB-Rat beobachtet daher die Intensität und Dauer des Schocks sowie dessen Zweitrundeneffekte genau und wird bei der Festlegung des geldpolitischen Kurses weiterhin datenabhängig und von Sitzung zu Sitzung entscheiden." Ziel bleibe es, die Inflation bei einem Wert von zwei Prozent zu stabilisieren.

Zuletzt hatte sich die Inflation schneller als erwartet abgeschwächt: Im Juni fiel die Inflationsrate in der Eurozone von 3,2 Prozent auf 2,8 Prozent. Vom Ziel der EZB, die Teuerung mittelfristig bei zwei Prozent zu stabilisieren, ist der Währungsraum allerdings weiterhin ein gutes Stück entfernt. Zudem haben die jüngsten Kämpfe im Nahen Osten die Ölpreise erneut nach oben getrieben. Die Gefahr einer zweiten Inflationswelle ist damit noch nicht gebannt.

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Die heutige Entscheidung könnte somit als Verschnaufpause zu verstehen sein, bedeutet aber nicht das Ende der Zinserhöhungen. Viele Volkswirte rechnen bereits bei der nächsten Sitzung im September mit einem weiteren Schritt nach oben. Entscheidend wird sein, wie stark sich die höheren Energiekosten auf die Verbraucherpreise, die Lohnentwicklung und das Wachstum auswirken. In einer Reuters-Umfrage von letzter Woche erwarteten rund 70 Prozent der befragten Ökonomen noch mindestens eine weitere Zinserhöhung in diesem Jahr.

Eine längere Serie von Zinsschritten gilt derzeit jedoch als eher unwahrscheinlich. Denn die EZB muss den Spagat schaffen, die Inflation einzudämmen, ohne die ohnehin schwächelnde Konjunktur zusätzlich abzuwürgen.

Rede von EZB-Chefin Lagarde im Fokus

Um 14:45 Uhr folgt wie gewohnt die Pressekonferenz von EZB-Präsidentin Christine Lagarde. Diese dürfte Aufschluss über den weiteren geldpolitischen Kurs der Notenbank geben und für Anleger der weitaus spannendere Teil des heutigen Termins sein. 

Besondere Brisanz erhält Lagardes Auftritt durch die anhaltenden Spekulationen, dass sie ihr Amt vorzeitig niederlegen könnte. Ihre achtjährige Amtszeit läuft eigentlich bis Oktober 2027. Zuletzt schloss die Französin in einem Interview mit der Zeitung Les Échos einen früheren Rücktritt jedoch nicht kategorisch aus und verwies auf ein mögliches Engagement im französischen Präsidentschaftswahlkampf. "Ich glaube, dass in der französischen Präsidentschaftsdebatte eine europäische Stimme zu hören sein muss", so Lagarde.

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DAX (WKN: 846900)

Der DAX hat nach seinen Vortagesgewinnen heute wieder den Rückwärtsgang eingelegt. Nach Verlusten von 0,7 Prozent zuckt der deutsche Leitindex um 14:15 Uhr kurzzeitig nach oben, dreht dann jedoch sofort wieder und tendiert weiter abwärts. Die verhaltene Reaktion an der Börse bestätigt: Die Zinspause der EZB kam für die Märkte nicht überraschend.

Am Devisenmarkt bleibt die Entscheidung in Frankfurt hingegen nicht ohne Folgen: Der Euro fiel nach der Bekanntgabe auf ein Tagestief von 1,1381 Dollar, da die Zinspause den kurzfristigen Rückenwind für die Gemeinschaftswährung bremst. 

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