Gestern kam es zu einer Razzia bei der Deutschen Bank in der Zentrale in Frankfurt am Main. Der AKTIONÄR berichtete. Dabei soll es um weit zurückreichende Deals bei der Tochter Postbank gehen, als diese noch nicht zum Konzern gehörte. Die Aktie reagierte vorerst nicht wie erwartet.
Das Wichtigste kurz und knapp
• Bei der Deutschen Bank fand die dritte Razzia in diesem Jahr statt; im Mittelpunkt stehen mutmaßliche Cum-Cum-Geschäfte der früheren Postbank.
• Zehn ehemalige Topmanager sollen für falsche oder unvollständige Steuererklärungen verantwortlich sein; der mögliche Schaden beträgt mehr als 350 Millionen Euro.
• Die Deutsche-Bank-Aktie zeigte sich bislang unbeeindruckt und schloss den Handelstag mit einem sichtbaren Plus.
Es ist bereits die dritte Razzia in diesem Jahr bei der Deutschen Bank. Die Staatsanwaltschaft Düsseldorf führte gestern Ermittlungen bei dem Finanzinstitut durch. Laut mehreren Medienberichten geht es um den Verdacht der gemeinschaftlichen Steuerhinterziehung durch zehn ehemalige Topmanager der Postbank im Zusammenhang mit Cum-Cum-Geschäften.
Bei Cum-Cum-Deals geht es um die Generierung von Steuervorteilen für ausländische Inhaber deutscher Aktien rund um den Dividendenstichtag. Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung, des NDR und des WDR wird den zehn ehemaligen Topmanagern vorgeworfen, dafür verantwortlich zu sein, dass die Postbank in den Jahren 2008 bis 2010 falsche oder unvollständige Körperschaftsteuererklärungen abgegeben hat. Der Schaden soll sich auf mehr als 350 Millionen Euro belaufen.
Die Deutsche Bank war 2008 bei der Postbank eingestiegen und hatte sich 2010 die Mehrheit gesichert. Die Vorgänge sollen komplett in die Zeit fallen, als die Tochter noch nicht zum Konzern gehörte. Nach Informationen der WELT soll der aktuelle Risikovorstand der Deutschen Bank, Marcus Chromik, ebenfalls Teil der jüngsten Untersuchungen sein. Chromik arbeitete bis 2009 bei der Postbank.
Die Börse lässt die neuerliche Razzia bisher kalt. Die Aktie ging gestern mit einem sichtbaren Plus aus dem Handel. Welche Konsequenzen sich aus möglichen Verfehlungen vor rund 20 Jahren für die Deutsche Bank ergeben könnten, ist weiterhin unklar. Investierte Anleger halten an der unterbewerteten Aktie fest.
Heute, 07:50
Bei Google bevorzugen