Bechtle ist mit deutlichen Zuwächsen ins neue Geschäftsjahr gestartet und trotzt dabei weiterhin schwierigen Rahmenbedingungen wie hohen Speicherchippreisen. Vor allem der Rekord-Auftragsbestand sowie die anhaltend hohe Investitionsbereitschaft öffentlicher Auftraggeber stimmen den IT-Dienstleister optimistisch.
„Die unmittelbaren Auswirkungen des Iran-Kriegs sind beherrschbar“, erklärte Vorstandschef Thomas Olemotz. Auch mit den Folgen der Speicherchipkrise könne das Unternehmen „sehr gut umgehen“. Nach dem überraschend starken ersten Quartal bestätigte Bechtle die Jahresziele und sprach von einer insgesamt positiven Entwicklung.
An der Börse kamen die Zahlen gut an. Die im MDAX notierte Aktie legte am Freitagmorgen rund drei Prozent zu. Seit Jahresbeginn steht zwar weiterhin ein deutliches Minus zu Buche, zuletzt hatte der Titel jedoch unter Sorgen rund um die Speicherchipversorgung, einem vorsichtigen Ausblick für 2026 sowie der allgemeinen Marktschwäche gelitten.
Im ersten Quartal erhöhte sich der Umsatz um 7,6 Prozent auf 1,57 Milliarden Euro und fiel damit etwas besser aus als von Analysten erwartet. Besonders dynamisch entwickelte sich das Softwaregeschäft. Der Vorsteuergewinn kletterte um 11,5 Prozent auf 61,6 Millionen Euro. Unter dem Strich verdiente Bechtle gut 45 Millionen Euro und damit knapp 16 Prozent mehr als im Vorjahr.
Auch der April habe die positive Entwicklung fortgesetzt, hieß es vom Unternehmen. Analyst Martin Comtesse vom Investmenthaus Jefferies lobte den „guten Lauf“ des Konzerns und verwies insbesondere auf die starke Nachfrage der öffentlichen Hand in Deutschland. Die Quartalszahlen lägen komfortabel über den Zielmarken für das Gesamtjahr. Sollte sich die Versorgungslage bei Speicherchips nicht verschlechtern, sieht der Experte weiteres Potenzial nach oben.
Besonders wichtig: Bechtle-Chef Thomas Olemotz hält eine Stagnation bei Umsatz und operativem Gewinn im laufenden Jahr inzwischen für eher unwahrscheinlich. „Ich rechne 2026 mit profitablem Wachstum“, sagte der Manager am Freitag im Rahmen einer Telefonkonferenz nach Vorlage der Quartalszahlen.
Die zuletzt bestätigte Prognose sieht bislang vor, dass Umsatz und Vorsteuergewinn zwischen dem Vorjahresniveau und einem Plus von fünf Prozent liegen. Das untere Ende dieser Zielspanne bezeichnete Olemotz nun jedoch „aus heutiger Sicht“ als konservativ. Für 2026 peilt Bechtle damit weiterhin ein Umsatz- und Ergebniswachstum von bis zu fünf Prozent an.
Zur Begründung verwies der Vorstand darauf, dass die Jahresziele bereits sehr früh festgelegt worden seien. Inzwischen lasse sich der Geschäftsverlauf deutlich besser einschätzen, ebenso wie mögliche Belastungsfaktoren. Für eine offizielle Anhebung der Prognose sei es laut Olemotz aber noch zu früh.
Bechtle hatte wegen der schwachen Konjunktur lange unter der Zurückhaltung von Mittelstandskunden und Behörden gelitten. Nach einem Schlussspurt im vierten Quartal hat der IT-Dienstleister das Geschäftsjahr 2025 am Ende jedoch im Rahmen der Erwartungen abgeschlossen. Die positive Dynamik aus dem Schlussquartal 2025 hält allem Anschein nach an. Das Unternehmen ist dank der starken Nachfrage der öffentlichen Hand in Deutschland auch gut ins laufende Jahr gestartet. Die Aussagen zur Jahresprognose bieten Spielraum für eine Erhöhung im weiteren Jahresverlauf. Zeigt sich in den kommenden Monaten, dass Bechtle die Kurve bekommen hat, dürfte die Aktie bereits wieder höher stehen.
(Mit Material von dpa-AFX)
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