Paukenschlag beim KI-Infrastrukturanbieter Iren: Das Unternehmen hat am Donnerstagabend eine strategische Partnerschaft mit Nvidia verkündet. Dabei spielt auch die Übernahme des Cloud-Softwareunternehmens Mirantis eine Rolle. Dass die Quartalszahlen hinter den Erwartungen zurückblieben, trat dabei völlig in den Hintergrund.
Herzstück der Ankündigungen ist ein Fünfjahresvertrag, über den Iren dem Chiphersteller Nvidia verwaltete GPU-Cloud-Dienste für interne KI- und Forschungsaufgaben bereitstellt. Das Gesamtvolumen des Vertrags beläuft sich auf rund 3,4 Milliarden Dollar. Zum Einsatz kommen luftgekühlte Blackwell-Systeme, die in bestehenden Rechenzentren am texanischen Standort Childress auf einer Kapazität von rund 60 Megawatt betrieben werden. Der Hochlauf soll Anfang 2027 beginnen.
Über den reinen Rechenzentrumsdienst hinaus haben beide Unternehmen eine strategische Partnerschaft vereinbart, die auf den Aufbau von bis zu fünf Gigawatt an Nvidia-kompatibler KI-Infrastruktur innerhalb von Irens globalem Rechenzentrumsportfolio abzielt. Schwerpunkt soll zunächst der 2-Gigawatt-Campus in Sweetwater, Texas, sein. Als Teil der Vereinbarung erhält Nvidia ein auf fünf Jahre befristetes Recht, bis zu 30 Millionen Iren-Aktien zu einem Ausübungspreis von 70 Dollar je Anteil zu erwerben – was bei vollständiger Ausübung einem Investitionsvolumen von bis zu 2,1 Milliarden Dollar entspräche.
Damit gesellt sich Iren zu einer wachsenden Gruppe von Infrastrukturanbietern, in die Nvidia investiert – darunter CoreWeave und Nebius Group. Iren-Mitgründer und Co-CEO Daniel Roberts sprach von einer Partnerschaft, die die zentralen Stärken – Strombeschaffung, Landentwicklung, Rechenzentrumsausbau und GPU-Inbetriebnahme im großen Maßstab – seines Unternehmens mit Nvidias Infrastruktur-Know-how verbinde.
Übernahme von Mirantis stärkt das Software-Rückgrat
Bereits am Dienstag hat Iren die Übernahme des Cloud-Infrastrukturspezialisten Mirantis bekanntgegeben. Das Unternehmen, das auf Kubernetes-basierte Orchestrierung und Enterprise-Support spezialisiert ist, bedient nach eigenen Angaben mehr als 1.500 Unternehmenskunden weltweit und ist Gründungspartner der Nvidia AI Cloud Ready Initiative. Die Akquisition soll vollständig in Iren-Aktien bezahlt werden, bewertet zum Zeitpunkt der Unterzeichnung mit rund 625 Millionen Dollar. Der Abschluss steht noch unter dem Vorbehalt regulatorischer Genehmigungen.
Mirantis soll als eigenständige Tochtergesellschaft weitergeführt werden und gleichzeitig die KI-Cloud-Lieferkapazitäten von Iren stärken – insbesondere bei der Bereitstellung, dem Monitoring und dem Betrieb von Kundenumgebungen. Die k0rdent-KI-Plattform von Mirantis ist dabei für das Management von KI-Infrastruktur über Bare-Metal-, VM- und Kubernetes-Umgebungen hinweg ausgelegt. Mirantis wird bereits in die Lieferung des Nvidia-Vertrags eingebunden: Die Cluster-Management-Software kommt bei den verwalteten GPU-Diensten für Nvidia zum Einsatz.
Zusammen mit der parallel angekündigten Übernahme des spanischen Rechenzentrumentwicklers Ingenostrum (Nostrum Group) mit seinen 490 Megawatt Leistung erreicht Iren nun ein gesichertes globales Stromportfolio von fünf Gigawatt.
Quartalszahlen verfehlen Erwartungen
Die Finanzergebnisse für das dritte Geschäftsquartal (per 31. März 2026) fielen schwächer als von Analysten erwartet aus. Der Gesamtumsatz sank auf 144,8 Millionen Dollar, gegenüber 184,7 Millionen Dollar im Vorquartal. Hauptursache war der Rückgang im Bitcoin-Mining infolge niedrigerer Bitcoin-Preise und der Abschaltung von Mining-Hardware im Zuge der Umstellung auf GPU-Infrastruktur. Das bereinigte EBITDA verringerte sich auf 59,5 Millionen Dollar, der Nettoverlust weitete sich auf 247,8 Millionen Dollar aus – belastet unter anderem durch nicht-zahlungswirksame Wertminderungen in Höhe von 140,4 Millionen Dollar auf außer Betrieb gestellte Mining-Hardware.
Angesichts der großen Ankündigungen – insbesondere der strategischen Partnerschaft mit Nvidia – sahen die Anleger darüber aber gnädig hinweg. Die Iren-Aktie sprang am Donnerstagabend in der Spitze um rund 25 Prozent nach oben und ging mit einem Plus von rund sieben Prozent aus dem nachbörslichen US-Handel.
Damit bleibt Iren auf Kurs zum Rekordhoch aus dem Vorjahr bei 76,87 Dollar. Mit einem 2026er-KGV jenseits der 300 und einem KUV von 18,7 ist die Aktie aber bereits sehr hoch bewertet und entsprechend anfällig für große Kursschwankungen. Sie eignet sich daher nur für spekulative Anleger. DER AKTIONÄR steht hier aktuell an der Seitenlinie.
Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Nvidia.
Aktien von Nvidia befinden sich in einem Real-Depot der Börsenmedien AG.
Heute, 08:45