Der Spezialchemiekonzern Evonik zeigt sich trotz einer zuletzt spürbaren Belebung des Geschäfts weiterhin zurückhaltend für den weiteren Jahresverlauf. Nach Angaben des Unternehmens hat der Iran-Krieg seit März in mehreren Bereichen für eine höhere Nachfrage gesorgt – vermutlich ausgelöst durch verstärkte Vorratskäufe. Zudem entwickelten sich die Preise für das Tierfutteradditiv Methionin besser als erwartet.
Für das zweite Quartal rechnet Evonik deshalb mit einer deutlichen Verbesserung des operativen Ergebnisses. Das bereinigte EBITDA soll mindestens 550 Millionen Euro erreichen. Gleichzeitig warnte das Unternehmen jedoch davor, dass sich die Dynamik im weiteren Jahresverlauf wieder abschwächen könnte. So könnte das zweite Quartal letztlich das stärkste des gesamten Jahres bleiben. Als Risiken nennt der MDAX-Konzern unter anderem steigende Inflationsraten, die Konsum und Investitionen belasten könnten. Darüber hinaus erwartet der Konzern höhere Kosten für Energie und Rohstoffe als ursprünglich angenommen.
An der Jahresprognose hält das Management dennoch fest. Konzernchef Christian Kullmann rechnet für 2026 weiterhin mit einem operativen Ergebnis zwischen 1,7 und 2,0 Milliarden Euro.
Im ersten Quartal bekam Evonik die schwierigen Rahmenbedingungen allerdings noch klar zu spüren. Der Umsatz ging im Vergleich zum Vorjahr um neun Prozent auf 3,43 Milliarden Euro zurück. Das operative Ergebnis verringerte sich um 15 Prozent auf 475 Millionen Euro und lag damit dennoch über den Erwartungen der Analysten. Der auf die Aktionäre entfallende Gewinn brach nahezu um die Hälfte auf 125 Millionen Euro ein.
Der Evonik-Vorstandsvorsitzende Christian Kullmann verwies noch einmal auf die besonders schwierigen Rahmenbedingungen für sein Unternehmen und letztlich die gesamte Weltwirtschaft: "Wirtschaftswachstum fußt auf freiem Warenverkehr. Der war durch Protektionismus bereits massiv eingeschränkt. Nun kommt im Nahen Osten noch ein Krieg hinzu, der ganze Seewege blockiert. Das ist ein zusätzliches Risiko."
DER AKTIONÄR hält nach den Zahlen von Evonik an seiner Einschätzung für die Evonik-Papiere fest: Wer bei der Dividendenperle investiert ist, kann dabeibleiben. Der Stoppkurs sollte bei 11,80 Euro belassen werden.
Heute, 07:29