Top‑Verlierer Bechtle: Vorstand sorgt für Verunsicherung – übertriebene Reaktion?

Top‑Verlierer Bechtle: Vorstand sorgt für Verunsicherung – übertriebene Reaktion?
Foto: Ralf Liebhold/Shutterstock
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Michael Schröder Heute, 13:45 Michael Schröder

Bechtle hatte wegen der schwachen Konjunktur lange unter der Zurückhaltung der Kunden aus dem Mittelstand und von Behörden gelitten. Nach einem Schlussspurt im vierten Quartal hat der IT-Dienstleister das Geschäftsjahr 2025 am Ende aber noch im Rahmen der Erwartungen abgeschlossen. Die Fragezeichen beim ersten Ausblick sorgen dagegen für Verunsicherung. 

Der Umsatz bei Bechtle stieg im abgelaufenen Jahr um etwa zwei Prozent auf 6,4 Milliarden Euro. Das Vorsteuerergebnis (EBT) lag bei rund 324 Millionen Euro. Das vierte Quartal entwickelte sich besonders stark, vor allem dank eines herausragenden Schlussmonats. Das Geschäftsvolumen legte von Oktober bis Dezember um mehr als 16 Prozent zu. Das EBT konnte sogar um über 20 Prozent auf gut 121 Millionen Euro gesteigert werden und markierte damit ein neues Rekordquartal in der 43-jährigen Unternehmensgeschichte.

Doch eine Aussage von Vorstandschef Thomas Olemotz in der heutigen Mitteilung kam bei den Investoren nicht gut an: „Wir gehen auch für 2026 davon aus, dass sich Bechtle positiv entwickeln wird, wenngleich die gesamtwirtschaftlichen Rahmenbedingungen herausfordernd bleiben. Insbesondere die zum Teil deutlichen Preiserhöhungen der Hersteller und mögliche Lieferschwierigkeiten könnten sich im weiteren Jahresverlauf belastend auswirken.“

Bechtle rüstet Kunden mit PCs und Netzwerkgeräten aus und vertreibt zudem selbst Hardware über den eigenen Onlinehandel. Zuletzt sind vor allem die Preise für Speicherchips stark gestiegen, da sie im Zuge des Ausbaus von Rechenzentren und der Infrastruktur für Künstliche Intelligenz knapp geworden sind und dies auf absehbare Zeit wohl auch bleiben. Kunden dürften mit Blick auf steigende Hardwarepreise daher Käufe vorgezogen haben. Dies habe das Geschäft im vierten Quartal angeschoben.

Die Sorge, dass die anhaltend hohen Preise die Margen von Bechtle drücken könnten, dürfte sich jedoch als überzogen erweisen. Während die Hersteller selbst die Margenbelastung durch höhere Komponentenpreise direkt spüren, können Value-Added-Reseller wie Bechtle ihre Preise dynamisch anpassen und die höheren Kosten weitergeben. Bechtle könnte somit selbst bei stagnierenden oder leicht rückläufigen Stückzahlen durch höherpreisige Geräte ein absolutes Margenwachstum erzielen. Das interessiert heute kaum jemanden.

Bechtle (WKN: 515870)

Mittelfristig ist Bechtle optimal positioniert, um von den geplanten milliardenschweren staatlichen Investitionen in Infrastruktur und Digitalisierung sowie von steigenden öffentlichen Ausgaben zu profitieren. Hinzu kommen wieder anziehende IT-Investitionen kleinerer und mittelgroßer Unternehmen. Kurzfristig bremst jedoch die Sorge vor steigendem Preisdruck und möglichen Lieferengpässen die Aktie aus. Weitere Details zum Ausblick von Vorstandschef Olemotz sowie konkrete Planungen für 2026 werden spätestens mit dem Jahresabschluss am 20. März erwartet.

Hinweis auf Interessenkonflikte: Aktien von Bechtle befinden sich in einem Real-Depot der Börsenmedien AG.

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