Jetzt hat die Commerzbank im Übernahmepoker mit UniCredit geliefert. Der DAX-Konzern hat am Donnerstag nicht nur besser als erwartete Quartalszahlen vorgelegt, sondern auch neue Finanzziele bis 2030 präsentiert. Damit will Vorstandschefin Bettina Orlopp den Eigenständigkeitskurs untermauern.
Im ersten Quartal steigerte die Commerzbank den Nettogewinn auf 913 Millionen Euro. Im Vorjahr hatte das Ergebnis bei 834 Millionen Euro gelegen. Analysten hatten im Schnitt lediglich mit 868 Millionen Euro gerechnet. Auch operativ schnitt die Bank besser ab als erwartet: Das operative Ergebnis stieg von 1,227 Milliarden Euro auf 1,358 Milliarden Euro. Die Prognose hatte bei 1,319 Milliarden Euro gelegen.
Deutlich verbessert zeigte sich auch die Profitabilität. Die Eigenkapitalrendite (RoTE) kletterte auf 12,7 Prozent nach 11,1 Prozent im Vorjahr. Erwartet worden waren nur 11,3 Prozent. Zugleich verbesserte sich die Kosten-Ertrags-Quote auf 53,4 Prozent. Im Vorjahresquartal hatte sie noch bei 56,1 Prozent gelegen, Analysten hatten mit 54,0 Prozent gerechnet.
Für das laufende Jahr wird die Commerzbank zudem etwas optimistischer. Beim Zinsüberschuss erwartet das Management 2026 nun rund 8,6 Milliarden Euro. Bislang hatte die Bank rund 8,5 Milliarden Euro angepeilt. Die Risikovorsorge soll 2026 bei rund 850 Millionen Euro liegen.
Noch wichtiger im Übernahmepoker sind jedoch die neuen Mittelfristziele. Für 2028 peilt die Commerzbank nun eine RoTE von rund 17 Prozent an. Bisher hatte das Ziel bei 15 Prozent gelegen. Bis 2030 soll die Rendite sogar auf rund 21 Prozent steigen. Die Kosten-Ertrags-Quote soll von 53 Prozent im laufenden Jahr auf 48 Prozent im Jahr 2028 und 43 Prozent bis 2030 sinken.
Auch beim Ergebnis legt die Commerzbank die Latte höher. Für 2028 stellt die Bank einen Nettogewinn von 4,6 Milliarden Euro in Aussicht. Bis 2030 soll dieser auf 5,9 Milliarden Euro steigen. Die Erträge sollen von erwarteten 13,2 Milliarden Euro im Jahr 2026 auf 15,0 Milliarden Euro im Jahr 2028 und 16,8 Milliarden Euro im Jahr 2030 zulegen.
Der Preis dafür ist allerdings ein weiterer Stellenabbau. Bis 2030 will die Commerzbank brutto rund 3.000 Stellen abbauen. Dafür rechnet das Institut mit einem Restrukturierungsaufwand von 450 Millionen Euro.
Die Botschaft aus Frankfurt ist klar: Die Commerzbank will beweisen, dass sie allein mehr wert ist, als UniCredit derzeit bietet. Nun müssen die Aktionäre entscheiden, ob sie der Strategie des Managements vertrauen – oder auf ein mögliches Nachlegen der Italiener spekulieren.
Die guten Zahlen und die neuen Ziele bis 2030 stärken die Verhandlungsposition der Commerzbank. Das aktuelle UniCredit-Angebot dürfte für viele Aktionäre nun umso mehr unattraktiv sein. Entscheidend wird nun, ob Orcel im weiteren Verlauf nachlegt. Der Stoppkurs verbleibt bei 29,00 Euro.
Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Commerzbank.
Heute, 07:20