Die UniCredit hat gestern ihr offizielles Übernahmeangebot für die Commerzbank vorgelegt. Die Frankfurter Bank hat die Angebotsunterlage nach eigenen Angaben zur Kenntnis genommen und wird diese nun prüfen. An der grundsätzlichen Abwehrhaltung dürfte sich zunächst aber wenig ändern.
Wie bereits im März angekündigt, bietet UniCredit 0,485 neue eigene Aktien je Commerzbank-Aktie. Am Vortag hatten die Aktionäre der italienischen Großbank mit überwältigender Mehrheit einer Kapitalerhöhung zugestimmt und damit den Weg für das Tauschangebot freigemacht.
Auf Basis des UniCredit-Schlusskurses von 64,06 Euro vom Montag entspricht das Angebot einem Wert von rund 31,07 Euro je Aktie. Gegenüber dem Commerzbank-Schlusskurs vom Montag von 34,02 Euro ergibt sich damit ein Abschlag von 8,7 Prozent. Statt einer klassischen Übernahmeprämie müssten Commerzbank-Anleger somit sogar einen Abschlag hinnehmen.
Die Commerzbank hat diesen Punkt bereits mehrfach kritisiert. Das Management um Vorstandschefin Bettina Orlopp pocht ohnehin weiter auf Eigenständigkeit und sieht die eigene Strategie als besseren Weg für Aktionäre, Kunden und Mitarbeiter.
Gegenwind bekommt UniCredit auch weiter von Verdi. Die Gewerkschaft lehnt eine Übernahme der Commerzbank durch die Italiener unverändert ab. Dabei verweist Verdi vor allem auf mögliche Folgen für die deutsche Wirtschaft sowie auf Arbeitsplätze in Deutschland – sowohl bei der Commerzbank als auch bei der Hypovereinsbank, die zur UniCredit gehört.
Verdi-Bundesfachgruppenleiter Banken Jan Duscheck sagte der Rheinischen Post, dass nun große Anleger Verantwortung für den deutschen Mittelstand, für Millionen Privatkunden und nicht zuletzt für Tausende Beschäftigte tragen würden. Das gelte insbesondere für den Bund, der noch rund zwölf Prozent an der Commerzbank hält.
Aus Sicht von Verdi ist eine eigenständige Commerzbank die beste Ausgangslage für sichere Arbeitsplätze und eine starke Zukunft beider Häuser. Die Gewerkschaft kündigte an, an der Seite der Beschäftigten zu stehen und für den Erhalt von Arbeitsplätzen, eine starke Präsenz durch Filialen in der Fläche sowie Mitbestimmung auf Augenhöhe zu kämpfen.
Für die Commerzbank rückt nun der nächste wichtige Termin in den Fokus. Am Freitag will Vorstandschefin Bettina Orlopp im Rahmen der Quartalszahlen neue Ziele bis 2030 vorstellen. Dabei dürfte sie den Anspruch auf Eigenständigkeit untermauern und zugleich versuchen, den Wert der Bank noch stärker herauszustellen.
Das Übernahmeangebot der UniCredit liegt aktuell klar unter dem Börsenkurs und dürfte für viele Commerzbank-Aktionäre unattraktiv sein. Die Übernahmefantasie bleibt dennoch intakt. Entscheidend wird nun, wie überzeugend Orlopp am Freitag liefert – und ob UniCredit im weiteren Verlauf doch noch nachlegen wird. Der Stoppkurs verbleibt bei 29,00 Euro.
Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Commerzbank.
Heute, 07:52