Nun also doch: Infineon blickt optimistischer auf das laufende Geschäftsjahr 2025/26 (per Ende September). Trotz der Belastungen durch den starken Euro rechnet der Halbleiterkonzern nun mit einem deutlichen Umsatzanstieg. Ob es kurzfristig für eine Fortsetzung der jüngsten Kursrally reicht, ist zwar fraglich. Hält der KI-Boom an, könnte die Aktie mittelfristig dem Allzeithoch aus dem Jahr 2000 jedoch zumindest näher kommen.
„Infineon hat seine Ziele voll erreicht“, sagt Vorstandschef Jochen Hanebeck. Im zweiten Geschäftsquartal steigerte der Konzern den Umsatz gegenüber dem Vorquartal um vier Prozent auf 3,8 Milliarden Euro. Die Segmentergebnis-Marge sank allerdings um 0,8 Prozentpunkte auf 17,1 Prozent. Unter dem Strich legte der Gewinn nach Steuern um 18 Prozent auf 301 Millionen Euro zu.
„Wir gehen zuversichtlich in die zweite Jahreshälfte, behalten geopolitische und gesamtwirtschaftliche Risiken aber aufmerksam im Blick“, so der CEO weiter. „Im zweiten Halbjahr werden wir stärker als bislang erwartet wachsen, ein breiterer Aufschwung vieler Endmärkte ist in Sicht. Der KI-Boom weitet sich aus und unsere Stromversorgungslösungen für KI-Rechenzentren sind äußerst gefragt. Der Ausbau der Energieinfrastruktur gewinnt an Fahrt und ist ein zunehmender Wachstumstreiber für unser Industriegeschäft.“
Besonders stark soll daher die Sparte Power & Sensor Systems (PSS) wachsen. Zudem zeichne sich ein breiterer Aufschwung in vielen Endmärkten ab. Auch das Geschäft mit der Automobilindustrie entwickle sich positiv. „Im Bereich Automotive sehen wir eine positive Entwicklung, insbesondere bei softwaredefinierten Fahrzeugen, gedämpft durch ein herausforderndes Elektromobilitätsgeschäft für Hochvoltkomponenten. Erneute Marktanteilsgewinne im Automotive-Segment bestätigen unseren Kurs“, so der Konzernchef.
Bei einem angenommenen EUR/USD-Wechselkurs von 1,17 erwartet Infineon im dritten Geschäftsquartal einen Umsatz von rund 4,1 Milliarden Euro. Die Segmentergebnis-Marge dürfte dabei im hohen Zehner-Prozentbereich liegen.
Für das Geschäftsjahr 2025/26 hebt der Konzern seinen Ausblick an. Auf Basis eines unterstellten EUR/USD-Kurses von 1,17 – bislang war Infineon von 1,15 ausgegangen – rechnet das Unternehmen nun mit einem deutlichen Umsatzwachstum gegenüber dem Vorjahr. Zuvor hatte der Konzern lediglich ein moderates Plus in Aussicht gestellt.
Die bereinigte Bruttomarge soll im niedrigen bis mittleren Vierziger-Prozentbereich liegen, nachdem bislang nur der niedrige Vierziger-Prozentbereich erwartet worden war. Die Segmentergebnis-Marge soll nun rund 20 Prozent erreichen statt wie bisher lediglich einen Wert im hohen Zehner-Prozentbereich.
Auch beim Cashflow zeigt sich Infineon optimistischer: Der bereinigte Free-Cash-Flow soll etwa 1,65 Milliarden Euro erreichen, nach zuvor erwarteten 1,4 Milliarden Euro. Für den Free Cashflow insgesamt stellt der Konzern nun rund 1,25 Milliarden Euro in Aussicht, nachdem bislang 1,0 Milliarden Euro prognostiziert worden waren.
Der Ausblick auf das Gesamtjahr liegt über den Erwartungen. Analysten dürften ihre Schätzungen überarbeiten und bei den Kurszielen nachbessern. Die Aktie befindet sich im Rallymodus und könnte heute erstmals seit vielen Jahren wieder über die Marke von 60 Euro steigen. Aus charttechnischer Sicht stehen die Ampeln weiter auf Grün. Nach dem Sprung auf ein Mehrjahreshoch sind vorerst keine Widerstände in Sicht. Kurzfristig wirkt der Titel zwar etwas überhitzt. Doch wie bereits beschrieben: Im aktuellen Marktumfeld scheint im KI-Sektor derzeit fast alles möglich. Das Allzeithoch der Infineon-Aktie wurde mit 83,65 Euro während des Technologiebooms am 30. Juni zur Jahrtausendwende erreicht. Zum Vergleich: Am 31. März 2009 notierte die Aktie dann im Tief bei 0,34 Euro.
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