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Commerzbank: Orcel lockt – Betriebsratschef platzt der Kragen

Commerzbank: Orcel lockt – Betriebsratschef platzt der Kragen
Foto: ROPI/Salmoirago/Fotogramma/picture alliance/dpa
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Michael Herrmann Heute, 13:46 Michael Herrmann

Im Übernahmekampf um die Commerzbank erhöht UniCredit-Chef Andrea Orcel den Druck auf das Management der Frankfurter Bank – und stellt erneut eine mögliche Nachbesserung des Angebots in Aussicht. Commerzbank-Betriebsrat Sascha Uebel platzt dennoch der Kragen.

Andrea Orcel wirft Orcel der Commerzbank im Gespräch mit BÖRSE ONLINE vor, sich Gesprächen mit den Italienern bislang zu verweigern. „Die Commerzbank hat es bislang abgelehnt, Annahmen gemeinsam zu prüfen. Das macht es schwierig, Vorschläge umfassend zu beurteilen“, sagte der Chef der italienischen Großbank im Interview mit BÖRSE ONLINE.

Gleichzeitig deutete Orcel an, das am Dienstag vorgelegte Tauschangebot für die freien Commerzbank-Aktionäre noch einmal überdenken zu können. Die Offerte war vielfach als unzureichend kritisiert worden, da sie unter dem aktuellen Börsenkurs der Commerzbank-Aktie liegt.

„UniCredit hat bereits deutlich gemacht, dass sie grundsätzlich offen dafür ist, die Angebotskonditionen potenziell zu überprüfen, sollte die Commerzbank in einen konstruktiven, detaillierten Dialog eintreten, der verschiedene Bedenken ausräumen könnte“, sagte Orcel.

Ein solcher Dialog könne laut Orcel die Transparenz hinsichtlich Annahmen, Umsetzungshebeln und Risiken verbessern – und möglicherweise den Wert optimieren, den beide Banken gemeinsam schaffen könnten.

Zugleich warb Orcel erneut für das Übernahmekonzept der UniCredit. Dieses würde der Commerzbank aus seiner Sicht eine breiter aufgestellte europäische Plattform mit mehr Größe, Effizienz und langfristiger Wettbewerbsfähigkeit verschaffen.

Die Einsparungen in Deutschland würden laut Orcel „deutlich geringer“ ausfallen als öffentlich spekuliert. Es solle Reinvestitionen in Mitarbeiter, Technologie und Infrastruktur geben.

Die Eigenständigkeitsstrategie der Commerzbank sieht Orcel dagegen kritisch. Mit ihrer „Momentum“-Strategie bis 2028 würde die Bank seiner Ansicht nach bei Kosteneffizienz, Kapitaleffizienz und Rentabilität weiter hinter dem Sektor und Wettbewerbern zurückbleiben. Zudem gebe es nur begrenzte Puffer für makroökonomische Schocks oder Umsetzungsrisiken.

Bei der Arbeitnehmerseite der Commerzbank kommen die Aussagen allerdings überhaupt nicht gut an. Der stellvertretende Aufsichtsratschef und Konzernbetriebsratschef Sascha Uebel wies das erneute Gesprächsangebot Orcels gegenüber Reuters brüsk zurück.

„Mir reicht es jetzt wirklich! Wo sind wir denn hier? Mitten in einem feindlichen Übernahmeangebot kommt nun die Aufforderung, dass der Vorstand wieder mit ihm sprechen soll, sonst erhöht er sein Angebot nicht?“, sagte Uebel.

Uebel stellte sich klar hinter Vorstandschefin Bettina Orlopp und das Management der Commerzbank. „Das ist der Vorstand eines deutschen DAX-Unternehmens und keine Zirkusponys in einer Manege. Bettina Orlopp und dieser Vorstand können das alleine und besser, und dann schauen wir, was die Zukunft bringt.“

Uebel unterstützt derweil Überlegungen, den Staatsanteil an der Commerzbank wieder aufzustocken, um der UniCredit Einhalt zu gebieten. Er wäre „für fast alles, was uns aus den Fängen der UniCredit befreit“, sagte er. Der Verkauf eines Teils der Bundesbeteiligung im vergangenen Jahr habe den Einstieg der UniCredit bei der Commerzbank erst ermöglicht.

Damit bleibt der Ton im Übernahmekampf scharf. Orcel versucht, mit Gesprächsbereitschaft und der Aussicht auf bessere Konditionen Bewegung in die festgefahrene Lage zu bringen. Aufseiten der Commerzbank wächst der Widerstand jedoch weiter – sowohl im Management als auch bei den Arbeitnehmervertretern.

Commerzbank AG (WKN: CB0L03)

Das Aktienfazit bleibt unverändert: Das aktuelle UniCredit-Angebot liegt unter dem Börsenkurs und dürfte für viele Commerzbank-Aktionäre wenig attraktiv sein. Die Übernahmefantasie bleibt dennoch intakt. Entscheidend wird nun, wie überzeugend Vorstandschefin Bettina Orlopp mit den neuen Zielen liefert – und ob UniCredit im weiteren Verlauf doch noch nachlegen muss. Der Stoppkurs verbleibt bei 29,00 Euro.

Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Commerzbank.

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