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27.05.2021 Thomas Gebert

Kolumne: Gold statt zyklischer Aktien

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Gold

Mit dem höchsten Wert des US-Einkaufsmanagerindex ISM seit 38 Jahren müsste die US-Anleiherendite ebenfalls einen Gipfel ausbilden. Das sollte den Goldpreis in den nächsten Monaten begünstigen.


In einem Online-Event für Kunden skizzierte Jamie Dimon, der Chef der größten amerikanischen Bank JPMorgan, zwei Szenarien für die weitere Entwicklung der US-Wirtschaft und der Finanzmärkte: das moderate Szenario mit einem Anstieg der Inflationsrate auf 2,5 Prozent begleitet von einer Anleiherendite von drei Prozent im nächsten Jahr und das mögliche extremere Szenario, wenn die US-Wirtschaft heiß laufen sollte, das eine Anleiherendite von fünf oder sechs Prozent zur Folge haben könnte. Auch Goldman Sachs rechnet mit einer Anleiherendite für zehnjährige Staatsanleihen von über 2,5 Prozent im nächsten Jahr.


Sechs Prozent Inflation im nächsten Jahr in den USA?

So gut wie alle Experten stoßen ins gleiche Horn und der ehemalige Präsidentenberater Steve Hanke geht sogar von einer Inflationsrate von über sechs Prozent und einer entsprechend hohen Anleiherendite in den nächsten Jahren aus. Selbst wenn ich mir dabei vorkomme, wie der Geisterfahrer in dem Witz: „Auf der A3 kommt ihnen ein Falschfahrer entgegen!“ „Einer? Hunderte!“, scheint mir das genaue Gegenteil wahrscheinlich zu sein.


In der nächsten Grafik habe ich einmal den US-Einkaufsmanager-Index im verarbeitenden Gewerbe, ISM Manufacturing, der eine Maßzahl für die Wirtschaftstätigkeit in den USA darstellt, über die Zehnjahresrendite, also den Zins für langfristige Ausleihungen, gelegt.


Einkaufsmanager-Index ISM und Rendite einer zehnjährigen US-Staatsanleihe

Die beiden Kurven schwingen im gleichen Takt, nur dass die Anleiherendite aus einem bis heute nicht verstandenen Grund 0,2 Prozentpunkte pro Jahr verliert. Die Hoch- und Tiefpunkte beider Kurven finden etwa zu gleichen Zeitpunkten statt.


Da der Einkaufsmanager-Index vor wenigen Wochen mit 64,7 den höchsten Wert der letzten 38 Jahre erreicht hat, schließe ich daraus, dass sich die US-Anleiherendite, obwohl sie nur 1,65 Prozent beträgt, auch etwa auf einem Gipfel befinden muss.


Meine Vermutung ist daher, dass der Anstieg in astronomische Höhen, den so gut wie alle Experten voraussagen, nicht stattfinden wird und im Gegenteil mit einer zwangsläufig wieder abklingenden US-Konjunktur die Rendite eher wieder sinken wird. Dieses würde in den nächsten Monaten den Goldpreis begünstigen.


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Es ist es nämlich nicht so, wie immer gesagt und geschrieben wird, dass eine steigende Inflationsrate den Goldpreis beflügelt

Im Gegenteil, bei einer steigenden Inflationsrate klettert die US-Anleiherendite, Gold wird unattraktiver und fiel in der Vergangenheit bei diesen Gelegenheiten. Die großen Gold-Aufschwünge fanden bei sinkenden Anleiherenditen statt.


Bei den deutschen Aktien war es umgekehrt. Sie stiegen bevorzugt bei einer wachsenden Inflationsrate und einer anziehenden US-Anleiherendite. Ich habe es einmal nachgerechnet. Wann immer der ISM-Index über den Wert von 60 gestiegen ist, nachdem er mindestens zwölf Monate unter dem Wert von 60 gelegen hatte, verlor der der DAX in den nächsten 18 Monaten im Mittel zwei Prozent.


Gold (ISIN: XC0009655157)

Der Goldpreis dagegen konnte nach dem erstmaligen Überschreiten der sechziger Marke in den nächsten 18 Monaten im Mittel 30 Prozent steigen. Dabei stieg er in den ersten sechs Monaten noch nicht und legte von sechs Monate bis 18 Monate danach einen steilen Aufschwung hin.


Eine Steigerung des Depotwertes um den Faktor sechs war möglich bei Goldkäufen bei einem ISM-Wert von über 60

Diese Methode, nach einem Überschreiten des ISM der sechziger Marke in sechs Monaten die Aktien zu verkaufen und Gold zu kaufen, es zwölf Monate zu behalten und dann wieder in Aktien umzusteigen, hätte seit 1970 den Depotwert um einen Faktor sechs gegenüber der reinen Aktienanlage gesteigert.


Bei meiner These - die im genauen Gegensatz zu den Aussagen von allen Experten steht –, dass mit dem höchsten ISM-Wert der letzten 38 Jahre auch der Gipfel der Anleiherendite verbunden ist, sollte sich Gold in den nächsten zwölf Monaten (der erste Wert über 60 ist bereits fünf Monate her) also günstig entwickeln und die deutschen Aktien nur seitwärts tendieren. Ich bleibe also dabei: JPMorgan irrt sich, Goldman Sachs irrt sich und ich werde Recht behalten, auch wenn das ein wenig nach beginnendem Altersstarrsinn klingt.


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