Der Spezialverpackungsspezialist hat am Dienstagabend weitere Bilanzprobleme offengelegt und die Publikation des Geschäftsberichts für 2025 verschoben. Die Aktie stürzte daraufhin um gut 30 Prozent auf den tiefsten Stand seit 2009 ab. Und geht es nach den Analysten der DZ Bank, so könnte sich die Talfahrt sogar noch fortsetzen.
Die Deutsche Zentral-Genossenschaftsbank rät weiterhin zum Verkauf der Anteile und hat den fairen Wert von 23 Euro auf nun 16 Euro erneut deutlich reduziert.
Neue Hiobsbotschaften hätten für einen nächsten heftigen Kurseinbruch gesorgt, schrieb Sven Kürten in einer am Mittwoch vorliegenden Studie und verwies auf "neue, aufgedeckte Bilanzierungsprobleme". Eine zweite Wirtschaftsprüfung sowie regulatorische Untersuchungen hätten Hinweise auf mögliche Rechnungslegungsverstöße einzelner Mitarbeiter ergeben, was das Vertrauen in die Bilanzqualität aufs Neue erheblich belaste. In der Folge seien die Zahlen für 2025 schwächer ausgefallen und es gebe deutliche Wertberichtigungen. Auch der Ausblick 2026 liege nochmals unter seinen ohnehin schon geringen Erwartungen.
"Wir denken, dass das Management von Gerresheimer die längerfristige Erzählung neu fassen und sich erreichbare Ziele setzen sollte, um das Vertrauen der Investoren zurückzugewinnen", merkte indes Barclays-Analyst Pallav Mittal. Gerresheimer hatte zuvor mitgeteilt, aufgrund interner Hinweise in Abstimmung mit dem Abschlussprüfer weitere Untersuchungen durch eine zweite Wirtschaftsprüfungsgesellschaft zur Erfassung von Umsatzerlösen und Bilanzierung in den Geschäftsjahren 2024 und 2025 beauftragt zu haben.
Das Vertrauen in Gerresheimer ist nach zahlreichen Gewinnwarnungen und den bereits zuvor bekanntgewordenen Bilanzproblemen samt BaFin-Prüfung nun endgültig dahin. Es wird sehr lange dauern, um dieses wiederherzustellen. Anleger greifen nicht ins fallende Messer und bleiben an der Seitenlinie.
Enthält Material von dpa-AFX
Heute, 07:10