Erst PayPal, jetzt Adyen: Darum bricht die Aktie ein

Erst PayPal, jetzt Adyen: Darum bricht die Aktie ein
Foto: Artit_Wongpradu/iStock
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Nikolas Kessler Heute, 12:30 Nikolas Kessler

Harte Zeiten für die Payment-Branche: Nachdem PayPal die Anleger in der Vorwoche mit schwachen Quartalszahlen und einem überraschenden Chefwechsel geschockt hat, enttäuscht am heutigen Donnerstag auch der niederländische Zahlungsabwickler Adyen. Die Aktie bricht daraufhin prozentual zweistellig ein.

Vor allem mit der Umsatzprognose für das laufende Gesamtjahr hat Adyen die Erwartungen verfehlt. Das Unternehmen rechnet für das laufende Jahr mit einem Nettoumsatzwachstum von 20 bis 22 Prozent auf konstanter Währungsbasis. Diese Prognose liegt somit unter der bisherigen Erwartung im „niedrigen bis mittleren 20-Prozent-Bereich“ und auch unter der Analystenschätzung von durchschnittlich 22,8 Prozent. Als Hauptgrund nannte Adyen die anhaltende makroökonomische Unsicherheit, die das Marktwachstum bremse.

Besonders der schwächere US-Dollar belastet das Geschäft des Zahlungsabwicklers. Nordamerika macht etwa 27 Prozent des Gesamtumsatzes aus, und die Währungsentwicklung wirkt sich entsprechend negativ aus. Zudem zeigten US-Einzelhandelsdaten zuletzt einen Rückgang der Konsumausgaben zum Ende der Weihnachtssaison, was die Sorgen über die Kaufkraft der Verbraucher verstärkt.

„Ein Teil unseres Wachstums kommt vom Wachstum unserer eigenen Kunden“, erklärte Finanzvorstand Ethan Tandowsky in einem Interview. Das Unternehmen ist damit direkt von der wirtschaftlichen Entwicklung seiner Großkunden wie Uber Technologies und eBay abhängig.

Die EBITDA-Marge soll 2026 weitgehend auf Vorjahresniveau verharren. Grund dafür sind vor allem Investitionen in den Ausbau des Personals. Adyen plant, in diesem Jahr zwischen 550 und 650 neue Mitarbeiter einzustellen, vor allem in den USA und an globalen Tech-Standorten. Einen Anstieg der operativen Marge auf über 55 Prozent peilt das Management bis 2028 an.

Für das zweite Halbjahr 2025 meldete Adyen einen Nettoumsatz von 1,27 Milliarden Euro, was einem Anstieg von 17 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Dieser Wert lag leicht unter der durchschnittlichen Analystenschätzung von 1,28 Milliarden Euro. Das Wachstum wurde durch eine schwächere Entwicklung bei Online-Händlern mit Hauptsitz im asiatisch-pazifischen Raum gebremst, wo das Umsatzwachstum nur 14 Prozent betrug.

Positive Signale kamen hingegen von der Profitabilitätsseite: Das bereinigte EBITDA erreichte im zweiten Halbjahr 702 Millionen Euro und übertraf damit die Erwartungen. Die EBITDA-Marge lag bei 55 Prozent und damit über dem Vorjahreswert von 53 Prozent.

Zudem gab das Unternehmen bekannt, die Zusammenarbeit mit Starbucks auszubauen. Der Kaffeekonzern nutzt die Adyen-Plattform nun für Kartenzahlungen in 943 Filialen in Großbritannien, Österreich und der Schweiz.

Die Analystenmeinungen fielen gemischt aus. Jefferies sprach von einer „schwachen Prognose“, die aber möglicherweise konservativ kalkuliert sei. JPMorgan betonte, dass nur wenige Unternehmen in Europa so konstant ein Gewinnwachstum im hohen 20-Prozent-Bereich erreichten. Barclays bezeichnete die Zahlen als „schwächer als erwartet“, sah aber die langfristige Story als intakt an.

Die Reaktion der Anleger auf das Zahlenwerk fällt derweil klar negativ aus. Das nachlassende Umsatzwachstum in Verbindung mit dem vorsichtigen Ausblick lässt die Alarmglocken schrillen. Die Aktie ist am Vormittag um bis zu 20 Prozent eingebrochen und bei 922 Euro auf den tiefsten Stand seit Ende 2023 abgesackt. Damals war der Kurs nach enttäuschenden Halbjahreszahlen um fast 40 Prozent eingebrochen.

Adyen (WKN: A2JNF4)

Die heftige Kursreaktion auf die Zahlen und den Ausblick zeigt einmal mehr, wie groß die Nervosität und die Sorge um das Wachstum im Payment-Sektor ist. Auch PayPal hatte die Anleger in der Vorwoche geschockt. Adyen steht derzeit aber ohnehin nicht auf der Empfehlungsliste des AKTIONÄR. 

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