Die Wall Street startet zweigeteilt in den Dienstagshandel. Der Dow Jones profitiert von starken Bilanzen aus der Realwirtschaft und klettert zur Eröffnung um 0,6 Prozent auf 52.515 Punkte. Der Nasdaq Composite setzt seine Talfahrt dagegen fort und gibt um 1,2 Prozent auf 24.645 Punkte nach. Der S&P 500 verliert 0,3 Prozent auf 7.391 Punkte.
Entspannung signalisiert der Ölmarkt. Ein Barrel der Nordseesorte Brent kostet aktuell gut 87 Dollar. WTI fällt auf 81 Dollar. Hintergrund: Die USA und der Iran könnten nach US-Angriffen wieder Verhandlungen aufnehmen. Zudem laufen Gespräche zur Wiedereröffnung der Schifffahrtsroute durch die Straße von Hormus.
Die China-Illusion: Warum der Chip-Sektor grundlos zittert
Der Ausverkauf bei den Halbleitern hält an. Anleger sorgen sich zunehmend um die immensen KI-Ausgaben der Tech-Konzerne und deren Rentabilität. Verstärkt wird die Nervosität durch einen Bericht über ein chinesisches Staatsunternehmen, das angeblich eigene DUV-Lithografiemaschinen in Serie baut.
Ein genauer Blick relativiert diese Sorgen rasch. Die chinesischen Maschinen dürften eine deutlich geringere Ausbeute an brauchbaren Chips liefern als die etablierte Konkurrenz. Auch die Skalierung bleibt begrenzt: China plant in diesem Jahr die Fertigung von lediglich fünf Maschinen. ASML baut im selben Zeitraum 130 Anlagen und erweitert seine Kapazitäten kontinuierlich.
Zudem betrifft der angebliche Fortschritt lediglich die ältere DUV-Technologie. Die hochkomplexe EUV-Lithografie – zwingend erforderlich für High-End-Chips von Apple oder Nvidia – bleibt für China auf absehbare Zeit unerreichbar.
Chip- und Speicherwerte weiter unter Druck
Die Unsicherheit belastet die Branche dennoch auf breiter Front. Micron verliert acht Prozent, AMD gibt sieben Prozent nach und Intel verliert fünf Prozent. Schwergewicht Nvidia hält sich mit einem Minus von einem Prozent vergleichsweise stabil. Auch die Speicherhersteller geraten stark unter die Räder: SanDisk verliert neun Prozent, Western Digital gibt neun Prozent ab.
Gewinner und Verlierer der Berichtssaison
• Sherwin-Williams: Die Aktie des Farbenherstellers springt nach starken Quartalszahlen und einer angehobenen Jahresprognose um sieben Prozent nach oben.
• Coca-Cola: Der Getränkeriese übertrifft die Erwartungen beim Gewinn je Aktie und hebt seine Jahresziele an. Die Aktie legt um drei Prozent zu.
• Boeing: Der Flugzeugbauer verzeichnet zwar einen hohen Verlust durch das Air Force One-Programm, überrascht jedoch mit einem starken freien Cashflow. Das Papier gewinnt ein Prozent.
• PayPal: Nach anfänglichen Verlusten dreht die Aktie ins Plus. Neben den übertroffenen Q2-Zahlen heizen neue Spekulationen um einen Einstieg von Investor Marc Lore den Übernahmepoker an.
• UPS: Trotz angehobener Jahresziele verliert der Logistikkonzern sieben Prozent und sucht am Juni-Tief eine Bodenbildung.
Keine Panik bei Qualitätsaktien!
Der Chip-Sektor korrigiert hart und schnell. Doch die Auslöser basieren auf Panik, nicht auf harten Fakten. Wer jetzt seine KI-, Speicher- und Halbleiter-Champions aus der aktionärsfreundlichen westlichen Welt blind auf den Markt wirft, handelt aus schierer Hysterie.
Eine unbestätigte PR-Meldung aus einer kommunistischen Volksrepublik ist kein Verkaufsgrund für technologische Weltmarktführer. China kopiert mit Mühe veraltete DUV-Technologie, während Nvidia, ASML und Co. die Zukunft gestalten. Langfristige Anleger und Investoren nutzen diese irrationalen Rücksetzer, anstatt der Panik nachzugeben. Substanz wird sich immer durchsetzen.
DER AKTIONÄR DAILY Newsletter
Bleiben Sie über die neuesten Entwicklungen bei spannenden Unternehmen und an der Börse auf dem Laufenden. Lesen Sie DER AKTIONÄR DAILY – den täglichen Newsletter von Deutschlands führendem Börsenmagazin. Kostenlos.
Heute, 16:26
Bei Google bevorzugen