Was plant PayPal-Chef Enrique Lores im Übernahmekrimi um den Bezahldienstleister? Bei der Telefonkonferenz zu den Quartalszahlen hat er nun Einblicke in seine Strategie gegeben. Seine Aussagen lassen Anleger aufhorchen – und erinnern auch an einen prominenten, aktuellen Übernahmekampf in Deutschland.
PayPal will mit einem verschärften Sparkurs und leicht angehobenen Jahreszielen den Aktienkurs in die Höhe treiben und einen möglichen Übernahmeversuch abwehren. Der Zahlungsdienstleister will bis zum Jahresende 400 Millionen Dollar einsparen. Dazu soll unter anderem die Organisationsstruktur vereinfacht und Künstliche Intelligenz verstärkt eingesetzt werden.
Kurz und knapp
• PayPal setzt zunächst auf die eigene Strategie.
• CEO Lores hält sich alle Optionen offen.
• Die guten Zahlen stärken die Position im Übernahmepoker.
«Wir arbeiten mit Hochdruck daran, unseren Transformationsplan zu präzisieren und unsere Wachstumsstrategie voranzutreiben», so Konzernchef Enrique Lores bei der Vorstellung der Quartalsergebnisse am Dienstag.
Im Rahmen einer Telefonkonferenz äußerte sich Konzernchef Enrique Lores auch direkt zu den Spekulationen über eine mögliche Übernahme. „Grundsätzlich kommentieren wir keine Marktspekulationen oder Gespräche über mögliche Fusionen und Übernahmen“, sagte Lores in seiner vorbereiteten Stellungnahme. Aufgabe des Managementteams sei es, den langfristigen Wert für die Aktionäre zu maximieren.
Lores zeigte sich überzeugt, dass die von ihm skizzierte Transformationsstrategie erheblichen Mehrwert für die Aktionäre schaffen könne. Darauf konzentriere sich das Management weiterhin. Gleichzeitig betonte der PayPal-Chef, dass der Konzern bei der Bewertung anderer Möglichkeiten offen und objektiv bleibe.
„Wenn wir einen Weg sehen, der unserer Ansicht nach bei der Umsetzung unserer aktuellen Strategie einen überlegenen Wert für unsere Aktionäre schaffen würde, würden wir ihn selbstverständlich sorgfältig prüfen“, sagte Lores. In der Fragerunde mit Wall-Street-Analysten bekräftigte er zudem, dass Vorstand und Managementteam für alle Optionen offen seien. Jede sich bietende Gelegenheit werde objektiv bewertet und mit den eigenen Plänen verglichen.
Derzeit konzentriere sich PayPal jedoch auf die Umsetzung der eigenen Strategie. Nach den vergangenen drei Monaten der Analyse und angesichts der aktuellen Geschäftslage habe das Management einen klaren Überblick über das Wertschöpfungspotenzial der kommenden Jahre. Lores zeigte sich daher von der aktuellen Ausrichtung und dem Potenzial zur Wertsteigerung überzeugt.
Die Reaktion der Anleger auf die Zahlen sowie die Kommentare der PayPal-Führung fällt zwiegespalten aus. Die PayPal-Aktie verlor zunächst im vorbörslichen Handel zunächst knapp drei Prozent, drehte im weiteren Verlauf jedoch in den grünen Bereich, sodass im regulären Handel sogar ein Plus von drei Prozent zu Buche steht.
DER AKTIONÄR hält an seiner ersten Einschätzung nach den Zahlen fest: Die Resultate sind ordentlich bis gut ausgefallen und stärken PayPals Position im Übernahme-Poker. Die Spekulation auf ein höheres Angebot bleibt damit intakt. Die Aussagen von Lores erinnern an die Commerzbank, bei der auch stets die Eigenständigkeit betont wurde. Das gehört zu einem guten Übernahmepoker dazu: möglichst lange alle Optionen offenzuhalten und zugleich die eigene Verhandlungsposition zu stärken.
Heute, 15:55
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