++ Verrückte Börsen – 150 Prozent Potenzial ++

DER AKTIONÄR Wochenradar: 31. August bis 4. September 2026

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Ingo Nix Heute, 10:09 Ingo Nix
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Die Woche in drei Sätzen

Es ist die Woche, die auf den 16. September zuläuft: Am Montag und Dienstag liefern Deutschland und die Eurozone ihre Inflationszahlen für August, am Freitag um 14:30 Uhr folgt der amerikanische Arbeitsmarktbericht – die letzte Beschäftigungszahl, die der Offenmarktausschuss der Fed vor seiner Zinsentscheidung zu sehen bekommt. Dazwischen legt Broadcom am Mittwoch nach US-Börsenschluss die letzte große KI-Bilanz dieses Quartals vor, eine Woche nach Nvidia und mit einem eigenen Ausblick, der ein Umsatzplus von 84 Prozent verspricht. Die Frage über allem ist dieselbe wie am Freitag in Jackson Hole, nur dass sie jetzt Daten statt Rhetorik bekommt: nicht wann gesenkt wird, sondern ob erhöht wird.

Deutschland

Der Unternehmenskalender ist dünn, der Konjunkturkalender ist voll – und diesmal liegt die Geschichte eindeutig auf der zweiten Seite. Aus dem DAX 40 kommt keine einzige Quartalszahl mehr; Bayer lädt am Mittwoch lediglich zur Investorenveranstaltung der Sparte Crop Science, bei der erfahrungsgemäß neue Mittelfristziele gesetzt werden. Aus der zweiten Reihe meldet sich am Montag um 10:00 Uhr der Bauzulieferer Sto mit Halbjahreszahlen, und am Dienstag um 10:00 Uhr hält Gerresheimer seine virtuelle Hauptversammlung ab – fünf Tage nach den vorläufigen Zahlen zum ersten Quartal und damit die erste Gelegenheit, den Vorstand dazu zu hören.

Die Woche beginnt ansonsten am Montag mit den Verbraucherpreisen: ab 10:00 Uhr die Bundesländer, um 14:00 Uhr die vorläufige Bundeszahl für August. Sie ist der größte Einzelbeitrag zur europäischen Zahl am Dienstag und der erste Datenpunkt der Woche, der Bundesanleihen bewegt. Am Donnerstag folgen zwei Verbandszahlen, die in der Berichterstattung regelmäßig untergehen und trotzdem mehr über die deutsche Industrie sagen als jede Umfrage: um 8:30 Uhr der Quartalsbericht des Chemieverbands VCI, um 10:00 Uhr der Auftragseingang des Maschinenbauverbands VDMA. Die Chemie ist der Frühindikator, der Maschinenbau die Diagnose – und dort ist die Differenz zwischen Auslands- und Inlandsaufträgen die eigentliche Standortdebatte in einer Zahl. Am selben Tag meldet das Kraftfahrt-Bundesamt die Neuzulassungen für August. Den Abschluss macht am Freitag um 8:00 Uhr der Auftragseingang der Industrie für Juli, die volatilste deutsche Konjunkturzahl überhaupt. Wer sie liest, sollte den Wert ohne Großaufträge danebenlegen.

Quartalszahlen Deutschland/Europa
Quelle: dpa-AFX, Unternehmensangaben
Quartalszahlen Deutschland/Europa

Europa

Der Dienstag um 11:00 Uhr ist der wichtigste europäische Termin der Woche. Die vorläufigen Verbraucherpreise der Eurozone für August legen fest, mit welcher Erwartung die Märkte in die nächste Sitzung der EZB gehen, und sie wirken unmittelbar auf Euro, Bundesanleihen und die zinssensiblen Sektoren. Die Vorläufer sind bekannt: Frankreich und Spanien am Freitag, Deutschland am Montagnachmittag, Italien am Dienstagvormittag. Entscheidend ist nicht die Gesamtrate, sondern die Kernrate – und in ihr der Dienstleistungsanteil, der sich in diesem Zyklus als der zähe Teil erwiesen hat. Am selben Vormittag kommt die Arbeitslosenquote für Juli, die stabilste Größe im Euroraum; interessant wird sie erst, wenn sie sich bewegt, und dann sofort.

Auf der Unternehmensseite ist der Kalender dünn und lohnt genau deshalb den zweiten Blick: Swiss Life am Dienstag um 7:00 Uhr mit Zinsergebnis und Solvenzquote im Umfeld von Langfristrenditen auf Mehrjahreshochs, Vivendi am Donnerstag um 17:30 Uhr nach Pariser Börsenschluss, wo nach der Aufspaltung ohnehin nur noch die Summe der Einzelteile zählt, und am Freitag der Kapitalmarkttag von Unilever. Bei Unilever geht es um die Frage, die den gesamten Konsumgütersektor beschäftigt: Wie viel Wachstum bleibt, wenn die Preiserhöhungen ausgereizt sind?

USA

Kevin Warsh hat die Frage am Freitag in Jackson Hole nicht beantwortet, aber er hat sie geschärft. Der Fed-Chef nannte die Wirtschaft robust und die jüngsten Preisdaten ausdrücklich keinen belastbaren Fortschritt; im Kampf gegen die Inflation bleibe Arbeit zu tun. Eine Vorabbindung an einen konkreten Zinsschritt lehnte er ab – Formulierungen, mit denen er die Tür für eine Erhöhung öffnet, ohne den September zu benennen. Der Anleihemarkt hat das sofort eingepreist: Die Rendite zweijähriger Treasuries schloss zwölf Basispunkte höher bei 4,35 Prozent, die zehnjährige bei 4,72 Prozent, und die Wahrscheinlichkeit einer Erhöhung am 16. September sprang auf 57 Prozent. Die Aktienmärkte drehten ins Minus: Der S&P 500 verlor am Freitag 0,25 Prozent, der Nasdaq Composite 0,7 Prozent, der Dow Jones schloss nahezu unverändert bei 53.560 Punkten. Damit bekommt jede Zahl dieser Woche eine Richtung.

Am Dienstag um 10:30 Uhr öffnet Nio die Bücher für das zweite Quartal; um 12:45 Uhr meldet Medtronic und ist der defensive Gegenpol der Woche. Um 16:00 Uhr beginnt die Konjunkturseite mit dem ISM für das verarbeitende Gewerbe, der ersten harten Aktivitätszahl für August, und mit den offenen Stellen (JOLTS). Der Hauptindex des ISM wird regelmäßig überinterpretiert; aussagekräftiger sind die Differenz aus Auftragseingang und Lagerbestand sowie die Preiskomponente, die den Zolldruck direkter misst als jede Inflationsstatistik. Am Abend um 22:00 Uhr berichten Palo Alto Networks und Dell Technologies, beide mit Analystenkonferenz um 22:30 Uhr. Dell ist dabei der eigentliche Frühindikator: Der Auftragsbestand für KI-Server sagt zwei Tage vor Broadcom und Hewlett Packard Enterprise etwas darüber, ob die Nachfrage in der Breite ankommt – und zu welcher Marge.

Der Mittwochabend trägt die Woche, und er tut es in drei Etappen derselben Rechnung. Vorher liefert um 14:15 Uhr der ADP-Bericht die erste private Schätzung zum Arbeitsmarkt, um 20:00 Uhr folgt das Beige Book der Fed, das qualitative Konjunkturbild aus den zwölf Bezirken, zwei Wochen vor der Zinsentscheidung; achten sollte man dort auf die Formulierungen zu Löhnen und zur Weitergabe von Zöllen. Nach US-Börsenschluss berichtet dann Broadcom, die Analystenkonferenz beginnt um 23:00 Uhr; Hewlett Packard Enterprise und Snowflake folgen im selben Fenster. Chip, Server, Datenschicht – drei Ebenen einer einzigen Nachfrage, an einem Abend.

Am Donnerstag berichtet Ciena um 14:30 Uhr vorbörslich. Zur selben Zeit kommen die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe und die revidierten Lohnstückkosten – Letztere fehlen in der Agenturvorlage, stehen aber im Kalender des Bureau of Labor Statistics. Lohnstückkosten sind das Bindeglied zwischen Löhnen und Inflation und damit das stärkste Argument der Falken im Offenmarktausschuss. Um 16:00 Uhr bringt der ISM-Index für den Dienstleistungssektor den breiteren Index für rund vier Fünftel der Wirtschaft. Alles zusammen sind es Vorboten für den Freitag.

Quartalszahlen USA
Quelle: dpa-AFX, Unternehmensangaben
Quartalszahlen USA

Die Priorisierung folgt der Frage, welcher Termin die Zinserwartung für den 16. September verschieben kann. Der Arbeitsmarktbericht kann es allein; Broadcom kann es über den Umweg der Risikobereitschaft am Aktienmarkt.

Fünf wichtige Termine
Quelle: dpa-AFX, Unternehmensangaben, BLS
Fünf wichtige Termine

Broadcom am Mittwochabend: Die zweite Rechnung der KI-Welle

Eine Woche nach Nvidia kommt der zweite Beleg – und er ist der unbequemere. Broadcom baut keine Grafikprozessoren von der Stange, sondern kundenspezifische Beschleuniger für einzelne Großkunden, dazu die Netzwerkchips, die diese Beschleuniger überhaupt erst zu einem Rechenzentrum verbinden. Wenn die Investitionswelle in Auftragsbüchern ankommt und nicht nur in Absichtserklärungen, dann sieht man es hier zuerst, weil solche Aufträge Jahre im Voraus vergeben werden.

Die Messlatte hat das Unternehmen selbst gelegt, und sie ist hoch. Für das dritte Quartal stellte Broadcom am 3. Juni rund 29,4 Milliarden Dollar Umsatz in Aussicht, ein Plus von 84 Prozent gegenüber dem Vorjahr, bei einer stabilen bereinigten operativen Marge von 67 Prozent; die Guidance für das bereinigte EBITDA liegt bei rund 68 Prozent des Umsatzes – beide Größen werden gern verwechselt. Für das KI-Halbleitergeschäft allein prognostizierte der Vorstand ein Wachstum von mehr als 200 Prozent. Der Ausgangspunkt: Im zweiten Quartal lag der Konzernumsatz bei 22,2 Milliarden Dollar, davon entfielen 10,8 Milliarden Dollar auf KI-Halbleiter, ein Zuwachs von 143 Prozent. Es ist eine Wachstumsrate, die sich in dieser Höhe nicht beliebig fortschreiben lässt – und genau darin liegt die Frage des Abends. Nicht ob die Zahl für das dritte Quartal getroffen wird, das gilt als weitgehend gesetzt. Sondern ob der Ausblick auf das vierte Quartal die Beschleunigung noch einmal bestätigt oder erstmals abflacht.

Freitag, halb drei: Die letzte Zahl vor der Zinsentscheidung

Am Freitag um 14:30 Uhr meldet die US-Statistikbehörde die Arbeitsmarktzahlen für August. Es ist der letzte Bericht, den die Notenbank vor ihrer Zinsentscheidung am 16. September zu Gesicht bekommt. Ungewöhnlich ist die Ausgangslage: Am 29. Juli stimmten drei der zwölf Notenbanker für eine Zinserhöhung statt für ein Beibehalten der Spanne von 3,50 bis 3,75 Prozent – so viele wie zuletzt 2016. Der Grund sind die Preise. Die von der Fed bevorzugte Kerninflation liegt bei 3,3 Prozent und verfehlt das Ziel von zwei Prozent seit über fünf Jahren – und sie steht dort seit April praktisch unverändert.

Für Aktien dreht das eine alte Faustregel um. Früher waren schwache Arbeitsmarktdaten gut für die Kurse, weil sie Zinssenkungen näher rückten. Diesmal wäre ein starker Arbeitsmarkt mit kräftig steigenden Löhnen das Argument, das die drei Abweichler für eine Mehrheit brauchen – und höhere Zinsen belasten Aktien. Der Markt will an diesem Freitag keine gute Nachricht, sondern eine unauffällige.

Am Dienstag und Mittwoch geht es zweimal um dasselbe: Dell zeigt, wie viele KI-Server bestellt sind; Broadcom zeigt, wie viele Chips dafür gebraucht werden. Am Freitag entscheidet der Arbeitsmarktbericht, ob die Notenbank die Zinsen im September eher anhebt oder abwartet.


Die laufenden Empfehlungen von DER AKTIONÄR:

Dell mit Kursziel 500 Euro und einen Stopp bei 320 Euro

Palo Alto Networks mit Kursziel 420 Euro und einem Stopp bei 275 Euro

Broadcom mit Kursziel 440 Euro und einen Stopp bei 280 Euro

Unilever mit Kursziel 65 Euro und einem Stopp bei 37 Euro

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