Der kriselnde Flugzeugbauer Boeing hat im zweiten Quartal beim Barmittelzufluss überraschend stark abgeschnitten. Höhere Auslieferungen stützen das operative Geschäft des US-Konzerns. Unter dem Strich bleibt der Airbus-Rivale jedoch tief in den roten Zahlen – auch wegen teurer Sonderlasten beim Präsidentenjet.
Boeing hat am Dienstag die Zahlen für das zweite Quartal vorgelegt. Vorbörslich reagierte die Aktie mit einem Plus von rund einem Prozent. Während der Umsatz die Erwartungen übertraf, sorgte vor allem die Entwicklung beim freien Barmittelzufluss (Free Cash Flow) für eine positive Überraschung an der Wall Street.
Im abgelaufenen Jahresviertel erzielte Boeing einen bereinigten Free Cash Flow von 631 Millionen Dollar. Branchenexperten hatten im Schnitt mit einem Barmittelabfluss von rund 331 Millionen Dollar gerechnet. Der operative Cashflow belief sich auf 1,36 Milliarden Dollar – nach 227 Millionen Dollar im Vorjahreszeitraum.
Treiber dieser Entwicklung waren gestiegene Flugzeug-Auslieferungen und ein höheres Produktionsvolumen. Der Umsatz kletterte im Jahresvergleich um acht Prozent auf 24,56 Milliarden Dollar und lag damit über der Konsensschätzung von 24,26 Milliarden Dollar. Im Schlüsselprogramm 737 stellte Boeing die Produktion im Quartal schrittweise auf 47 Maschinen pro Monat um. Die Zertifizierungstests für die Modellvarianten 737-7 und 737-10 sind mittlerweile abgeschlossen, die ersten Auslieferungen bleiben für 2027 geplant.
Air Force One belastet das Ergebnis
Trotz der operativen Lichtblicke bleibt die Ertragslage angespannt. Unter dem Strich verbuchte Boeing einen Nettoverlust von 428 Millionen Dollar. Zwar entspricht dies einer Besserung um rund 30 Prozent gegenüber dem Vorjahr, der bereinigte Kernverlust je Aktie lag mit 0,76 Dollar jedoch deutlich über den Analystenschätzungen von minus 0,28 Dollar.
Hauptgrund für den anhaltenden Verlust sind erneute Belastungen in der Rüstungssparte. Das Programm für die neue US-Präsidentenmaschine Air Force One (VC-25B) schlug im Quartal mit weiteren Sonderbelastungen in Höhe von 280 Millionen Dollar zu Buche. Ursache hierfür sind zusätzliche Investitionen in Produktions- und Zertifizierungsressourcen.
Das US-Analysehaus Jefferies bestätigte im Vorfeld der Zahlen seine Kaufempfehlung für Boeing mit einem Kursziel von 295 Dollar. Analystin Sheila Kahyaoglu wies jedoch bereits darauf hin, dass bei Großprojekten im Rüstungsbereich das Risiko weiterer Kostensteigerungen besteht.
Die Zahlen zeigen zwar, dass sich Boeing operativ und beim Cashflow langsam aus dem Tal der Tränen arbeitet. Die steigenden Auslieferungen bei den Passagiermaschinen sind ein gutes Zeichen. Doch die erneuten Millionenverluste beim Umbau der Air Force One belegen einmal mehr, wie anfällig der Konzern für hausgemachte Kostenfallen bleibt. Solange Boeing seine Rüstungsprojekte und die eigenen Prozesse nicht dauerhaft in den Griff bekommt, bleibt das Papier eine Baustelle und für DER AKTIONÄR kein Kauf.
Im Duopol der Flugzeugbauer hat der europäische Rivale Airbus klar die Nase vorn. Die Europäer punkten mit einer verlässlicheren Produktion, einer solideren Bilanz und einem deutlich ruhigeren Fahrwasser im Management. Anleger, die auf den langfristigen Trend in der Luftfahrt setzen wollen, greifen daher weiterhin zur Airbus-Aktie.
Heute, 14:55
Bei Google bevorzugen