Der Kryptomarkt steht unter Druck. Innerhalb von nur 24 Stunden wurden Positionen im Wert von rund 560 Millionen Dollar liquidiert, während der Kurs von knapp 76.000 auf unter 70.000 Dollar fiel. Anleger ziehen sich aus risikoreichen Anlagen zurück, da die US-Notenbank Federal Reserve eine wenig optimistische Botschaft zur weiteren Zinspolitik gesendet hat.
Bitcoin geriet am Mittwoch spürbar unter die Räder. Nachdem die Leitwährung erst am Vortag die Marke von 76.000 Dollar touchiert hatte, sackte der Kurs um rund fünf Prozent unter die Schwelle von 71.000 Dollar ab. Auch andere Schwergewichte wie Ethereum, Solana und die Meme-Währung Dogecoin mussten Einbußen zwischen fünf und sechs Prozent hinnehmen. Am Donnerstagmorgen verschärfte sich die Situation noch weiter, da der Bitcoin-Kurs sogar unter die Marke von 70.000 Dollar rutschte.
Der Grund für den Ausverkauf: Die Marktteilnehmer hatten auf Signale für eine baldige Entspannung bei den Zinsen gehofft. Doch die Erwartungen wurden enttäuscht.
Jerome Powell bleibt hart
Die Federal Reserve beließ den Leitzins wie erwartet im Bereich von 3,5 bis 3,75 Prozent. Entscheidender als die Zinsentscheidung selbst war jedoch der Ausblick von Notenbankchef Jerome Powell. Er bezeichnete die Inflation weiterhin als „etwas erhöht“ und verwies auf die Unsicherheiten durch die geopolitischen Spannungen im Nahen Osten. Sollten die Energiepreise durch Versorgungsengpässe weiter steigen, könnte dies den Inflationsdruck kurzfristig erneut anheizen. Das Ziel einer Inflationsrate von zwei Prozent bleibt für die Fed die oberste Priorität – koste es, was es wolle.
Übergreifende Risikoaversion belastet Kurse
Die Zurückhaltung der Fed zieht weite Kreise. Auch an den klassischen Finanzmärkten sinkt die Risikobereitschaft. Der S&P 500 rutschte in Richtung eines Vier-Monats-Tiefs. Selbst bei den als sicher geltenden Edelmetallen war von Stabilität keine Spur: Gold verlor rund drei Prozent auf 4.850 Dollar, Silber büßte vier Prozent ein und erreichte ein Ein-Monats-Tief bei 75 Dollar.
Experten sehen den Kryptomarkt derzeit als Spielball der globalen Makroökonomie. „Die Richtung von Bitcoin wird momentan mehr von makroökonomischen Faktoren als von krypto-eigenen Katalysatoren bestimmt“, erklärt das Analysehaus QCP Capital. Erschwerend kommt hinzu, dass der Markt durch hohe Derivate-Positionen und unbeständige ETF-Zuflüsse derzeit extrem anfällig für Stimmungsschwankungen ist.
Der jüngste Kurseinbruch ist ein Weckruf. Solange die Inflation hartnäckig bleibt und geopolitische Risiken die Energiepreise treiben, ist der Spielraum für eine Erholung bei Krypto-Assets begrenzt. Anleger sollten daher das Niveau um die 75.000-Dollar-Marke weiterhin im Auge behalten. Ein nachhaltiger Ausbruch darüber wäre ein erstes bullishes Zeichen.
Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Bitcoin.
Heute, 08:45