BIETIGHEIM-BISSINGEN (dpa-AFX) - Der Anlagenbauer Dürr
Nach anfänglichen Verlusten von bis zu zweieinhalb Prozent notierte die im Kleinwerteindex SDax
Die Analysten von Bernstein senkten in Reaktion auf vorläufige Zahlen und die Prognose zuletzt ihr Kursziel, behielten aber ihr positives Votum bei. Die Eckdaten seien alles in allem solide gewesen, schrieb Philippe Lorrain. Das angekündigte Effizienzprogramm belege, dass der Ausrüster der Automobilindustrie das Augenmerk auf eine Verbesserung der Profitabilität lege. Warburg-Experte Christian Cohrs sprach derweil von einem "neutralen Bild" für das zweite Quartal.
Der Dürr-Vorstand plant den Angaben vom Vorabend zufolge weiterhin für 2026 mit einem Umsatz bei 3,9 bis 4,3 Milliarden Euro verglichen mit 4,2 Milliarden 2025. Die Marge auf Basis des um Sondereffekte bereinigten Gewinns vor Zinsen und Steuern (Ebit) wird bei 5,0 bis 6,5 (VJ: 5,6) Prozent erwartet. Beim Auftragseingang peilt Dürr 3,8 bis 4,2 Milliarden Euro an. Im Vorjahr hatte dieser bei 3,9 Milliarden gelegen.
Im zweiten Quartal sank der Umsatz im Konzern um rund zwei Prozent auf 981 Millionen Euro. Die Marge auf Basis des um Sondereffekte bereinigten Gewinns vor Zinsen und Steuern (Ebit) erhöhte sich leicht um 0,1 Prozentpunkte auf 4,3 Prozent. Der Auftragseingang legte um 13 Prozent auf 914 Millionen Euro zu.
Schub kam vor allem aus der Division Automotive, die unter anderem größere Aufträge für Lackieranlagen aus Brasilien und Indien verbuchen konnte. Den vollständigen Halbjahresbericht will Dürr am 6. August vorlegen.
Die schwache Entwicklung bei BBS Automation habe eine Wertminderung von circa 90 bis 100 Millionen Euro zur Folge. Grund seien der unter den Erwartungen liegende Auftragseingang im ersten Halbjahr sowie eine Anpassung der Markterwartungen. Mit dem Abbau von rund 500 Stellen weltweit will Dürr dort gegensteuern. Die Kosten sollen so um rund 30 Millionen Euro pro Jahr gesenkt werden. Für 2026 seien Umbaukosten von 40 bis 50 Millionen Euro geplant.
An den vier deutschen Standorten sollen etwa 200 Jobs wegfallen. Der Abbau soll in diesem und im kommenden Jahr erfolgen. Betriebsbedingte Kündigungen sollen den Angaben nach möglichst vermieden werden. Ausgeschlossen seien sie aber nicht. Das Unternehmen will schon bald Gespräche mit Arbeitnehmervertretern aufnehmen. Mit dem nun aufgelegten Effizienzprogramm sollen Wettbewerbsfähigkeit und Ertragskraft der Tochter gestärkt werden.
Dürr hatte den Automatisierungsspezialisten aus Garching bei München Mitte 2023 übernommen. Die Firma beschäftigt weltweit rund 2.300 Menschen und macht einen Teil ihres Geschäfts mit Produktionsanlagen für die Autoindustrie, insbesondere für E-Autos. Außerdem bietet das Unternehmen unter anderem Anlagen zur Herstellung von Medizinprodukten wie Spritzen an.
Hintergrund des Einschnitts sind demnach die maue Konjunktur und rückläufige Bestellungen der Autohersteller. Die Branche investiere - trotz der anziehenden Nachfrage nach E-Autos - vorerst zurückhaltend in neue Produktionssysteme, da bestehende Linien erst voll ausgelastet werden müssten. Dürr stutzt daher auch die Wachstumspläne für die Tochter zurück: Statt 800 Millionen Euro Umsatz werden von 2030 an nur noch mehr als 600 Millionen Euro angepeilt.
2025 hatte Dürr bereits den Wegfall von rund 500 Stellen in der Verwaltung angekündigt - davon mehr als die Hälfte in Deutschland. Hintergrund war die Verkleinerung des Konzerns nach dem Verkauf der Umwelttechniksparte./jha/he/jwe/zb/tav/nas/jha/
Quelle: dpa-AFX
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