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11.05.2021 Emil Jusifov

Facebook: Brüderlicher Zusammenschluss mit deutschen Medien

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Facebook

Facebook wird von Mai an Nachrichteninhalte von zahlreichen Verlagen und Medienmarken aus Deutschland in einem eigenen Bereich präsentieren. Das kündigte der Internet-Konzern am Montag in Hamburg an. "Wir werden die kommenden drei Jahre weltweit rund eine Milliarde Dollar in die Medienindustrie investieren", sagte Jesper Doub, Director für News Partnerships in Europa in einer Online-Pressekonferenz. "Facebook News in Deutschland ist ein Teil davon." Wie hoch die Vergütung für einzelne Verlage genau ausfällt, kommunizierte Facebook nicht.

Die Medienhäuser werden dafür bezahlt, dass sie auf Facebook News Inhalte verlinken, die bislang nicht auf der Plattform zu sehen waren, wie es weiter hieß. Sie müssen aber nicht eigens für Facebook produziert werden. "Wichtig dabei ist, dass Inhalte selbst nicht auf Facebook landen, sondern wir setzen Links zu den Angeboten der Verlage", betonte Doub.

Als Partner mit an Bord sind den Facebook-Angaben zufolge unter anderen Medien wie beispielsweise "Der Spiegel", die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" oder der Hamburger Verlag Gruner + Jahr, der zum Bertelsmann-Konzern gehört. Auch etliche Regionalverlage und auf Sport und Technik spezialisierte Medienhäuser sind dabei.

"Facebook News ist eine langfristig angelegte Zusammenarbeit", sagte Doub. "Wir glauben, dass es mehrere Jahre dauern wird, bis das Produkt richtig gut ist." Der Kreis der Partner sei nicht auf die Medienhäuser beschränkt, die von Anfang an dabei sind, betonte Doub. Die Summe für die teilnehmenden Medienhäuser werde auch nicht geringer, wenn weitere dazustoßen.

Doub verglich dabei Facebook News mit dem Videoportal Facebook Watch, dem Facebook Marketplace oder dem Dating-Bereich innerhalb des Netzwerks. "Das sind Dinge, die immer Teilaspekte von Usern adressieren. Aber wenn diese Gruppe ausreichend groß ist, dann ist das für uns ein Anlass, darüber nachzudenken, entsprechend ein Produkt zu entwickeln."

Bei den Inhalten, die weltweit auf Facebook konsumiert werden, machten News-Inhalte im Durchschnitt allerdings nur vier Prozent aus. "Die Motivation, warum Menschen auf Facebook kommen, ist nicht die, um News zu gucken. Es gibt aber durchaus eine Menge Leute, die sagen: "Wenn ich schon hier bin, hätte ich gerne eine Möglichkeit, mich mit aktuellen News zu versorgen"".

Facebook (WKN: A1JWVX)

Facebooks Entscheidung auf die Medien und Publisher zuzugehen ist langfristig eine strategisch kluge Entscheidung. So könnten neue Synergien entstehen, die künftig zu interessanten Geschäftsmodellen unter Beteilung von Facebook und den Medienhäusern führen. Zudem poliert der Social-Media-Riese damit sein etwas angeschlagenes öffentliches Image auf. Gewinne laufen lassen. Neueinsteiger nutzen den Rücksetzer zum Kauf.

(Mit Material von dpa-AFX)

Hinweis auf Interessenkonflikte:
Der Autor hält unmittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren: Facebook.

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