Salzgitter rechnet im laufenden Jahr insgesamt nur mit einer leichten Verbesserung der ökonomischen Rahmenbedingungen. Die Aktie des Stahlkonzerns dreht trotzdem weiter auf und erreicht den höchsten Stand seit Sommer 2011. Seit Ende November 2025 hat der Titel seinen Wert mehr als verdoppelt.
Die wirtschaftliche Lage in Deutschland bleibt auch zu Jahresbeginn angespannt. Die geplanten Investitions- und Infrastrukturprogramme der öffentlichen Hand führten noch nicht zu einer deutlichen konjunkturellen Belebung, heißt es aus er Salzgitter-Konzernzentrale.
Positiv dürften sich hingegen die Handelsschutzmaßnahmen der EU auswirken. Die EU-Kommission hat deutlich höhere Zölle vorgeschlagen, um die heimische Stahlindustrie vor billiger Konkurrenz aus Ländern wie etwa China zu schützen. Zudem soll die Menge für zollfreie Importe nahezu halbiert werden. Konkret soll der Zollsatz für Importe, die darüber hinausgehen, auf 50 Prozent verdoppelt werden. Das könnte auch Auswirkungen auf die schwierigen Verhandlungen mit den USA haben, die für Stahl- und Aluminium-Importzölle von 50 Prozent erheben.
2026 erwartet Salzgitter einen Umsatz von rund 9,5 Milliarden Euro, nach 9,0 Milliarden im Vorjahr. Analysten hatten bisher mehr auf ihren Zetteln. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) soll von 376 Millionen Euro im vergangenen Jahr auf 500 bis 600 Millionen zulegen. Vor Steuern peilt das Unternehmen ein positives Ergebnis in Höhe von 75 bis 175 Millionen Euro an.
2025 konnte der Stahlkonzern den Verlust vor Steuern auf 28 Millionen Euro deutlich eindämmen. In den Prognosen für das laufende Jahr wird die Fortführung der Hüttenwerke Krupp Mannesmann (HKM) unter alleiniger Verantwortung der Salzgitter AG nicht berücksichtigt. Nach monatelangen Verhandlungen haben sich erst in der vergangenen Woche Salzgitter und Thyssenkrupp Steel auf Eckpunkte verständigt, wie Thyssenkrupp schon in Kürze aussteigen kann. Die Vereinbarung sieht einen Verkauf der HKM-Gesellschaftsanteile von Thyssenkrupp Steel an Salzgitter zum 1. Juni 2026 vor. Der dritte Gesellschafter Vallourec äußerte sich bereits zustimmend.
Salzgitter hatte sein Interesse an einer Komplettübernahme bereits im vergangenen Jahr deutlich gemacht und dabei auch schon einen Stellenabbau skizziert. Beim Duisburger Stahlhersteller HKM soll künftig nur noch mit 1.000 statt 3.000 Beschäftigten Stahl gekocht werden.
Die US-Bank JPMorgan hat die Einstufung für Salzgitter nach Zahlen und Ausblick auf 2026 auf "Underweight" mit einem Kursziel von 31,40 Euro belassen. Der Stahlkonzern habe mit Blick auf das Schlussviertel 2025 die Erwartungen deutlich übertroffen, so Dominic O'Kane. Das werde allerdings relativiert durch die Prognose für das operative Ergebnis (EBITDA) für 2026. Sie impliziere ein Abwärtsrisiko für die Konsensschätzung von rund 20 Prozent.
Die Prognose für das Geschäftsjahr 2026 liegt deutlich unter dem Konsens der Analysten. Allem Anschein setzen die Anleger darauf, dass die Planzahlen nur konservativ sind – und die geplanten Investitions- und Infrastrukturprogramme der öffentlichen Hand am Ende doch noch zu einer deutlichen konjunkturellen Belebung führen würden. Salzgitter will die vollständigen Zahlen für 2025 am 23. März vorlegen. Dann dürfte es auch mehr Details zu den Aussichten geben. Nach der imposanten Kursrally drängt sich derzeit kein Neueinstieg auf.
(Mit Material von dpa-AFX)
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