Schlechte Nachrichten vom Arbeitsmarkt sind heute gute Nachrichten für die New Yorker Börsen. Der S&P 500 verabschiedet sich mit einem neuen Rekord ins Wochenende. Auch der Dow Jones und der Nasdaq 100 verbuchen kräftige Wochengewinne. Airbnb, SpaceX und Microchip Technology führen die Tech-Rally mit zweistelligen Kursgewinnen an.
Der S&P 500 macht am Freitag 0,6 Prozent gut. Zeitweise kletterte der marktbreite Index bis auf 7.763 Punkte und erreichte damit ein neues Allzeithoch. Der Nasdaq 100 geht mit einem Tagesplus von 1,2 Prozent aus dem Handel und schließt somit bei 29.719 Zählern. Der Dow Jones gewann heute 0,3 Prozent auf 54.042 Punkte.
Auf Wochensicht ging es für den Dow Jones um 3,5 Prozent, für den S&P 500 um 4,0 Prozent und für den Tech-Index sogar um 4,5 Prozent nach oben. Damit legen alle drei Indizes die beste Börsenwoche seit April hin.
US-Arbeitsmarkt: Gerade schwach genug
Ein Auslöser der Rally war am Freitag die Veröffentlichung überraschend schwacher Job-Daten. Statt der von Volkswirten erwarteten 80.000 neuen Stellen gingen im Juli außerhalb der Landwirtschaft 23.000 Jobs verloren, wie das Arbeitsministerium am Freitag in Washington mitteilte. Zusätzlich wurden die Zahlen zum Beschäftigungsaufbau im Mai und Juni zusammen um 103.000 Stellen nach unten revidiert. Der Arbeitsmarkt in der größten Volkswirtschaft der Welt hat sich somit zuletzt deutlich schwächer entwickelt als bisher angenommen.
„Der Bericht war schwach genug, um den Druck auf die Fed zu reduzieren, aber noch nicht schwach genug, um zu signalisieren, dass die Wirtschaft auseinanderfällt“, fasst eToro-Analyst Bret Kenwell die Lage zusammen. Die Mehrheit der Marktteilnehmer rechnet beim nächsten Zinsentscheid der Federal Reserve im September nun mit unveränderten Leitzinsen. Vor einer Woche erwarteten 67 Prozent noch eine Zinserhöhung. Ganz vom Tisch ist das Thema jedoch nicht: Die Märkte rechnen weiterhin mit einer Anhebung der Leitzinsen im laufenden Jahr – nur eben frühestens im Dezember. Entscheidend werden die US-Verbraucherpreise am kommenden Mittwoch.
Am Anleihenmarkt sorgt das für Bewegung: Die Rendite zweijähriger US-Staatsanleihen sinkt auf 4,19 Prozent, die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen auf 4,64 Prozent. Auch am Devisenmarkt hinterlässt der schwache Arbeitsmarktbericht Spuren: Der Dollar-Index fällt am Freitag rund 0,4 Prozent auf 99,5 Punkte und markiert damit den tiefsten Stand seit sieben Wochen. Der Euro-Dollar-Kurs steigt auf 1,1568 Dollar.
Die sinkenden Renditen trieben den Goldpreis in der Spitze heute um 3,1 Prozent nach oben auf 4.371,89 Dollar je Feinunze. Das ist der höchste Stand seit Mitte Juni. Der Silberpreis zog um bis zu 5,9 Prozent auf 65,15 Dollar je Feinunze an und notiert im Wochenvergleich knapp acht Prozent höher.
Bitcoin reagiert zurückhaltender und gewinnt 0,8 Prozent auf rund 64.916 Dollar. Zwar spielt auch der Kryptowährung die Aussicht auf länger stabile Zinsen in die Karten, doch die Bullen kommen bislang nicht richtig vom Fleck. Bei rund 65.000 Dollar scheitert der Kurs seit Wochen an einer hartnäckigen technischen Hürde. Nach dem Verlust der Vorwoche steuert der Bitcoin in dieser Woche immerhin auf ein Plus von mehr als zwei Prozent zu.
Straße von Hormus: Bald wieder freie Fahrt?
Zum Handelsschluss steht die Situation rund um die Straße von Hormus kurz vor einer möglichen, aber noch nicht final besiegelten Einigung. Iran und Oman haben nach Angaben Teherans den Rahmen für ein Übergangsabkommen fertiggestellt. Dieses soll laut US-Angaben zunächst 60 Tage gelten. In dieser Zeit soll über eine dauerhafte vollständige Öffnung der Meerenge sowie weiter über das Atomabkommen verhandelt werden. Washington betont allerdings, dass noch nichts endgültig vereinbart ist. Strittig bleibt vor allem die Kontrolle über die Passage: Die USA bestehen auf völlig freier kommerzieller Schifffahrt ohne Genehmigungspflicht, Zölle oder Gebühren für den Iran.
Die verbliebene Unsicherheit hält damit einen Risikoaufschlag im Ölpreis. Die Nordsee-Sorte Brent stieg am Freitag um 1,3 Prozent auf 83,55 Dollar, die US-Sorte WTI stieg um 1,2 Prozent auf 78,18 Dollar. Die wachsende Hoffnung auf eine Wiederöffnung der wichtigen Schifffahrtsroute hatte die Preise im Wochenverlauf allerdings kräftig gedrückt. Auf Wochensicht gab Öl um mehr als fünf Prozent nach.
Neuer KI-Hype: Kursexplosion bei Atlassian
Schon vor Handelsstart zeichnete sich die gute Stimmung im Software-Sektor sowie bei KI-Aktien ab (DER AKTIONÄR berichtete). Nach starken Quartalszahlen und optimistischen Ausblicken von Atlassian (+35,3%), Cloudflare (+5,6%), Twilio (+24,9%), Microchip Technology (+13,9%) und Applied Optoelectronics (+9,2%) geht es für diese Titel auch im regulären Handel kräftig nach oben. Die Bullen lassen bis zur Schlussglocke nicht locker. Auch Palantir dreht noch einmal auf und schließt mit einem Aufschlag von 10,3 Prozent. Auf Wochensicht steht damit ein Kursgewinn von 40,7 Prozent. Hier wurde die KI-Wachstumsstory durch die am Anfang der Woche vorgelegten Zahlen neu entfacht.
Bei den "Magnificent 7" lief es deutlich ruhiger: Tesla (+2,8%) und Nvidia (+2,3%) führen die Gruppe an. Amazon (+0,8%), Meta (+0,4%) und Apple (+0,3%) legen moderat zu. Microsoft tritt auf der Stelle. Alphabet (-1,0%) ist am Freitag der einzige Verlierer unter den Tech-Giganten. Der Konzern zapft nach der Anhebung seiner Investitionsprognose für 2026 auf bis zu 205 Milliarden Dollar erneut den Anleihemarkt an und will mit einer zehnteiligen Emission bis zu 25 Milliarden Dollar aufnehmen. Die steigende Verschuldung und die noch unsicheren Renditen der KI-Investitionen sorgen zwar nicht für echte Ausfallsorgen, haben aber die Kosten für Kreditausfallversicherungen auf Alphabet-Anleihen zuletzt deutlich steigen lassen.
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Airbnb: "Das Beste, was uns passieren konnte"
Stärkster Wert im S&P 500 und Nasdaq 100 war Airbnb. Ein Kurssprung um 17,4 Prozent katapultierte die Aktie am Freitag auf 4-Jahres-Hoch. Der Umsatz legte im zweiten Quartal von 3,10 Milliarden Dollar auf 3,61 Milliarden Dollar zu, der Gewinn je Aktie verbesserte sich von 1,03 Dollar auf 1,37 Dollar. Neben den besser als erwarteten Zahlen und der angehobenen Prognose begeistert vor allem die KI-Story.
"KI ist das Beste, was Airbnb passieren konnte", erklärte Unternehmenschef Brian Chesky gegenüber CNBC. "Wir entwickeln uns zunehmend zu einem Unternehmen, das KI von Grund auf in den Mittelpunkt stellt. Und das ist wahrscheinlich der wichtigste Grund für unsere starken Ergebnisse." Mithilfe der Technologie habe Airbnb seine Entwicklungszeiten um rund 60 Prozent verkürzt und innerhalb eines Jahres 80 Prozent mehr neue Funktionen veröffentlicht – bei weitgehend stabiler Mitarbeiterzahl. Im Kundenservice benötigen inzwischen 45 Prozent der Gäste, die mit einem KI-Agenten interagieren, keine menschliche Hilfe mehr. Die Kosten für KI-Rechenleistung seien im Vergleich zu den zusätzlichen Buchungen und Produktivitätsgewinnen zu vernachlässigen.
Panik verpufft: Analystenupgrade für SpaceX
SpaceX legte mit einem Plus von 15,8 Prozent auf 133,11 Dollar ebenfalls kräftig zu. Argus Research stufte SpaceX von „Hold“ auf „Buy“ hoch und bestätigte ein Kursziel von 160 Dollar – rund 39 Prozent über dem Donnerstagsschluss. Ausschlaggebend war die Neubewertung der hohen KI-Investitionen. Finanzchef Bret Johnsen hatte bei den Quartalszahlen von SpaceX am Dienstag erklärt: "Bei der KI-Rechenleistung können wir das Kapital so einsetzen, dass sich die Investitionen in weniger als einem Jahr amortisieren." Zudem habe sich das Raumfahrt- und KI-Unternehmen in den ersten Wochen des laufenden Quartals zusätzliche Cloud-Umsätze in Höhe von 6,7 Milliarden Dollar vertraglich gesichert, "die ab Oktober schrittweise anlaufen". Konzernchef Elon Musk stellte obendrein bis Dezember eine annualisierte Umsatzrate von rund 100 Milliarden Dollar in Aussicht.
Der heutige Kurssprung nimmt zugleich eine weitere Sorge aus dem Markt: Der befürchtete Lock-up-Schock bleibt aus. Seit Donnerstag sind rund 912 Millionen zuvor gesperrte Insider-Aktien handelbar. Aus diesem Grund wurde eine massive Verkaufswelle erwartet. Tatsächlich gibt es bislang aber keine Anzeichen für größere Insiderverkäufe. Damit fällt ein wichtiger technischer Belastungsfaktor vorerst weg.
Was am Freitag an der Wall Street sonst noch wichtig war:
Heute, 23:26
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