Cloudflare tritt mit den neuesten Quartalszahlen kräftig aufs Gas: Umsatz und Gewinn weit über den Erwartungen, Jahresziele angehoben. Der Grund ist schnell erklärt: KI-Agenten fluten das Internet und der Cloud-Spezialist verdient über seine Plattform daran, den wachsenden Datenverkehr zu beschleunigen und abzusichern. Die Börse zieht mit: Am Freitag schießt die Aktie um 14 Prozent nach oben und erreicht bei 324,73 Dollar ein neues Rekordhoch.
Der Umsatz kletterte im zweiten Quartal um 36 Prozent auf 696 Millionen Dollar und übertraf damit die von Bloomberg erfassten Schätzungen von 666 Millionen Dollar klar. Der Gewinn je Aktie stieg von 0,21 auf 0,29 Dollar – zwei Cent mehr als erwartet. Das bereinigte operative Ergebnis legte um 33 Prozent auf 96,1 Millionen Dollar zu. Der freie Cashflow sprang sogar um 69 Prozent auf 56,4 Millionen Dollar.
Cloudflare gefragt wie nie: 80.000 Neukunden in drei Monaten
Noch spannender ist aber, woher das Wachstum kommt: Cloudflare meldete Rekordzuwächse bei Großkunden und Entwicklern. Die Zahl derer, die jährlich mehr als 100.000 Dollar bei Cloudflare ausgeben, stieg um 27 Prozent auf 4.698 Kunden. Sie stehen mittlerweile für 73 Prozent des Gesamterlöses. Insgesamt gewann Cloudflare im Q2 mehr als 80.000 zahlende Kunden hinzu. Zur Einordnung: Das sind in einem einzigen Quartal so viele Neukunden, wie das Unternehmen beim Börsengang 2019 insgesamt hatte.
"Die Neuabschlüsse mit Kunden legten so stark zu wie seit mehr als fünf Jahren nicht mehr. Auch die neu aufgebaute Vertriebspipeline wächst weiter und beschleunigte sich gegenüber dem Vorquartal so stark wie seit fünf Jahren nicht", betonte Mitgründer und CEO Matthew Prince auf der Analystenkonferenz.
Alles angerichtet für die KI-Agenten
Zudem nutzen inzwischen mehr als 7,4 Millionen Entwickler die Plattform. Fast zwei Millionen kamen allein im zweiten Quartal hinzu – mehr als im gesamten Jahr 2025. Der Motor dahinter heißt "Workers". Cloudflares Entwicklerplattform etabliert sich zunehmend als Infrastruktur für KI-Agenten und agentische Workloads.
Der CEO verweist auf den strukturellen Wandel durch Künstliche Intelligenz: "Die Zukunft der KI-Agenten braucht eine neue Art von Cloud." Die Workers-Plattform soll Entwicklern eine möglichst "schnelle, sichere und kostengünstige Umgebung" bieten, auf der sich die Codes der KI-Agenten erstellen, bereitstellen und skalieren lassen.
Wie schnell sich das Internet verändert, würden die Daten aus dem eigenen Netzwerk zeigen: "Die Zahl der Anfragen von KI-Agenten wächst weiter ungebremst. Im zweiten Quartal stammte erstmals in der Geschichte mehr als die Hälfte des Datenverkehrs bei Cloudflare nicht von Menschen", so Prince. "Wir erleben derzeit eine grundlegende Neugestaltung des Internets für die Kommunikation von Maschine zu Maschine."
William-Blair-Analyst Jonathan Ho sieht hierin den entscheidenden Hebel für den Cloud-Spezialisten: "Cloudflare hat inzwischen die technische Infrastruktur geschaffen, die es KI-Agenten ermöglicht, direkt mit den Webseiten von Content-Anbietern zu interagieren. Dadurch können Urheber für den Zugriff auf ihre Inhalte angemessen vergütet werden. Gleichzeitig erhalten sie Werkzeuge, um den Zugang zu ihren Seiten zu steuern und den Datenverkehr zu kontrollieren." John Butler von Bloomberg Intelligence sieht die Wachstumsstory durch die "Dynamik bei Workers, Security und Application Services" ebenfalls klar gestärkt.
Prognose rauf
Nach dieser starken Entwicklung im zweiten Quartal hebt Cloudflare nun auch die Messlatte für den Rest des Jahres an. Für das dritte Quartal stellt das Management zwischen 736 und 737 Millionen Dollar Umsatz in Aussicht. Die Konsensschätzung lag lediglich bei 723 Millionen Dollar. Der Gewinn je Aktie soll mit 0,34 Dollar ebenfalls höher ausfallen als bislang erwartet. Für das Gesamtjahr hob das Unternehmen seine Umsatzprognose auf 2,87 Milliarden Dollar und die EPS-Spanne auf 1,25 bis 1,26 Dollar (vorher: 1,19 bis 1,20 Dollar) an.
Cloudflare hat geliefert und macht vor, wie Softwareunternehmen an KI kräftig mitverdienen können. Der Haken bleibt die Bewertung: Für 2026 kommt die Aktie trotz steigender Gewinnerwartungen auf ein KGV von 252, das für 2027 erwartete KGV liegt bei 187. Enttäuschungen darf sich Cloudflare damit kaum leisten. Seit der AKTIONÄR-Empfehlung vor einem Monat zu einem Einstiegskurs von 234,85 Euro hat die Aktie bereits 16,2 Prozent zugelegt und steht an der Frankfurter Börse aktuell bei 273,00 Euro. Wer dabei ist, hält an der Position fest.
Heute, 16:41
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