Hochleistungsspeicher sind der zentrale Engpass im KI-Boom. SK Hynix zieht jetzt Konsequenzen: Der südkoreanische Chip-Gigant nimmt eine Rekordsumme von 54,3 Billionen Won in die Hand, um zwei neue Fabriken im Heimatmarkt zu bauen. Für den US-Konkurrenten Micron Technology sind diese Ausbaupläne eher gute als schlechte Nachrichten.
SK Hynix greift so tief in die Tasche wie nie zuvor. 54,3 Billionen Won (umgerechnet 38 Milliarden Dollar) will das Unternehmen in den Ausbau seiner Produktionskapazitäten investieren. Der Großteil fließt in ein zweites Werk (Y2) des Yongin-Clusters, der insgesamt auf vier große Fabriken ausgelegt ist. Hier sollen vor allem DRAM-Chips und HBM-Chips für KI-Beschleuniger gefertigt werden. Der andere Teil fließt in ein neues Werk (M17) in Cheongju, das auf die Produktion von NAND-Flash-Speichern ausgerichtet sein wird.
Das Marktforschungsunternehmen Omdia erwartet für DRAM und NAND bis 2030 ein durchschnittliches jährliches Nachfragewachstum von rund 19 Prozent. Dieser Speicherhunger muss gestillt werden. Mehr Angebot kommt jedoch nicht über Nacht. Der Bau beider Fabriken soll im nächsten Jahr starten. Die Inbetriebnahme vom M17-Werk in Cheongju ist dann für Ende 2028 vorgesehen, die Produktion im Y2-Werk in Youngin soll Mitte 2029 starten.
Speicherchips bleiben Mangelware: Micron profitiert vom HBM-Boom
Die neuen Kapazitäten treffen also erst mit erheblicher Verzögerung auf den Markt. Micron Technology etwa hat bereits im Jahr 2022 ein 100-Milliarden-Dollar-Projekt im US-Bundesstaat New York angekündigt. Die Produktionsanlage soll aber erst 2030 den Betrieb aufnehmen.
Kurzfristig bleibt das Angebot somit knapp und die Preise hoch. Die Schweizer Großbank UBS rechnet damit, dass die Preise für Speicherchips in diesem Jahr um mehr als 200 Prozent und 2027 noch einmal um 89 Prozent steigen. Zudem schrieb Analyst Arend Kapteyn: "Wir schätzen, dass rund 60 Prozent des Anstiegs der KI-Investitionen im Jahr 2026 auf höhere Speicherpreise zurückzuführen sein werden. 2027 dürften es sogar 97 Prozent sein."
Dass die südkoreanischen Rivalen SK Hynix und Samsung ihre Produktionskapazitäten ausweiten, ist für Micron deshalb keine Gefahr. Im Gegenteil: Der Ausbau unterstreicht, wie groß die Branche den strukturellen Nachfrageboom in den kommenden Jahren einschätzt. Und Micron sitzt dort, wo der Engpass besonders groß ist: bei HBM, den extrem schnellen DRAM-Speichern für High-End-GPUs von Nvidia und Co. Sie gehören zu den kritischsten Bauteilen moderner Rechenzentren und die Nachfrage dürfte ihren Höhepunkt noch lange nicht erreicht haben. Die Investitionen in neue Data Center ziehen weiter an, während Micron einen Teil der künftigen Nachfrage bereits vertraglich abgesichert hat.
Auch das Management rechnet nicht mit einer schnellen Entspannung. Sanjay Mehrotra, CEO von Micron, rechnet damit, "dass die Speicherknappheit aufgrund der KI-getriebenen Nachfrage in allen Marktsegmenten und struktureller Angebotsengpässe bis weit über das Jahr 2027 hinaus anhalten wird".
An der Börse lässt diese Zuversicht jedoch etwas nach: Die Micron-Aktie gibt heute rund ein Prozent ab. Auf Monatssicht steht ein Minus von drei Prozent. Nach dem gewaltigen Lauf zuvor fallen die allerdings kaum ins Gewicht: Auf Jahressicht summieren sich die Kursgewinne auf 667 Prozent.
Die Offensive des südkoreanischen Rivalen SK Hynix bestätigt vor allem, wie groß die Branche den langfristigen Bedarf an HBM einschätzt. DER AKTIONÄR favorisiert im Sektor weiterhin Micron Technology und rät mit einem Kursziel von 950 Euro zum Kauf. Eine Einschätzung zur Aktie können Sie in der Titelstory von Ausgabe 32/26 nachlesen.
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Hinweis auf Interessenkonflikte:
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