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Rekordjagd: Wall Street feiert Job‑Schock – KI‑Gewinner drehen auf

Rekordjagd: Wall Street feiert Job‑Schock – KI‑Gewinner drehen auf
Foto: ventdusud/Shutterstock
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Annalena Götz Heute, 19:15 Annalena Götz
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Die Wall Street startet mit Rückenwind ins Wochenende. Der S&P 500 gewinnt im frühen Handel 0,6 Prozent auf 7.757 Punkte und kratzt damit erneut am Rekordhoch. Der Nasdaq 100 legt heute um bis zu 1,1 Prozent zu, der Dow Jones immerhin um 0,4 Prozent. Während die Lage rund um die Straße von Hormus unsicher bleibt, herrscht bei Anlegern am Freitag Kauflaune. Ein überraschend schwacher US-Arbeitsmarktbericht nimmt der Fed vorerst den Druck für eine weitere Zinserhöhung. Gleichzeitig sorgt die Berichtssaison für heftige Ausschläge: Zahlen von Cloudflare, Atlassian, The Trade Desk, Microchip Technology, Applied Optoelectronics, und Sezzle im Fokus.

Nach dem schwächeren Donnerstag bleibt die Wochenbilanz klar positiv: Der S&P 500 liegt 3,9 Prozent vorne, der Dow Jones 3,5 Prozent. Der Nasdaq 100 steuert mit einem Wochenplus von vier Prozent auf seine beste Woche seit Mai zu – vor allem dank der Erholung im Chip- und KI-Sektor. Microsoft und Amazon haben nach ihren Quartalszahlen zusammen rund 1,3 Billionen Dollar Börsenwert hinzugewonnen. "Diese Zeiten sind verrückt. Die Märkte sind sehr manisch – nach oben wie nach unten", kommentierte Mackenzie-Fondsmanager Arup Datta den Stimmungsumschwung.

Infront S&P 500 (WKN: A0AET0)

Arbeitsmarkt schwächelt – Börse atmet auf

Den entscheidenden Impuls lieferte am Nachmittag der US-Arbeitsmarkt. Statt der von Volkswirten erwarteten 80.000 neuen Stellen gingen im Juli außerhalb der Landwirtschaft 23.000 Jobs verloren, wie das Arbeitsministerium am Freitag in Washington mitteilte. Zusätzlich wurden die Zahlen zum Beschäftigungsaufbau im Mai und Juni zusammen um 103.000 Stellen nach unten revidiert. Der Arbeitsmarkt in der größten Volkswirtschaft der Welt hat sich somit zuletzt deutlich schwächer entwickelt als bisher angenommen.

"Insgesamt enttäuschen die Zahlen. Aus Sicht der US-Notenbank sind zwar vermutlich die Verbraucherpreise wichtiger. Aber der heutige Bericht stützt zumindest unsere Einschätzung, dass die Fed die Zinsen entgegen den Marktspekulationen nicht anheben wird", kommentiert Christoph Balz von der Commerzbank die frischen Daten zum Arbeitsmarkt in den USA.

Für die Börse ist das genau die richtige Portion Schwäche. Der Arbeitsmarkt verliert an Fahrt, ohne bislang einen abrupten Konjunktureinbruch zu signalisieren. Auch der DAX reagierte prompt mit einem neuen Allzeithoch. Warum die Daten bei den Anlegern so gut ankommen und wie es für den deutschen Leitindex weitergeht, lesen Sie hier.

Iran-Krieg: Diplomatie auf dünnem Eis

Der große Unsicherheitsfaktor für die internationalen Märkte bleibt der Nahe Osten. Die Verhandlungen über eine Regelung für die Straße von Hormus kommen offenbar voran, eine endgültige Einigung gibt es aber weiterhin nicht. Ein iranischer Entwurf sieht vor, US-amerikanische und israelische Schiffe von der Passage auszuschließen. Auch Staaten, die dem Iran nach Ansicht Teherans geschadet haben, könnten bis zur Zahlung von Entschädigungen betroffen sein.

Gleichzeitig arbeiten Iran und Oman nach Berichten vom Donnerstag an einem Modell, bei dem einlaufende Schiffe iranische Gewässer und auslaufende Schiffe eine Route näher am Oman nutzen sollen. US-Präsident Donald Trump erklärte, der Krieg könne „schon bald“ enden. Teherans Chefunterhändler Mohammad Bagher Ghalibaf konterte jedoch scharf und warf Trump mit dessen Annäherungsversuchen „Theaterdiplomatie“ vor.

Wie angespannt die Situation bleibt, zeigt der tatsächliche Schiffsverkehr: Durch die Straße von Hormus fuhren am Donnerstag laut Kpler lediglich vier Schiffe – vor dem Krieg waren es 130 bis 140 pro Tag. Eine schnelle Rückkehr zur Normalität ist damit selbst im Fall einer politischen Einigung keineswegs garantiert.

Ölpreis nahezu unverändert – Gold und Silber drehen auf

Der Ölmarkt reagiert angesichts der nach wie vor ungelösten Konfliktsituation erstaunlich gelassen. Die Rohöl-Sorte Brent notierte zuletzt bei 83,41 Dollar je Barrel (plus 0,4 Prozent), die Rohöl-Sorte WTI bei 78,29 Dollar je Barrel (plus 1,3 Prozent). Die Sorge vor einer unmittelbaren Eskalation scheint damit aus den Markt gewichen zu sein. Zusätzlich wirkt die Aussicht auf mehr OPEC+-Angebot preisdämpfend.

Öl Brent (ISIN: XC0009677409)

Deutlich stärker fällt die Bewegung am Edelmetallmarkt aus. Gold verteuert sich am Freitag um 2,5 Prozent auf 4.344 Dollar je Feinunze und kommt damit auf ein Wochenplus von 5,9 Prozent. Silber legt 3,1 Prozent auf 63,40 Dollar je Feinunze zu, seit Wochenbeginn summiert sich der Anstieg damit auf 7,5 Prozent. Die Aussicht auf ausbleibende Zinserhöhungen in Kombination mit sinkenden US-Renditen spielt den Edelmetallen am Freitag voll in die Karten.

Software: Die „SaaSpocalypse“ fällt vorerst aus

Atlassian lieferte am Donnerstagabend eines der stärksten Argumente gegen die Angst, dass Künstliche Intelligenz klassische Softwareanbieter überflüssig macht. Das Unternehmen meldete für das Schlussquartal des Geschäftsjahres 2025/26 einen Umsatzsprung um 28 Prozent auf 1,77 Milliarden Dollar und einen Gewinn von 1,87 Dollar je Aktie. Erwartet worden waren lediglich 1,66 Milliarden Dollar beziehungsweise 1,50 Dollar. Überdurchschnittlich entwickelte sich die Cloud-Sparte mit plus 31 Prozent auf 1,21 Milliarden Dollar. Die jährlich wiederkehrenden Subscription-Erlöse erreichten 6,6 Milliarden Dollar. Die Aktie gehört mit einem Kurssprung um bis zu 37 Prozent den größten Gewinnern des Tages.

Noch ein Vertrauenssignal kommt von Konzernchef Mike Cannon-Brookes persönlich: Er kündigte an, Atlassian-Aktien für 250 Millionen Dollar kaufen zu wollen. „Das Beste liegt noch vor uns“, so Brookes.

Ebenso beweist AKTIONÄR-Tipp Cloudflare, dass Softwareunternehmen an KI kräftig mitverdienen können. Vor allem die Entwicklerplattform "Workers" profitiert vom wachsenden Datenverkehr durch agentische Workloads. Der Quartalsumsatz stieg um 36 Prozent auf 696 Millionen Dollar – die Jahresziele wurden nach oben geschraubt. Anleger sind begeistert und katapultieren die Aktie auf ein neues Rekordhoch. Alle Details zu den Zahlen lesen Sie hier:

Genauso begeistert ist die Börse heute von Twilio. Das Unternehmen meldete für das zweite Quartal einen Umsatz in Höhe von 1,50 Milliarden Dollar – 22 Prozent mehr als im Vorjahr. Der Gewinn je Aktie lag bei 1,47 Dollar und somit elf Prozent oberhalb der Analystenprognose. Besonders auffällig ist die boomende Nachfrage nach Voice AI, mit der Unternehmen natürlich klingende Telefon-Agenten bauen können. Twilio hebt die Jahresprognose 2026 kräftig an: Der Umsatz soll im Gesamtjahr nun um bis zu 18,5 Prozent wachsen (vorher: 14 bis 15 Prozent) Die Aktien des Anbieters einer Cloud-Kommunikationsplattform schießen heute um 32 Prozent auf 254,50 Dollar. Neues Allzeithoch.

Twilio (WKN: A2ALP4)

Etwas komplizierter fällt das Bild bei Akamai aus. Die Zahlen vom Donnerstagabend waren solide, aber nicht spektakulär: Der Umsatz stieg um fünf Prozent auf 1,10 Milliarden Dollar, der Gewinn von 1,59 Dollar je Aktie lag hauchdünn über der Konsensschätzung. Das eigentliche Highlight ist ein vierjähriger Cloud-Infrastrukturvertrag über mehr als 600 Millionen Dollar mit einem nicht genannten US-Technologiekonzern für Robotik-Anwendungen. Zusammen mit früheren Abschlüssen hat Akamai allein 2026 Cloud-Infrastrukturverträge im Volumen von 2,8 Milliarden Dollar eingesammelt. Dennoch dreht die Aktie ins Minus und verliert heute bis zu sechs Prozent.

Das Schlusslicht im S&P 500

Das Gegenstück zur Software-Party liefert The Trade Desk. Der Adtech-Konzern enttäuschte am Donnerstagabend auf ganzer Linie und ist am Freitag der größte Verlierer im S&P 500. Der Umsatz stieg um drei Prozent auf 715 Millionen Dollar und blieb damit deutlich hinter den erwarteten 753 Millionen Dollar zurück. Auch ergebnisseitig liefert das Unternehmen mit einem EBIT von 102 Millionen Dollar sowie einem Nettoertrag von 158 Millionen Dollar der Wall Street eine herbe Enttäuschung. "Dieses Quartal ist nicht so gelaufen, wie wir es von uns selbst erwarten", räumt CEO Jeff Green ein. Noch schlimmer verfehlt der Ausblick die Erwartungen: Für das dritte Quartal erwartet das Management mindestens 650 Millionen Dollar Umsatz – der Bloomberg-Konsens lag bei rund 808 Millionen Dollar. 

KI-Infrastruktur: Der Boom wandert tiefer in die Lieferkette

Beim Halbleiterhersteller Microchip Technology kommen die steigenden Ausgaben verschiedener Industrien immer stärker an. Der Quartalsumsatz stieg im Jahresvergleich um 38 Prozent auf 1,48 Milliarden Dollar. Der Gewinn je Aktie hat sich mit 0,76 Dollar beinahe verdreifacht und übertraf die Erwartungen der Analysten klar. Entscheidend ist allerdings der Blick nach vorne: Das Unternehmen stellt für das laufende Quartal Erlöse zwischen 1,59 und 1,62 Milliarden Dollar in Aussicht – der Konsens rechnete mit 1,56 Milliarden Dollar. Die Nachfrage zieht quer durch die Auto-, Luftfahrt-, Raumfahrt- und Verteidigungsindustrie an und kommt zunehmend auch aus dem Bereich der KI-Rechenzentren. Microchip Technology zählt mit plus 14 Prozent heute zu den stärksten Titeln im S&P 500 und Nasdaq 100.

Noch unmittelbarer am KI-Ausbau hängt die AKTIONÄR-Neuempfehlung Applied Optoelectronics. Der Hersteller optischer Komponenten meldete am Donnerstagabend einen Rekordumsatz von 192 Millionen Dollar – rund 86 Prozent über dem Vorjahreswert. Allein das Data-Center-Geschäft sprang um 140 Prozent auf 108 Millionen Dollar. Beim Gewinn schaffte es der Konzern mit 0,06 Dollar je Aktie erstmals seit dem vierten Quartal 2023 in die Gewinnzone zurück. Wer der Kaufempfehlung vor gut einer Woche gefolgt ist, verbucht bereits 55 Prozent Kursgewinn. Alle Details zu den Zahlen lesen Sie hier:

Nach Angaben des Managements von Applied Optoelectronics dürfte die Nachfrage die Produktionskapazität noch bis mindestens Mitte 2027 übersteigen. Der Engpass ist tatsächlich real. Dazu passt die Nachricht aus Südkorea: SK Hynix will seine Kapazität massiv ausbauen und 54,3 Billionen Won beziehungsweise rund 38 Milliarden Dollar in neue Speicherfabriken investieren. 

Take-Two: Alles wartet auf GTA VI

Der Gaming-Riese Take-Two legte am Freitagmittag ein überwiegend solides Zahlenwerk vor: Umsatz und Net Bookings übertrafen die Erwartungen, der Ausblick fiel jedoch vorsichtiger aus (DER AKTIONÄR berichtete). Anleger scheinen sich daran nicht zu stören und schicken die Aktie im Handelsverlauf um mehr als fünf Prozent nach oben. Entscheidend bleibt ohnehin der 19. November: Dann soll „GTA VI“ erscheinen.

Take 2 Interactive (WKN: 914508)

Sezzle: Rekorde reichen plötzlich nicht mehr

Bei Sezzle zeigt sich dagegen, wie hoch die Messlatte nach der Rally inzwischen liegt. Der Buy-Now-Pay-Later-Anbieter aus den USA meldete am Donnerstagabend einen Umsatzsprung um 52 Prozent auf den Rekordwert von rund 150 Millionen Dollar im zweiten Quartal. Das abgewickelte Warenvolumen stieg um 40 Prozent auf 1,30 Milliarden Dollar. Der Nettogewinn verdoppelte sich sogar beinahe auf 40,8 Millionen Dollar. Zudem hob das Management seine Jahresprognose bereits zum dritten Mal an: Der Nettogewinn soll nun 185 Millionen Dollar erreichen (vorher: 180 Millionen Dollar).

Dennoch wird die Aktie heute massiv verkauft. Der Kurs fällt zeitweise um 36 Prozent und somit unter den Stopp des AKTIONÄR. Der Schönheitsfehler steckt auf der Kostenseite: Die operativen Aufwendungen legten nahezu genauso schnell wie der Umsatz zu und beliefen sich auf 94,7 Millionen Dollar. Allein die Marketingkosten haben sich von 8,8 Millionen Dollar auf 19,4 Millionen Dollar mehr als verdoppelt, die Risikovorsorge für Kreditausfälle stiegen von 20,6 Millionen Dollar auf 30,6 Millionen Dollar.

Sezzle Inc. (WKN: A3EGAB)

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