David Sacks räumt seinen Posten als Krypto- und KI-Zar des Weißen Hauses. Doch er verschwindet nicht einfach. Stattdessen übernimmt der Investor eine umfassendere Beraterrolle für die Regierung von Donald Trump. Der personelle Wechsel fällt in eine kritische Phase für die Krypto-Branche.
Genau 130 Tage dauerte die Amtszeit von Sacks als Sonderbeauftragter der Regierung. Nun wechselt er als Co-Vorsitzender in den Beraterstab des Präsidenten für Wissenschaft und Technologie (PCAST). Der Grund: Seine vertragliche Zeit als spezieller Regierungsmitarbeiter war abgelaufen. Sacks selbst erklärte gegenüber Bloomberg, er wolle nun Empfehlungen für ein weitaus größeres Spektrum an Technologiethemen abgeben. Neben der Künstlichen Intelligenz rückt auch das Thema Quantencomputing in seinen Fokus.
Trump hatte das Gremium im Januar 2025 per Dekret neu strukturiert. Sacks teilt sich den Vorsitz künftig mit dem Regierungsberater Michael Kratsios. Entsprechend versammelt das Gremium nun namhafte Schwergewichte der US-Wirtschaft. Zu den Mitgliedern zählen Coinbase-Mitgründer Fred Ehrsam, Oracle-Technikchef Larry Ellison, Meta-CEO Mark Zuckerberg und der Investor Marc Andreessen. Persönliche Interessenkonflikte im Krypto-Bereich hat Sacks laut eigener Aussage vorab geklärt. Er verkaufte seine digitalen Bestände vollständig vor dem Start der neuen Regierung.
Krypto-Gesetze in der Warteschleife
Während Sacks aufsteigt, stockt die politische Arbeit im Kongress. Washington ringt weiterhin um eine umfassende Krypto-Regulierung. Ein zentraler Entwurf sieht vor, die Aufsicht zwischen der Börsenaufsicht SEC und der Derivatebehörde CFTC aufzuteilen. Das Repräsentantenhaus hat sein Marktstrukturgesetz – den sogenannten Clarity Act – bereits im vergangenen Jahr überparteilich verabschiedet.
Doch im Senat hakt es. Im Januar trieb der Landwirtschaftsausschuss zwar eine eigene Version voran. Seitdem blockiert jedoch der Bankenausschuss den Fortschritt. Auch Meinungsverschiedenheiten über die rechtliche Behandlung von Erträgen aus Stablecoins drücken auf das Tempo.
Innerhalb der Krypto-Industrie wachsen daher die Spannungen. Befürworter fordern eine schnelle Verabschiedung der Gesetze. Peter Van Valkenburgh, Direktor des Krypto-Thinktanks Coin Center, warnt vor politischer Selbstzufriedenheit. Die Branche dürfe das aktuelle Fenster nicht ungenutzt verstreichen lassen, nur weil die amtierende Regierung kurzfristig als freundlich gilt. Wer sich auf diesem Wohlwollen ausruhe, verliere langfristig den Weg.
David Sacks tauscht seinen engen Krypto-Fokus gegen die große Technologie-Bühne im Weißen Haus. Doch die stockende Arbeit im Senat zeigt deutlich: Politische Sympathie allein ersetzt noch keine verlässlichen Marktregeln. Ein geregelter Markt würde dagegen Vertrauen schaffen und langfristig für höhere Akzeptanz der Kryptowährungen sorgen. DER AKTIONÄR bleibt für den Bitcoin bullish. Noch mehr „Krypto-Insights“ liefert der gleichnamige Telegram-Kanal von Oliver Michel und Johanna Krämer. Diesem können Sie hier beitreten.
Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Bitcoin.
Heute, 08:50