Der Bitcoin zeigt sich zum Ende der Handelswoche unbeeindruckt von den Spannungen im Nahen Osten. Während an den Rohstoffmärkten die Sorge vor einer Eskalation im Iran-Konflikt den Ölpreis stabil bei rund 100 Dollar hält, kletterte die wichtigste Kryptowährung am Freitagmorgen um bis zu 2,6 Prozent auf zeitweise über 72.000 Dollar.
Der Grund für das aktuelle Momentum ist vor allem eine anhaltende Nachfrage über die US-Spot-ETFs. Diese verzeichnen in dieser Woche bereits die dritte Woche in Folge Nettozuflüsse – die längste Phase seit Juli. Daten von Bloomberg zufolge flossen allein in den vergangenen Tagen 529 Millionen Dollar in diese Anlageprodukte.
Richard Galvin, Mitbegründer des Hedgefonds DACM, sieht in der Kursbewegung eine Fortsetzung der bemerkenswerten Widerstandsfähigkeit des Sektors. „Wir sehen am Morgen eine gewisse Stärke in den Kryptomärkten, während sich gleichzeitig die US-Aktien-Futures erholen“, so Galvin. Der Bitcoin zeigt sich damit einmal mehr als Indikator für das Risikoappetit der Anleger, das trotz der Inflationsängste durch die gestörten Handelswege im Nahen Osten nicht gänzlich abhandengekommen ist.
Charttechnik bleibt entscheidend
Trotz der Erholung bleibt der Markt vorsichtig. Damien Loh, Chief Investment Officer bei Ericsenz Capital, verweist auf die charttechnischen Hürden. Laut seiner Einschätzung dürfte der Aufwärtstrend bei einem Kurs von etwa 75.000 Dollar zunächst gedeckelt sein. Ein Ausbruch darüber sei erst dann zu erwarten, wenn die geopolitische Unsicherheit nachlässt und sich der Risikoappetit der Marktteilnehmer spürbar verbessert.
Der Bitcoin bestätigt derzeit seine Rolle als Stimmungsbarometer, das sich zunehmend von klassischen Krisenszenarien abzukoppeln scheint. Die Zuflüsse in die US-ETFs sind ein starkes Indiz für institutionelles Vertrauen. Ob die psychologisch wichtige Marke von 75.000 Dollar fällt, hängt jedoch weniger von der Krypto-eigenen Dynamik ab, sondern primär von einer Beruhigung an der geopolitischen Weltbühne. Anleger sollten kurzfristig mit erhöhter Volatilität rechnen.
Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Bitcoin.
Heute, 07:50