Nach dem heftigen Ausverkauf vom Donnerstag zeichnet sich an der Wall Street zum Wochenschluss zunächst eine Stabilisierung ab. Die Futures auf die drei großen US-Indizes notieren vorbörslich im Plus. Entspannung liefert vor allem der Ölmarkt: Der Brent-Preis fällt wieder unter die Marke von 100 Dollar. Die geopolitischen Risiken bleiben allerdings hoch – ebenso wie der Druck auf die großen Technologiewerte.
Die Futures auf den Dow Jones liegen am Freitagmittag 0,4 Prozent im Plus. Für den S&P 500 zeichnet sich mit vorbörslichen Kursgewinnen von 0,2 Prozent ebenfalls ein freundlicher Handelsstart ab. Der Nasdaq 100 dürfte 0,1 Prozent höher eröffnen.
Noch am Vortag hatten unter anderem die erneute Eskalation im Iran-Konflikt sowie die Bedenken angesichts der hohen Investitionen von Alphabet und Tesla eine breite Verkaufswelle ausgelöst. Der Dow Jones verlor 507 Punkte auf 51.717 Zähler und verbuchte den fünften Verlusttag innerhalb von sechs Handelssitzungen. Der S&P 500 büßte 1,2 Prozent auf 7.408 Zähler ein. Der Nasdaq 100 präsentierte sich mit einem Minus von 1,9 Prozent am schwächsten.
Iran-Konflikt bleibt ein Pulverfass
Der nachgebende Ölpreis verschafft den Märkten am Freitag etwas Luft. Ein Barrel der Nordsee-Sorte Brent kostete zuletzt 97,34 Dollar (minus 3,3 Prozent), nachdem der Preis gestern erstmals seit Ende Mai wieder über die Marke von 100 Dollar gesprungen war.
Die Risiken sind allerdings nicht vom Tisch. Donald Trump erklärte, er stehe kurz vor einer Entscheidung über einen "massiven Angriff" auf iranische Infrastruktur, der größer ausfallen könnte als alle bisherigen Militärschläge in diesem Krieg. In der Nacht griffen die USA erneut Ziele im Iran an. Ein neuer Waffenstillstand ist vorerst nicht in Sicht. Medienberichten zufolge lehnte Teheran einen von Trump über den irakischen Ministerpräsidenten übermittelten Vorschlag ab. Gleichzeitig drohen die Angriffe der Huthi-Miliz auf Schiffe im Roten Meer neben der weitgehend blockierten Straße von Hormus nun auch die Meerenge Bab al-Mandab stärker zu beeinträchtigen.
Trump packt die nächste Zollkeule aus
Zusätzliche Unsicherheit bringen neue US-Zölle. Die Trump-Regierung erhebt ab sofort Einfuhrabgaben von bis zu 12,5 Prozent auf Waren von rund 60 Handelspartnern. Betroffen sind unter anderem die Europäische Union, Japan und Taiwan. Washington begründet den Schritt mit einer aus seiner Sicht unzureichenden Durchsetzung von Verboten gegen Zwangsarbeit. Die Maßnahmen ersetzen die ausgelaufenen globalen Zehn-Prozent-Zölle und erfassen nach Regierungsangaben nahezu sämtliche US-Importe.
Alle Details zu den neuen Zöllen und welche deutschen Konzerne wie stark betroffen sind, lesen Sie hier.
Chiphersteller liefert ab
Auf Unternehmensseite hellte sich die Stimmung am Donnerstagabend nach Börsenschluss auf: Der Umsatz von Intel ist im zweiten Quartal um 25 Prozent gewachsen – so stark wie seit 15 Jahren nicht mehr. Das Segment Data Center & AI hat sogar um 59 Prozent zugelegt. Zudem hat das Unternehmen mit einem Umsatz in Höhe von 16 Milliarden Dollar sowie einem EPS in Höhe von 0,42 Dollar die Messlatte weit übersprungen und für das dritte Quartal mehr Umsatz und Gewinn in Aussicht gestellt als von Analysten erwartet (DER AKTIONÄR berichtete).
Nachbörslich ist die Aktie zeitweise um 13,4 Prozent nach oben gesprungen. In der Zwischenzeit hat Intel einen Teil der Gewinne wieder abgegeben. Eine Stunde vor Handelsstart notiert der Kurs noch 3,2 Prozent über dem Vortagesschluss.
American Express rutscht ans Dow-Ende
Auch American Express liefert eigentlich positive Nachrichten: Der Kreditkartenkonzern übertraf im zweiten Quartal mit einem bereinigten Gewinn von 4,53 Dollar je Aktie die Erwartungen. Der Umsatz stieg auf 19,6 Milliarden Dollar. Millennials und Gen Z sind weiterhin die stärkste Säule bei der Neukundengewinnung, was dem Unternehmen einen langfristigen Kundenwert beschert. Der Aktienkurs reagiert dennoch negativ. Mit vorbörslichen Verlusten von 3,4 Prozent dürfte American Express als schwächster Wert im Dow Jones in den Handel starten.
NextEra Energy: Umsatzziel verfehlt
NextEra Energy legte im zweiten Quartal ein gemischtes Zahlenwerk vor. Der bereinigte Gewinn je Aktie stieg von 1,05 auf 1,15 Dollar und übertraf damit die Analystenschätzungen um 0,02 Dollar. Der Umsatz blieb mit 7,53 Milliarden Dollar jedoch deutlich hinter dem Konsens von rund 8,05 Milliarden Dollar zurück. Für das Gesamtjahr peilt der Energieversorger weiterhin das obere Ende der Gewinnspanne von 3,92 bis 4,02 Dollar je Aktie an, liegt damit aber unter der Analystenschätzung von 4,04 Dollar. Vorbörslich gibt die Aktie rund ein Prozent nach.
Alphabet rutscht unter den GD200
Bei Alphabet wird die charttechnische Situation brenzlig. Nachdem der Google-Mutterkonzern am Mittwochabend seinen Quartalsbericht veröffentlicht hat, setzte eine Verkaufswelle ein. Je höher die KI-Investitionen steigen, desto lauter wird an der Wall Street die Frage, wann daraus endlich mehr Gewinn entsteht. Mit dem gestrigen Kurssturz um 7,1 Prozent rutschte die Aktie zum ersten Mal seit Juni 2025 unter die 200-Tage-Linie. Die Bullen müssen die langfristige Trendlinie nun schleunigst zurückerobern. Im vorbörslichen Handel sieht es zumindest danach aus, als würde sich die Alphabet-Aktie heute wieder fangen.
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