Speicherchip‑Boom kommt nicht an: Halbleiter‑Zulieferer enttäuscht – Aktie sackt ab

Speicherchip‑Boom kommt nicht an: Halbleiter‑Zulieferer enttäuscht – Aktie sackt ab
Foto: Lam Research
Siltronic AG -%
Michael Schröder Heute, 21:17 Michael Schröder

Mit Blick auf die jüngste Kursentwicklung keimte Hoffnung auf, das Siltronic die operative Talsohle endlich durchschritten hat. Doch die Realität sieht anders aus. Die Aktie des Waferherstellers hat am Donnerstag mit deutlichen Kursverlusten auf die überraschend veröffentlichten Prognosen für 2026 reagiert. 

AKTIONÄR-Leser wissen: Siltronic zählt zu den weltweit führenden Produzenten von Wafern aus Reinstsilizium und ist seit Jahrzehnten Partner vieler großer Halbleiterhersteller. Siliziumwafer bilden die Grundlage der modernen Halbleiterindustrie – sie sind die Basis für Chips, die in Servern, PCs und Smartphones zum Einsatz kommen.

In den vergangenen Monaten war aber unklar, wann die Vorratsbestände bei den Chipherstellern wieder ein normales Niveau erreichen und die Nachfrageflaute sukzessive abebben würde.

Das zeigt sich auch in den Anfang Februar vorgelegten Zahlen für 2025: Der Umsatz sank um 4,7 Prozent auf 1,35 Milliarden Euro. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) lag bei 317 Millionen Euro, was einem Rückgang von rund 13 Prozent entspricht. Die EBITDA-Marge belief sich auf 23,5 Prozent. 

Nach einem insgesamt schwachen Jahr 2025 rechnet Siltronic weiterhin mit einem schwierigen Marktumfeld. Zwar sorgt der Boom rund um Künstliche Intelligenz und die hohe Nachfrage nach leistungsfähigen Prozessoren sowie Speicherchips mit hoher Bandbreite für eine stärkere Nachfrage nach größeren Silizium-Wafern. Dem steht jedoch eine anhaltend verhaltene Nachfrage aus der Industrie, der Automobilbranche sowie von Smartphone-Herstellern gegenüber.

Konkrete Prognosen für 2026 wagte das Unternehmen vor diesem Hintergrund damals noch nicht. Diese wurde heute dann aber überraschend nachgereicht. Der Vorstand rechnet für 2026 weiterhin mit einem anspruchsvollen Marktumfeld, geprägt von negativen Wechselkurseffekten sowie einem anhaltenden Preisdruck außerhalb von bestehenden Langfristverträgen. Während die Endmärkte für 300 mm-Wafer wachsen, erwartet Siltronic im laufenden Jahr einen Rückgang bei 200 mm-Wafern infolge eines verstärkten Lagerabbaus bei Kunden im Power-Bereich. Zusätzlich wirkt sich die Schließung der SD-Linie erstmals über das gesamte Geschäftsjahr aus. 

Wie bereits kommuniziert, werden die planmäßigen Abschreibungen in 2026 aufgrund der Investitionen im 300 mm-Bereich signifikant ansteigen. Der Vorstand rechnet mit einer Bandbreite zwischen 490 und 520 Millionen Euro. In der Folge wird das Betriebsergebnis (EBIT) deutlich unter dem Vorjahresniveau (2025 vorläufig: -26 Millionen Euro) liegen. 

Vor diesem Hintergrund geht der Vorstand von einem Umsatz im mittleren einstelligen Prozentbereich unter dem Vorjahr aus (2025 vorläufig: 1,347 Milliarden Euro) und rechnet dabei mit einem verhaltenen Start in das Jahr. Die EBITDA-Marge wird 2026 in einem Korridor von 20 bis 24 Prozent (2025 vorläufig: 23,5 Prozent) erwartet.

„2026 bleibt ein Jahr mit Gegenwind, auch wenn die KI-getriebenen Endmärkte unser 300 mm-Volumen klar antreiben. Die positive Entwicklung im Memory-Bereich kommt allerdings noch nicht vollständig in der Waferindustrie an: Viele unserer Kunden profitieren derzeit von hohen Preisen, sind aber zugleich kapazitätsbeschränkt - und diese Engpässe bremsen auch das Wachstum in einzelnen Endmärkten, wie zum Beispiel Smartphones und PCs“, so Vorstand Michael Heckmeier per Mitteilung. Der vollständige und geprüfte Geschäftsbericht 2025 erscheint am 12. März.

Siltronic (WKN: WAF300)

Der Ausblick und die Aussagen kamen bei den Anlegern nicht gut an. Am Ende verloren die Papiere knapp 11,2 Prozent auf 51,40 Euro. Ein Teil der kräftigen Erholungsgewinne der vergangenen Handelstage wurde damit wieder zunichtegemacht. Auch aus charttechnischer Sicht hat sich das Bild wieder eingetrübt. Für interessierte Anleger heißt es: Weiter abwarten und auf bessere Signale warten – aus charttechnischer Sicht wäre das der nachhaltige Sprung über die 60-Euro-Marke.

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