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09.09.2019 Martin Mrowka

Lufthansa-Konkurrent British Airways: Nichts geht mehr – Airline-Aktien im Tiefflug

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IAG

Seit Monaten stecken Fluggesellschaft und Gewerkschaft in einem Streit um Piloten-Gehälter und eine Gewinnbeteiligung. Nun eskaliert die Lage. Die Piloten von British Airways streiken, eine der weltgrößten Fluggesellschaften streicht heute fast alle Flüge. Die Aktie der Muttergesellschaft IAG sackt ab. Auch die Lufthansa-Aktie wird in Mitleidenschaft gezogen.

Erstmals seit Jahrzehnten streiken die Piloten der Fluggesellschaft British Airways für eine bessere Bezahlung. Nach Angaben der Gewerkschaft Balpa sind am heutigen Montag, sowie am morgigen Dienstag und am 27. September Arbeitsniederlegungen bei der britischen Airline geplant. Die Fluggesellschaft hat deshalb nahezu alle Flüge gestrichen.

Es habe keine Möglichkeit gegeben vorherzusagen, wie viele Piloten zur Arbeit kommen oder welche Flugzeuge sie fliegen dürfen, teilte die Airline in London mit. "Wir hatten daher keine andere Wahl, als unsere Flüge zu fast 100 Prozent abzusagen." British Airways hatte den Piloten im Juli eine Gehaltserhöhung von 11,5 Prozent über drei Jahre angeboten. Dies wurde jedoch zurückgewiesen.

Zehntausende Passagiere sind von dem Piloten-Ausstand betroffen. British Airways bietet etwa 850 Flüge pro Tag an. Kunden seien Erstattungen oder Umbuchungen angeboten worden.

Nach Angaben der Pilotengewerkschaft kostet ein Streiktag etwa 40 Millionen britische Pfund (etwa 44 Millionen Euro). Die Aktie der Muttergesellschaft IAG, zu der auch die spanische Iberia, Iberia, Vueling und Level sowie die irische Aer Lingus gehören, sackte an der Londoner Börse heute um 2,5 Prozent ab auf 419,30 Britische Pence. Im deutschen Handel ist der Abschlag ähnlich hoch auf 4,68 Euro.

Das Analysehaus RBC hatte bereits vor zwei Wochen angesichts des nahenden Streiks die Umsatz- und Ergebnisprognosen für IAG der Jahre 2019 bis 2021 gesenkt. Das Kursziel hatte Analyst Damian Brewer jedoch bei 650 Pence belassen. Ein Streik sei in dem Kurs bereits eingepreist.

Die Aktie von Konkurrent Lufthansa sackte am Vormittag ebenfalls ab. Die 14-Euro-Marke wurde unterschritten, ein Test der Tiefstkurse unter 13 Euro von Mitte August ist denkbar. Mit einem Minus von 2,8 Prozent notierte sie mit am DAX-Ende. Ein Vergleich der beiden Airline-Aktien zeigt, dass sich die beiden wenig geben. Seit Jahresanfang haben sie gut 30 Prozent verloren, die Abwärtstrends sind intakt.

IAG (WKN: A1H6AJ)

Auch bei der angeschlagenen französischen Airline Aigle Azur wird heute gestreikt. Die Fluggesellschaft sucht im Rahmen eines förmlichen Sanierungsverfahren derzeit einen Käufer. Mögliche Interessenten haben noch bis Montagmittag Zeit, ein Angebot abzugeben. Im Gespräch sind unter anderem die Air-France-Gruppe, Easy Jet und Air Caribbean.

Die Aktie von Air France-KLM sackte am Vormittag um fast neun Prozent in die Tiefe. Die Fluggesellschaft hatte in der Hauptreisezeit schwächere Buchungsdaten als erwartet veröffentlicht.

Das Marktumfeld bleibt für Airlines weiterhin hart. Zum Preiskampf bei den Tickets gesellt sich das abschwächende Konjunkturumfeld. Pilotenstreiks lassen das Gewinnfass zusätzlich austrocknen. Investments in Lufthansa, IAG oder Air France-KLM sollten trotz der fundamental attraktiven Bewertung weiterhin zurückgestellt werden.