31.10.2019 Markus Bußler

Gold: Danke, Mr. Powell

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Gold
Trendthema

Die US-Notenbank greift dem Goldpreis unter die Arme! Glauben Sie nicht? Doch, doch. Das tut sie. Schauen Sie sich doch einmal an, was Fed-Chef Jerome Powell gestern gesagt hat. Und ich meine nicht die beschlossen Zinssenkung um einen Viertel Prozentpunkt. Die war vom Markt erwartet worden. Nein, es geht um das, was er danach gesagt hat. Zur weiteren Entwicklung der Zinsen.

Zunächst hat die US-Notenbank gestern genau das gemacht, was die Finanzmärkte von ihr erwartet haben. Sie hat die Zinsen um einen Viertel Prozentpunkt gesenkt. Das war keine Überraschung. 96 Prozent der Marktteilnehmer erwarteten laut dem Fedwatch Tool einen solchen Zinsschritt. Allerdings hat sich der Ausblick geändert. Hieß es bislang, die Fed werde ihre Zinspolitik den wirtschaftlichen Daten anpassen, heißt es nun, es bedürfe einer Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage, damit es weitere Zinsschritte nach unten gibt. Oder anders ausgedrückt: Die US-Notenbank will erst einmal keine weiteren Zinssenkungen durchführen. So weit, so schlecht. Zumindest für den Goldpreis.

Doch auf der Pressekonferenz sagte Jerome Powell dann einen Satz, der bemerkenswert ist. Damit die Fed die Zinsen wieder anhebt, bedarf es eines deutlichen Sprungs der Inflation. Moment! Das müssen wir uns auf der Zunge zergehen zu lassen. Das bedeutet, eine wirtschaftliche Erholung allein würde nicht reichen, um die Zinsen anzuheben, es müsse die Inflation steigen?

Mal unabhängig davon, dass sich jeder selbst überlegen kann, was wahrscheinlicher ist: Ein Abrutschen der Wirtschaft in Richtung Rezession oder ein sprunghafter Anstieg der Inflation – beide Szenarien würden ein gutes Umfeld für Gold bereiten. Rutscht die Wirtschaft in den USA in die Rezession und wäre die Notenbank gezwungen, die Zinsen zu senken, wäre dies – zumindest nach allgemeiner Lesart – bullish für Gold. Steigt die Inflation und würde die Notenbank die Zinsen in diesem Umfeld erhöhen, dann bliebe der Realzins (Zinsen abzüglich Inflation) weiterhin niedrig. Und auch das wäre bullish für Gold. Kurzum: Powell ist gestern – sicherlich ungewollt – zum Goldbullen geworden.

Gold (ISIN: XC0009655157)

Verstehen Sie mich nicht falsch: Wie sich Gold entwickelt ist vornehmlich eine Sache des Charts. Doch das fundamentale Umfeld bleibt damit für die nächsten Monate bullish. Zinsanhebungsfantasien – zumindest solange die Inflation nicht überraschend anspringt – sind damit erst einmal vom Tisch. Das fundamentale Umfeld stützt damit die These, dass die nächste Rallyephase beginnen kann. Insofern: Danke, Mr. Powell.