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Germany, zero points

Germany, zero points
Bernd Förtsch Heute, 08:31 Bernd Förtsch

Wir leben im Sommerloch. Was kommt als Nächstes nach Wal Timmy und dem ESC? Eigentlich egal. Aber dennoch, nur dieses eine Mal – meine Gedanken rund um ein gigantisches TV-Ereignis, bei dem unser Land irgendwie keinen Blumentopf gewinnt.

Der letzte Samstag. Ein Fest der Freude und der Musik. Angeblich. In jedem Fall 180 Millionen Menschen vor dem Fernseher. In Deutschland fast ein neuer Rekord mit knapp neun Millionen Zuschauern. Sie ahnen es: Ich spreche vom Eurovision Song Contest, kurz ESC. Für die Älteren unter uns: Grand Prix Eurovision de la Chanson. Ich bin ehrlich. Ich habe ihn nicht geschaut. Zuletzt vermutlich zu Zeiten meiner Konfirmation. Nicht meine Musik, nicht meine Veranstaltung.

Was ich dagegen spannend finde, ist die Berichterstattung im Nachgang. Ich habe ein wenig gelesen.

Thema 1: Die Kosten. Diverse Medien berichten darüber, dass Deutschland größter Beitragszahler (Sponsor?) des ESC ist. Im Raum steht die Summe von 620.000 Euro.

Thema 2: Das Verhältnis zwischen Aufwand und Ertrag. Das ist – kurz gesagt – grausam! Diverse Kolumnisten weisen empört darauf hin, dass man beim ESC immer ganz hinten landen würde – obwohl man so viel zahlt! Also konsequenterweise immer Platz 1 für uns? Schließlich haben wir ihn ja bezahlt? Das wäre am Ende das Tages wohl auch nicht der Sinn der Sache.

Sarah Engels
Gut gelaunt mit Fahne: Sarah Engels gut gelaunt auf der ESC-Bühne. Punkte gab es dennoch kaum welche.

Thema 3: Die Fairness. Was ist fair? Der ESC bestimmt nicht. Nachbarländer schieben sich taktisch Punkte zu und wählen nach „mag ich“ und „mag ich nicht“. Die Skandinavier wählen die Skandinavier, der Balkan den Balkan und keiner die Deutschen. So scheint das inoffizielle Regelwerk zu lauten. Offenbar weiß es jeder. Und offenbar regt man sich im Nachhinein dennoch sehr gern darüber auf. Manche Medien schlugen vor, dem Event künftig fernzubleiben.

Thema 4: Der deutsche Beitrag. Vorgetragen von Sarah Engels. Deutschen TV-Zuschauern gut bekannt. Im Vorfeld von diversen Medien schon niedergeschrieben. Die FAZ meinte: „Ein Popnümmerchen der Vergangenheit, wie von der KI geschrieben, der Auftritt von Sarah Engels dazu sah ebenfalls wie aus der Zeit gefallen aus.“ Andere Experten dagegen fanden die Nummer gut, den Auftritt auch. Was ich in der Presse gesehen habe: Eine hübsche, junge, gut gelaunte Frau. Schwenkt fröhlich eine Deutschlandfahne auf der Bühne und tritt dort für ihr Land an.

Thema 5: Die Platzierung. Fast Letzter. Totalausfall. „Germany, zero points“ war Motto des Abends. Bleiben wir fair. Es waren zwölf. Insgesamt. Siehe Thema 2.

Außerdem war sich das Internet im Nachgang einig: Das System muss geändert werden. Mehr Jury, weniger Zuschauer. Und es müssen endlich namhafte deutsche Künstler hin! Und auch die Vorauswahl ist schlecht. Ändern. Alles. Los!

Aktuelles Highlight meiner kleinen Presseschau: Sucht man nach dem Namen „Sarah Engels“ im Netz, dann titeln die Kollegen von der Berliner Morgenpost: „Nach ESC-Finale: Sarah Engels löst Feminismus-Debatte aus.“ Ich erspare uns allen die Details, wie sie das gemacht hat, wo sie jetzt vielleicht doch nicht auftreten darf und wer jetzt alles beleidigt ist. Irgendwann muss es mal gut sein.

Blicken wir in die Zukunft, Wenn jemand etwas ändern wollte – Vorauswahl weg von NDR oder SWR, hin zu Leuten, die etwas davon verstehen? In die Privatwirtschaft? Zu Profis? Das wäre ein erster Schritt. Oder wirklich einfach nicht mehr hingehen? Egal. Vermutlich bleibt alles beim Alten. Und vermutlich werde ich deswegen auch im nächsten Jahr denken: „Nicht meine Musik, nicht meine Veranstaltung.“ Und danach dennoch die Berichterstattung lesen ...

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