04.05.2017 Benedikt Kaufmann

Facebook: Starkes Quartal – doch Management warnt

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Trendthema

Facebook erzielte erneut ein starkes Quartal. Dennoch verlor die Aktie im nachbörslichen US-Handel rund 2,4 Prozent. Aussagen des Managements über „steigende Kosten“ und „ein bedeutend langsameres Wachstum“ beunruhigten die Anleger.

Das soziale Netzwerk erwirtschaftete einen Umsatz von 8,03 Milliarden Dollar bei einem Gewinn je Aktie von 1,04 Dollar. Damit übertraf Facebook klar die Erwartungen der Analysten von 0,78 Dollar. Die Umsätze wuchsen im Vergleich zum Vorjahresquartal um 49 Prozent. Wieder ein Quartal mit deutlichen Umsatzzuwächsen – doch damit dürfte bald Schluss sein.

Das Management kündigte an, dass das Umsatzwachstum „bedeutend“ zurückgehen werde. Die Zahl der Anzeigen, die innerhalb der Facebook-Dienste geschaltet werden, kann kaum noch erhöht werden, ohne Nutzer zu vergraulen. Facebook wird daher aufhören, die Zahl der Anzeigen zu steigern – und das noch im Laufe dieses Jahres.

Wie sehr das Umsatzwachstum vom Erhöhen der Werbeanzeigen abhängt, ist nicht genau festzustellen. Sicher ist nur, dass ein Nutzerwachstum von 17 Prozent über ein Jahr und Preiserhöhungen von 14 Prozent kein Wachstum von 50 Prozent liefern können.

Weitere Preiserhöhungen lassen sich gegenüber den Werbe-Kunden nur rechtfertigen, wenn die angebotenen Werbe-Flächen wertvoller werden. Facebook will daher die Qualität der zielgerichteten Werbung zu verbessern. Eine kostenintensive Entwicklungsarbeit. Die Ausgaben sollen in diesem Jahr um mehr als 50 Prozent steigen, wie Finanzchef David Wehner ankündigte.

Das Geld fließt aber nicht nur in die Qualität der Werbung und damit in die Weiterentwicklung des Kerngeschäfts. Auch in andere Geschäftsfelder und Ideen wird investiert. Hier ist das Virtual-Reality-Headset Oculus Rift oder die Initiative Internet.org zu nennen.

Höhere Kosten, schwächeres Wachstum – es ziehen Wolken auf am Facebook-Wachstumshimmel. Doch die Lichtblicke überwiegen. Bessere zielgerichtete Werbung, insbesondere die bei Agenturen beliebte Video-Werbung, bringt das Kerngeschäft weiter voran. Für neue Ideen, seien es Apps oder Hardware, kann sich das soziale Netzwerk zudem auf eine immer größere Zahl an „Kunden“ verlassen. Die Marke Facebook mit 1,93 Milliarden monatlich aktiven Nutzern hat enorm viel Wert. Daher gilt: Bei diesem Titanen auch kleine Schwächen zum Zukauf nutzen. Kursziel verbleibt vorerst bei 150 Euro.

Buchtipp: Die Facebook-Gefahr

Facebook ist in die Kritik geraten. Bots, Trolle und Fake News sind Synonyme für die Pro­bleme des Konzerns. Spätestens seit Brexit und Trump sehen Nutzer die Reichweite und die Algorithmen mit Argwohn. Einer von Ihnen: Roger McNamee. Einst stolz darauf, zu den ersten Facebook-Investoren zu gehören, ist der Kapitalgeber und Tech-Experte nun zum scharfen Kritiker geworden. In seinem Buch rechnet er mit Mark Zuckerberg und Sheryl Sandberg ab. Ihre Reaktion auf den Missbrauch des sozialen Netzwerks ist seiner Ansicht nach völlig unzureichend und geht am Kern des Problems vorbei: der Bedrohung unserer demokratischen Grundordnung. „Die Facebook-Gefahr“ ist ein nicht zu überhörender Weckruf – für das Silicon Valley, für die Politik, für uns alle.

Autoren: McNamee, Roger
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Format: Hardcover
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