Investieren wie Peter Lynch - So geht's
06.02.2021 Leon Müller

Daimler mit Kurs-Turbo: "Beide Geschäfte werden schneller"

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Daimler

Die Aktionäre von Daimler haben eine gute, weil gewinnbringende Woche hinter sich. Die Aktie des DAX-Unternehmens ist auf ein neues 52-Wochen-Hoch gesprintet, hat die Seitwärtsrange verlassen, ist so teuer wie zuletzt im Mai des Jahres 2019. Grund sind Pläne des Konzerns die Truck-Sparte abzuspalten.

Angesichts der Euphorie unter den Anlegern des Daimler-Konzerns drückt Daimler-Truck-Chef Martin Daum mit Blick auf die operativen Änderungen jetzt ein wenig auf die Bremse. Er sieht durch den geplanten Börsengang keine gänzlich neuen Herausforderungen auf die Lkw- und Bus-Sparte zukommen. Die, die man bewältigen müsse, änderten sich nicht: das Auf und Ab der Konjunktur, gerade auch jetzt in Verbindung mit der Coronakrise, die Kostenstruktur und die Transformation der Branche an sich. "Die sind da und bleiben da, völlig unabhängig von der Eigentümerstruktur", sagte Daum der Deutschen Presse-Agentur. Dann aber versprüht er doch Optimismus. Zugleich gewinne das Unternehmen durch die Aufspaltung des Daimler-Konzerns an Geschwindigkeit und Flexibilität und könne die Entwicklung der für den Truck-Bereich wichtigsten Technologien besser vorantreiben. "Die Zeit von großen bürokratischen Konglomeraten ist vorbei", sagte Daum.

Daimler (WKN: 710000)

Mehrheit der Anteile wird an Daimler-Aktionäre abgegeben

Daimler-Vorstandschef Ola Källenius hatte am Mittwoch angekündigt, das Geschäft auf nur noch zwei komplett eigenständige AGs aufzuteilen - Mercedes-Benz für Autos und Vans, Daimler Truck für Lastwagen und Busse. Die Daimler AG als Überbau soll ebenso verschwinden wie die Mobility AG für Finanz- und Mobilitätsdienstleistungen. Dafür soll die Truck-Sparte im Zuge eines sogenannten Spin-Offs an die Börse gehen. Dabei wird die Mehrheit der Anteile an die heutigen Daimler-Aktionäre abgegeben.

"Ola Källenius und ich haben immer gemerkt: Wenn wir gemeinsam über Daimler und unsere beiden Geschäfte gesprochen, Entscheidungen vorbereitet haben, dann ging es oft um viel Abstimmung, das braucht Zeit", erklärte Daum. "Jetzt in der unabhängigen Aufstellung werden beide Geschäfte schneller." Die Trennung sei aber auch kein einfaches Unterfangen, der Weg dahin habe Jahre gedauert. "Wir sind ein Gebilde, das seit 100 Jahren gemeinsam gewachsen ist und das jetzt im Guten neu geformt und verändert werden muss", sagte er.

"Wir sind eine starke Firma"

Daimler Truck sei auch weder ein Verlustbringer, wie gelegentlich dargestellt, noch müsse das Unternehmen saniert werden. "Wir sind eine starke Firma, die jederzeit allein bestehen kann", betonte Daum. Es gebe aber Bereiche im Unternehmen, unter anderem in Europa, in denen über Jahre zu wenig an den Kostenstrukturen getan worden sei. "Und diese haben wir vorher angefangen zu verschlanken und das werden wir auch weiter tun", sagte Daum.

Der Wandel bringe es mit sich, dass in einigen Bereichen wie der Motor- oder Getriebefertigung künftig weniger Arbeitskräfte gebraucht würden. Das passiere zwar nicht über Nacht, und man müsse die demografische Entwicklung für sozialverträgliche Lösungen nutzen. Aber: "Die Beschäftigungssituation ist ein Thema, dem können wir uns nicht verschließen", sagte Daum.

Finanzielle Flexibilität soll unter anderem ein Innovationsfonds mit 1,5 Milliarden Euro bringen. Laut Daum geht es um eine Art Cash-Reserve, die es Daimler Truck ermöglichen soll, bei guten Investitionsgelegenheiten schnell zuzuschlagen - aber nicht, um dauerhaft Beschäftigung zu sichern, wo sie eigentlich nicht gebraucht wird. Da sei man mit den Arbeitnehmern aber auf einer Linie. "Wir haben Arbeitnehmervertreter, die verstehen, dass der kurzfristige Erfolg nie die langfristige Perspektive des Unternehmens überschatten darf", sagte Daum. "Wir haben ein völliges Einverständnis, dass wir nicht in Technologien investieren, die wir in den Jahren 2025 bis 2030 nur noch eingeschränkt brauchen."

Die Abspaltung bringt viele Vorteile für die Organisation und für die Aktionäre. Letztere haben zuletzt mit dem Hebel-Depot des AKTIONÄR in kürzester Zeit eine Top-Rendite eingefahren. DER AKTIONÄR hatte am 5. Januar 2021 einen Call-Optionsschein auf die Aktie von Daimler aufgenommen. Am Freitag wurde ein Teil der Position mit einem Gewinn von 135 Prozent verkauft. Der andere Teil verbleibt im Hebel-Depot. Der Cash-Erlös ist bereits in den nächsten Schein geflossen. Nach dem Sprung auf ein neues 52-Wochen-Hoch hat die Aktie von Daimler ein starkes Kaufsignal generiert.

Mit Material von dpa-AFX

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