Der chinesische E-Auto-Markt zeigt wieder Lebenszeichen. An der Börse in Hongkong markierte BYD am heutigen Montag ein deutliches Ausrufezeichen: Die Aktie des Branchenprimus kletterte um bis zu 7,8 Prozent – der stärkste Tagesgewinn seit 13 Monaten. Damit setzte sich der Konzern an die Spitze des Hang Seng Tech Index. Auch die Konkurrenz zog nach: Nio und Xiaomi legten jeweils rund fünf Prozent zu.
Hinter dem Kursanstieg steckt eine konkrete Nachricht. Medienberichten zufolge hat das BYD-Werk in Brasilien einen Großauftrag über 100.000 Fahrzeuge erhalten. Die Bestellungen kommen aus Argentinien und Mexiko, wie die stellvertretende Vorstandschefin Stella Li kürzlich bestätigte. Das Werk in Brasilien ist aktuell auf eine Kapazität von 150.000 Einheiten ausgelegt, soll aber schrittweise auf 600.000 Fahrzeuge jährlich ausgebaut werden.
Analysten werten diesen Schritt als Bestätigung für die neue Unternehmensstrategie. Während der Absatz auf dem hart umkämpften Heimatmarkt in China im Jahresauftakt um 36 Prozent auf 400.241 Einheiten zurückging, soll das Auslandsgeschäft zum entscheidenden Gewinnmotor werden. Das Ziel des Managements ist ambitioniert: Bis 2026 sollen weltweit 1,3 Millionen Fahrzeuge außerhalb Chinas verkauft werden.
Rückenwind durch Ölpreis und Rohstoffe
Neben der Expansionsstrategie stützen auch makroökonomische Faktoren die Stimmung im Sektor. Laut einer Analyse von Goldman Sachs treiben steigende Ölpreise das Interesse an Fahrzeugen mit alternativen Antrieben an. Besonders in Europa könnte ein höheres Tankstellen-Niveau die Nachfrage nach chinesischen E-Modellen zusätzlich befeuern, so Morningstar-Experte Vincent Sun.
Gleichzeitig profitieren die Hersteller von sinkenden Preisen für Batterierohstoffe wie Lithium. Das schlägt sich in der gesamten Branche nieder: Der Batterie-Gigant CATL legte in Hongkong um 7,9 Prozent zu, auch Eve Energy verzeichnete ein Plus von mehr als zwei Prozent.
BYD beweist, dass es sich durch internationale Standorte unabhängiger vom gesättigten chinesischen Markt machen kann. Der Großauftrag aus Lateinamerika liefert dafür den nötigen operativen Beleg. Anleger bleiben weiterhin an Bord.
Heute, 15:27