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Foto: Apple
17.12.2020 Nikolas Kessler

Apple: Streit mit Facebook eskaliert

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Apple

Apple will den Nutzern seiner Geräte mehr Macht über ihre persönlichen Daten geben. Diese sollen künftig erst explizit zustimmen, ehe Drittanbieter-Apps sie tracken dürfen. Facebook ist strikt dagegen – und fährt nun schwere Geschütze auf.

Mit einer großangelegten PR-Kampagne macht Facebook derzeit in den USA gegen die schärferen Datenschutzregeln mobil, die Apple Anfang 2021 per Update des iOS-Betriebssystems einspielen will. Dazu hat der Social-Media-Konzern große Anzeigen in nationalen Zeitungen wie der New York Times und dem Wall Street Journal geschaltet. Darin führt Facebook aus, dass die geplanten Datenschutz-Verschärfungen „katastrophale“ Folgen für Millionen kleiner Unternehmen haben werde, die über die Plattform werben.

Konkret will Apple die Nutzer von Smartphones und Tablets ab Anfang 2021 beim Öffnen von Apps in einem Pop-up-Fenster fragen, ob sie dem Tracking und der Nutzung ihrer Daten durch den jeweiligen Betreiber zustimmen. Die entsprechende Datenschutz-Funktion wird damit aus den Untiefen des Einstellungsmenüs direkt auf den Startbildschirm geholt, was das Geschäft mit personalisierter Werbung fundamental verändern könnte.

Vorwurf: Apple killt die Gratis-Apps

Da Facebook und die Unternehmen, die darüber werben, jedoch genau auf diese Daten angewiesen sind, fürchten sie negative Auswirkungen auf ihr Geschäft. Zudem wirft Facebook Apple vor, mit dem Schritt werbefinanzierte und somit für den Nutzer kostenlose Apps und Inhalte torpedieren zu wollen. Wenn die Anbieter dann auf ein kostenpflichtiges Abo-Modell umsteigen müssen, könnte Apple einen bis zu 30-prozentigen Umsatzanteil kassieren.

Apple selbst betont in einer Stellungnahme, dass sich am Modell der personalisierten Werbung per se nichts ändere. Die Nutzer bekämen lediglich eine entsprechende Information und die Option, dies abzulehnen. 

Apple (WKN: 865985)

Ein derart öffentlich geführter Streit zwischen zwei Großkonzernen ist doch eher ungewöhnlich, hat auf die Aktienkurse von Apple und Facebook bislang jedoch kaum Auswirkungen: Beide sind nach deutlichen Kursgewinnen zu Wochenbeginn am Mittwoch nahezu unverändert aus dem US-Handel gegangen.

DER AKTIONÄR rät investierten Anlegern bei Facebook zum Halten. Bei Apple gilt die Kaufempfehlung weiterhin – auch dank Hinweisen auf eine starke Nachfrage nach den neuen iPhones.

Hinweis auf mögliche Interessenkonflikte:

Der Vorstandsvorsitzende und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren: Apple.

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Buchtipp: Die Facebook-Gefahr

Facebook ist in die Kritik geraten. Bots, Trolle und Fake News sind Synonyme für die Pro­bleme des Konzerns. Spätestens seit Brexit und Trump sehen Nutzer die Reichweite und die Algorithmen mit Argwohn. Einer von Ihnen: Roger McNamee. Einst stolz darauf, zu den ersten Facebook-Investoren zu gehören, ist der Kapitalgeber und Tech-Experte nun zum scharfen Kritiker geworden. In seinem Buch rechnet er mit Mark Zuckerberg und Sheryl Sandberg ab. Ihre Reaktion auf den Missbrauch des sozialen Netzwerks ist seiner Ansicht nach völlig unzureichend und geht am Kern des Problems vorbei: der Bedrohung unserer demokratischen Grundordnung. „Die Facebook-Gefahr“ ist ein nicht zu überhörender Weckruf – für das Silicon Valley, für die Politik, für uns alle.
Die Facebook-Gefahr

Autoren: McNamee, Roger
Seitenanzahl: 400
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ISBN: 978-3-86470-662-2