Bei Schaeffler ist die mittelfristige Wachstumsstory schwer beschädigt. Wegen deutlich schwächerer Erwartungen für Pkw und leichte Nutzfahrzeuge senkt der Autozulieferer seine Umsatzziele für 2028 kräftig. Besonders hart trifft es die E-Mobilität. Dass die Margen- und Cashflow-Ziele für den Konzern stehen, kann die Anleger nicht beruhigen: Die Aktie bricht zeitweise um mehr als 18 Prozent ein.
Die Reaktion fällt heftig aus, ist aber nachvollziehbar. Schaeffler erwartet für 2028 nur noch einen Umsatz zwischen 24 und 26 Milliarden Euro. Bislang standen 27 bis 29 Milliarden Euro im Plan. In der Mitte der Spanne sinkt das Ziel damit um knapp elf Prozent.
Besonders schwer wiegt, dass die Anpassung nicht nur ein einzelnes schwaches Quartal betrifft. Sie basiert auf der jährlichen Strategieplanung und signalisiert damit deutlich niedrigere Markterwartungen für die kommenden Jahre.
E-Mobilität wird zum Problemfall
Der größte Rückschlag kommt ausgerechnet aus der Sparte E-Mobility. Statt 8,25 bis 9,00 Milliarden Euro soll der Bereich 2028 nur noch 6,25 bis 7,25 Milliarden Euro umsetzen. In der Mitte der Spanne entspricht das einem Rückgang von knapp 22 Prozent.
Auch die Profitabilität entwickelt sich schwächer als bislang geplant. Schaeffler erwartet nun eine bereinigte EBIT-Marge zwischen minus vier und null Prozent. Zuvor hatte der Konzern mindestens den operativen Break-even in Aussicht gestellt. Damit sind selbst 2028 noch Verluste möglich.
Etwas Rückenwind liefern Powertrain & Chassis sowie Vehicle Lifetime Solutions. Für beide Sparten hebt Schaeffler die Margenziele um jeweils 0,5 Prozentpunkte an. Auch das konzernweite Ziel einer bereinigten EBIT-Marge zwischen sechs und acht Prozent sowie der angestrebte freie Cashflow von 400 bis 600 Millionen Euro bleiben bestehen.
Der Markt hegt massive Zweifel an der Umsetzung. Denn Schaeffler muss die angepeilte Profitabilität künftig mit deutlich weniger Umsatz erreichen. Am 5. August kann der Vorstand mit den Halbjahreszahlen erklären, wie dieses Ziel realisiert werden soll.
Das aktuelle Marktumfeld belohnt derzeit strukturelles Wachstum, hohe Profitabilität und belastbare Wettbewerbsvorteile. Schaeffler liefert das Gegenteil: sinkende Wachstumserwartungen und neue Zweifel an der E-Mobility-Strategie. Die Fantasie bei Humanoiden und Drohnen reicht nicht aus. Die Schaeffler-Aktie ist unter den AKTIONÄR-Stoppkurs von 7,50 Euro gefallen.
Heute, 11:35
Bei Google bevorzugen