Überraschender Kurs-Dreh an der Wall Street heute: Zum US-Handelsstart schien die Rollenverteilung nach den Quartalszahlen der beiden Software-Schwergewichte noch zementiert. Oracle legte vorbörslich mehr als sechs Prozent zu, Adobe verlor rund vier Prozent. Im regulären US-Handel dreht sich das Bild bei den Aktien gerade komplett um.
Adobe rückt Stück für Stück ins Plus. Letzter Stand: 254 Dollar – ein Plus von 2,2 Prozent. Oracle hingegen sackte direkt zum Handelsstart durch und notiert mit 151 Dollar nun gut ein Prozent im Minus.Was auf den ersten Blick wie ein Paradoxon wirkt, folgt einer nüchternen Börsenlogik bei Erwartungshaltung, Ausgaben und Bewertung.
Die Zahlen von Oracle fielen operativ stark aus. Die Kehrseite dieses Wachstums wiegt schwer. Oracle muss gewaltige Summen in Rechenzentren und Prozessoren pumpen, um die Nachfrage überhaupt bedienen zu können.
Dieses Geld landet direkt bei den Halbleiterherstellern und Ausrüstern. Die Chip-Branche streicht die Gewinne sofort ein, während Oracle die hohen Vorleistungen über Jahre refinanzieren muss.
Dazu kam Gegenwind von der Charttechnik. Im US-Handel stieg die Oracle-Aktie zunächst um bis zu 8,5 Prozent auf 166,00 Dollar, prallte dann jedoch an der Widerstandszone zwischen 161,56 Dollar (Kurslücke vom 14. April) und der 100-Tage-Linie bei 164,00 Dollar ab. Danach setzten Gewinnmitnahmen ein.
Spiegelbildlich verlief die Entwicklung bei Adobe. Nachbörslich und am Vormittag belastete die vorsichtige Prognose für das vierte Quartal. Die avisierten Erlöse lagen knapp unter den Markterwartungen, während der Rest eigentlich überzeugte.
Im Haupthandel setzt sich derzeit offenbar die fundamentale Substanz durch.
So wild kann Börse sein. Und die Bewegungen entbehren zugleich nicht einer gewissen Logik. Der Pessimismus bei Adobe war wohl doch etwas überzogen. Bereits gestern hatte DER AKTIONÄR etwas ratlos eingeordnet: „Adobe liefert zwar solide Kennzahlen ab, hat es an der Börse aber bereits seit einiger Zeit eher schwer, trotz günstig wirkender Bewertung.“ DER AKTIONÄR setzt bereits seit einiger Zeit wieder auf eine Kurs-Stabilisierung bei Adobe. Der heutige Richtungswechsel im US-Handel darf als eine erste Bestätigung dieser Einordnung gewertet werden. Und damit es kein Missverständnis gibt: Schwach waren weder die Zahlen von Oracle noch die von Adobe.
Heute, 21:15
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