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Adobe verdoppelt seine KI‑Erlöse – und die Aktie fällt trotzdem

Adobe verdoppelt seine KI‑Erlöse – und die Aktie fällt trotzdem
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Ingo Nix Heute, 12:03 Ingo Nix
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Adobe hat im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2026 erneut mehr geliefert als verlangt – und wurde erneut verkauft. Unsere Vorschau vom 10. September hatte vier Kennzahlen benannt, an denen sich der Termin entscheiden sollte. Drei davon sitzen. Gefallen ist die Aktie wegen einer fünften.

Der Quartalsumsatz stieg um 13 Prozent auf einen Rekordwert von 6,76 Milliarden Dollar, der bereinigte Gewinn je Aktie um 15 Prozent auf 6,13 Dollar – der fünfte Beat in Folge. Der operative Cashflow erreichte mit 2,52 Milliarden Dollar ebenfalls einen Quartalsrekord, und das Unternehmen kaufte rund 9,5 Millionen eigene Aktien zurück. An der operativen Lieferung gibt es nichts zu deuteln.

Adobe: Die Trefferbilanz der vier Kennzahlen

Erstens die netto neu gewonnene ARR (annualisierte wiederkehrende Erlöse). Der gesamte Abonnementbestand wuchs von 27,1 auf 27,5 Milliarden Dollar, macht rund 400 Millionen Dollar netto neu – unter unserer Schwelle von 450 Millionen und damit exakt auf der Linie, die Barclays vor dem Termin modelliert hatte. Der Vorwurf, dass der Freemium-Schwenk Umsatz kostet, bevor er ihn bringt, bleibt also stehen.

Zweitens die KI-Erlöse: Der KI-zentrierte Bestand übersprang 650 Millionen Dollar und wuchs um mehr als 150 Prozent zum Vorjahr – die 600er-Schwelle ist deutlich genommen, der Firefly-Bestand legte allein gegenüber dem Vorquartal um 40 Prozent zu. Drittens das Geschäft mit Kreativ- und Marketingprofis: 4,65 Milliarden Dollar Abonnementumsatz, plus 13 Prozent berichtet und 12 Prozent währungsbereinigt. Die Zehn-Prozent-Linie hält. Viertens die Jahresprognose: Sie wurde nicht gesenkt, sondern auf 26,58 bis 26,63 Milliarden Dollar angehoben.

Adobe: Die Prognose, die keiner auf der Liste hatte

Gekippt hat den Kurs eine Zahl, die in keiner unserer vier Zeilen stand. Für das laufende vierte Quartal peilt Adobe 6,80 bis 6,85 Milliarden Dollar Umsatz an – die Prognose lag laut ChartMill bei 6,96 Milliarden. Beim bereinigten Gewinn je Aktie stehen 6,30 bis 6,35 Dollar gegen eine Erwartung von etwa 6,43 Dollar. Das saisonal stärkste Quartal des Konzerns wird damit erstmals seit Langem unter Markterwartung eingetaktet. Interimsfinanzchef Steven Day verwies auf leichten Gegenwind durch Wechselkurse und betonte, im Geschäft ändere sich nichts.

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Adobe: Reichweite wächst schneller als Umsatz

Das Management führte die Breite der Plattform ins Feld: über eine Milliarde monatlich aktive Nutzer über alle Bereiche, mehr als 900 Millionen bei Acrobat und Express, über 100 Millionen in den kostenlosen Kreativangeboten mit einem Zuwachs von mehr als 70 Prozent. Dagegen stehen die vertraglich gesicherten Aufträge: Der Bestand an noch nicht erlösten Leistungsverpflichtungen lag bei 22,16 Milliarden Dollar und wuchs nur noch um acht Prozent. Genau hier hakte Jay Vleeschhouwer von Griffin Securities nach; Day erklärte die Schwäche mit demselben Freemium-Fokus, der auch die netto neue ARR drückt. Zur Rückzahldauer dieser Investition nannte das Management erneut keine Zahl. Dazu kommt der Führungsumbau: Anil Chakravarthy übernimmt zum 1. Dezember, Shantanu Narayen wechselt an die Spitze des Verwaltungsrats, ein regulärer Finanzvorstand fehlt weiterhin. Die Übernahme von Topaz Labs soll im vierten Quartal geschlossen werden.

Adobe: Was nach der Zahl bleibt

Adobe verdient mehr, wächst schneller als erwartet und monetarisiert seine KI-Produkte inzwischen sichtbar – das war der Beweis, den der Markt eingefordert hatte. Bezahlt wird die Aktie trotzdem wie ein Unternehmen ohne Zukunft, und die eigene Prognose für das wichtigste Quartal des Jahres liefert den Skeptikern zum ersten Mal seit Langem ein hartes Argument. Die Frage ist nicht mehr, ob die KI Geld bringt, sondern wann der Freemium-Trichter aufhört, Geld zu kosten. Vor dem 1. Dezember wird darauf niemand antworten.

Das Geschäft läuft: Adobe verdient mehr als erwartet, und die KI-Erlöse haben sich binnen eines Jahres mehr als verdoppelt. Gestört hat die Börse allein die eigene Prognose fürs laufende Quartal, die unter den Erwartungen liegt. Die Adobe-Aktie tut sich an der Börse trotzdem seit Längerem schwer – auf Basis der eigenen Jahresprognose kostet sie derzeit rund das Zehnfache des bereinigten Gewinns.

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