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Adobe‑Aktie vor den Q3‑Zahlen: Bewertung auf Jahrzehnttief

Adobe‑Aktie vor den Q3‑Zahlen: Bewertung auf Jahrzehnttief
Foto: hapabapa/iStockphoto
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Ingo Nix Heute, 09:51 Ingo Nix
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Heute nach US-Börsenschluss legt Adobe die Zahlen zum dritten Quartal des Geschäftsjahres 2026 vor. Zweimal in Folge hat der Konzern die Erwartungen geschlagen – und zweimal fiel die Aktie. Diesmal kommt ein Führungswechsel dazu.

Der Konsens rechnet für das dritte Quartal mit einem Umsatz von 6,69 Milliarden Dollar, ein Plus von 11,8 Prozent gegenüber den 5,99 Milliarden Dollar des Vorjahresquartals, und mit einem bereinigten Gewinn je Aktie von 6,08 Dollar nach 5,31 Dollar – ein Zuwachs von 14,5 Prozent. Adobe selbst hatte im Juni 6,67 bis 6,72 Milliarden Dollar Umsatz und 6,05 bis 6,10 Dollar Gewinn je Aktie in Aussicht gestellt. Der Konsens liegt damit exakt in der eigenen Spanne. Für das Gesamtjahr stehen 26,5 bis 26,6 Milliarden Dollar Umsatz und 24,35 bis 24,45 Dollar Gewinn je Aktie im Plan.

Adobe: Eine Aktie im dritten Verlustjahr

Die Ausgangslage ist ungewöhnlich. Die Aktie hat 2024 rund 25 Prozent verloren, 2025 weitere 21 Prozent, und 2026 steht beim Schlusskurs von 255 Dollar ein Minus von rund 26 Prozent zu Buche. Die 52-Wochen-Spanne reicht von 190,12 bis 370,86 Dollar. Dazu kommt ein personeller Umbruch: Anil Chakravarthy übernimmt zum 1. Dezember den Chefposten von Shantanu Narayen, der Executive Chair wird. David Wadhwani, Chef des Kreativgeschäfts und lange als Kronprinz gehandelt, verlässt das Haus. Der Finanzvorstand ist seit dem Abgang von Dan Durn im Juni vakant. Auf die Q2-Zahlen – Rekordumsatz, angehobene Prognose – reagierte die Aktie mit einem Minus von 6,8 Prozent.

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Adobe: Der Preis des Wachstums

Der Kern des Streits ist der Freemium-Schwenk. Adobe leitet den stark gewachsenen Traffic nicht mehr auf die Kaufseite, sondern in kostenlose Produkte. Die Zahlen dazu sind wuchtig: Die Zahl der monatlich aktiven Nutzer im kostenlosen Kreativbereich stieg von über 50 auf über 90 Millionen, Acrobat und Express kommen zusammen auf mehr als 850 Millionen. Der Preis dafür steht ebenfalls in den Büchern. Im ersten Quartal – dem letzten Quartal, für das Adobe die Zahl ausgewiesen hat – lagen die netto neu gewonnenen wiederkehrenden Erlöse im Digital-Media-Geschäft bei rund 400 Millionen Dollar, erwartet worden waren 450 bis 460 Millionen. Geplante Preiserhöhungen wurden verschoben.

Adobes künstliche Intelligenz verdient schon Geld, ist im Konzern aber noch ein kleines Licht. Die KI-Abos bringen mehr als 500 Millionen Dollar im Jahr, dreimal so viel wie vor einem Jahr; der Bildgenerator Firefly steuert davon knapp 300 Millionen bei. Gemessen an den 27,1 Milliarden Dollar, die Adobe insgesamt an laufenden Abogebühren einnimmt, sind das rund zwei Prozent. Von hundert Dollar Umsatz kommen also zwei aus dem Geschäft der Zukunft – und 98 aus dem alten, das genau diese Technik bedroht.

Adobe (WKN: 871981)

Adobe: Der Vergleich mit Figma

Im praktisch deckungsgleichen Zeitraum – Quartal per 30. Juni – hat der Wettbewerber Figma 370,1 Millionen Dollar umgesetzt, ein Plus von 48 Prozent und die dritte Beschleunigung in Folge; die Nettoexpansionsrate lag bei 136 Prozent. Adobes Sparte für Kreativ- und Marketingprofis wuchs zuletzt um elf Prozent währungsbereinigt. Die Deutung ist eindeutig: Das ist kein Branchenzyklus. Der Markt für Kreativsoftware wächst kräftig, Adobe wächst deutlich langsamer als er.

Was die Aktie tragen würde:

Auf Basis der eigenen Jahresprognose kostet die Aktie rund das 10,5-Fache des bereinigten Gewinns – für einen Konzern mit hohen Margen, laufenden Aktienrückkäufen und einer Rückkaufermächtigung von zuletzt rund 27 Milliarden Dollar ist das ein Bewertungsniveau, das viel Enttäuschung bereits enthält. Beschleunigen sich die widerkehrenden Erträge über 450 Millionen Dollar und liefert die KI-Sparte den nächsten Sprung, kippt die Wahrnehmung schnell.

Was sie kippen würde:

Die Gegenseite ist ebenso konkret. Der Freemium-Trichter ist bislang eine Behauptung: Zur Rückzahldauer der Investition hat das Management auf Nachfrage keine Zahl genannt. Ohne Finanzvorstand und mit einem Chefwechsel im Dezember fehlt die Instanz, die eine belastbare Mehrjahresplanung vorlegen könnte. Die Analystenseite hat entsprechend gedreht: Bank of America stuft auf „Underperform“, Morgan Stanley auf „Underweight“ mit 240 Dollar Kursziel, Stifel bleibt bei „Halten“ mit 200 Dollar.

Der Markt preist eine Bewegung von rund 7 Prozent in beide Richtungen ein


Adobe verdient gut, wird an der Börse aber seit drei Jahren abgestraft: Zweimal in Folge hat der Konzern die Erwartungen übertroffen, und zweimal fiel die Aktie trotzdem. Heute Abend entscheidet deshalb nicht der Gewinn, sondern ob das Abogeschäft wieder schneller wächst, ob die KI-Umsätze Tempo halten und ob die Jahresprognose bestätigt wird. Wird die Prognose gesenkt, hilft auch ein gutes Quartal nicht mehr.

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