Rheinmetall an DAX-Spitze – bald Artillerie-Munition aus VW-Werk?

Rheinmetall an DAX-Spitze – bald Artillerie-Munition aus VW-Werk?
Foto: picture alliance/ Ulrich Baumgarten
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14.04.2025, 14:38 ‧ Martin Mrowka

Deutschlands größter Rüstungskonzern Rheinmetall hat einen Zulieferer gekauft, dessen spezielles Produkt Nitrocellulose für Artilleriemunition genutzt wird. Damit erhalten auch die Gerüchte über die Umwandlung eines Volkswagen-Werks in eine Rüstungsfabrik neue Nahrung. Die Rheinmetall-Aktie nimmt zum Start in die Karwoche Kurs auf neue Rekorde.

Rheinmetall hat in der vergangenen Woche das Chemie-Unternehmen Hagedorn-NC übernommen. Die Firma stellt sogenannte Nitrozellulose her, was ein Bestandteil von Treibladungspulvern ist. Nitrozellulose wird aus einer Mischung aus Salpeter- und Schwefelsäure hergestellt, umgangssprachlich ist sie auch als "Schießbaumwolle" bekannt.

Die Produktion dieses Materials befindet sich in Lingen im Emsland. Rheinmetall ist bereits der größte Fabrikant von Artillerie-Munition in der westlichen Welt, braucht jedoch mehr. Angesichts der stark steigenden Nachfrage soll die Produktion ausgeweitet werden. 

Der Düsseldorfer Rüstungskonzern hat bislang drei Standorte, an denen Nitrozellulose hergestellt wird: in der Schweiz, in Spanien und in Südafrika. Mit der Übernahme von Hagedorn-NC kommt der erste Standort in Deutschland hinzu. 

"Die Übernahme hilft uns dabei, einen strategischen Engpass bei der Treibladungs-Herstellung zu schließen", sagte Rheinmetall-Chef Armin Papperger. Mit dem Erwerb sichere man sich den Zugang zu einer wichtigen Rohstoffquelle. Die kartellrechtliche Freigabe der zuständigen Behörden wird wohl bald erfolgen.

Der Kauf nährt die seit Wochen herumgeisternden Gerüchte, dass aus dem VW-Werk in Osnabrück eine Waffenfabrik werden könnte. Die beiden Standorte sind nur eine Auto-Stunde voneinander entfernt. Das Auto-Werk in Osnabrück steht zudem auf der Streichliste von Volkswagen.

Bereits vor einem Monat hatte Papperger das VW-Werk in Osnabrück als gut geeignet bezeichnet, um dort zum Beispiel militärische Fahrzeuge herzustellen. Für die Munitionsherstellung sei das Werk aber eher ungeeignet. 

Man sei immer mit Volkswagen im Gespräch – auch weil Rheinmetall und VW beim Bau von Lkw kooperieren. Laut Pappbeger wären mit einer Umnutzung des Werks allerdings hohe Umbaukosten verbunden. Solche Investitionen würde man nur tätigen, wenn man auch sichere Aufträge durch den Bund habe. Der Rheinmetall-Chef sprach bei der Bilanzpressekonferenz Mitte März in diesem Zusammenhang von Rahmenverträgen über zehn Jahre, die die Abnahme von einer bestimmten Fahrzeugzahl garantierten.

Ungeachtet der schwelenden Pläne um das VW-Werk gehört die Rheinmetall-Aktie am Montag in einem freundlichen Börsen-Umfeld zu den besten DAX-Werten. Zeitweilig steigt das Papier im Xetra-Handel um über vier Prozent auf 1.422 Euro. Damit rückt das Rekord-Verlaufshoch vom 19.März bei 1.483 Euro wieder in Reichweite.

Rheinmetall-Aktie seit April 2024 (Xetra)
Quelle: TradingView.com
Rheinmetall-Aktie seit April 2024 (Xetra)

Auch andere Rüstungsaktien gehören am Montag zu den größeren Gewinnern. Im MDAX gewinnen Hensoldt und Renk Group mehr als drei Prozent.

Seit Beginn des Ukraine-Kriegs vor mehr als drei Jahren ist Rheinmetall auf steilem Wachstumskurs, nach dem von der künftigen Bundesregierung geplanten Milliarden-Paket für Infrastruktur und Rüstung beschleunigte sich der Trend noch. Vor allem die Nachfrage nach Artilleriemunition ist nach oben geschnellt. 

Rüstungswerte im allgemeinen und Rheinmetall im speziellen dürften an der Börse weiterhin gesucht bleiben. Engagierte Anleger halten ihre Papiere.

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20 aussichtsreiche Unternehmen der Verteidigungs-Industrie: European Defence Index
Quelle: DER AKTIONÄR
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Enthält Material von dpa-AFX

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