Jetzt ist sie weg. Goldman Sachs trennt sich von Chefjuristin Kathy Ruemmler. Damit eskaliert der Epstein-Ärger bei der US-Großbank. Diese Entwicklung bestätigt, was sich zuletzt abgezeichnet hatte. Der Fall ist größer geworden als eine interne Verteidigungslinie. Der Aktie von Goldman Sachs muss das trotzdem nicht schaden.
Ruemmler reichte ihren Rücktritt am Donnerstag ein. Auslöser sind neu veröffentlichte Unterlagen des US-Justizministeriums, die eine jahrelange, enge Beziehung zwischen ihr und Jeffrey Epstein belegen. E-Mails, Textnachrichten und Fotos widersprechen der bisherigen Darstellung, es habe sich lediglich um einen professionellen Kontakt gehandelt.
„Onkel Jeffrey“
Die Dokumente zeigen einen auffallend persönlichen Umgangston. Ruemmler bezeichnete Epstein als „Onkel Jeffrey“, schrieb private Nachrichten, nahm Geschenke an und beriet ihn inhaltlich zu juristischen Fragen rund um seine Sexualstraftaten. Laut Unterlagen taucht ihr Name in mehr als 10.000 freigegebenen Dokumenten auf.
Das ist ein Problem für Goldman. Denn Ruemmler war nicht nur Chefjuristin, sondern auch stellvertretende Vorsitzende des Reputational Risk Committee. Also ausgerechnet jenes Gremium, das im Haus über Risiken, Standards und Graubereiche wacht.
Noch vor wenigen Tagen hatte das Management demonstrativ an ihr festgehalten. Auf dem großen Partnertreffen in Miami trat Ruemmler prominent auf, intern wurde sie verteidigt. Goldman argumentierte, die Kontakte hätten vor ihrem Einstieg im Jahr 2020 stattgefunden und seien der Führung bekannt gewesen.
Diese Linie ließ sich nach der Veröffentlichung der Unterlagen nicht mehr halten. Zu detailliert, zu persönlich, zu schwer erklärbar. Am Donnerstag bot Ruemmler schließlich selbst ihren Rücktritt an. CEO David Solomon hat ihn akzeptiert.
Sex-Verbrecher
Epstein war ein US-Finanzier, der wegen Sexualdelikten und des Missbrauchs minderjähriger Mädchen international Schlagzeilen machte. Jüngst wurden Millionen Seiten an Dokumenten rund um Epstein veröffentlicht. Besonders häufig und auch in problematischen Zusammenhängen taucht übrigens der Name Donald Trump auf.
Für die Aktie ist der Skandal wohl kein Gamechanger, zumal Ruemmler nun weg ist. Das operative Geschäft läuft stabil. Der Kurs bewegt sich im Aufwärtstrend. Die AKTIONÄR-Empfehlung liegt deutlich im Plus.
Heute, 11:11